9. Koboldstein. Von der Mariasorger Höhe gelangt man südlich in gerader Richtung zum Koboldstein bei Pfaffengrün. Die Aussicht ist zwar etwas beschränkter, wie auf der Mariasorger Höhe, aber deutlicher. (Zettlitz-Karlsbader Bahnhof.)

10. Ullersgrün 1½ St. (über Mariasorg s. 8). Oberhalb von Wagners Gasthause wandern wir auf dem angenehmen Wege waldeinwärts südlich durch den mit den schönsten Waldungen geschmückten Wolfsberg, die würzigste Luft einathmend, bis zu dem schön zwischen Feldern und Wiesen auf einem Plateau des Hahnberges gelegenen Dörfchen Ullersgrün. Vor unseren Blicken entrollt sich eine wahrhaft köstliche Rundschau. (Von Ullersgrün abwärts kommt man in ½ St. nach Lichtenstadt.)

11. Spitzbergel bei Pfaffengrün (1 St.) Wir gehen zum Friedhofskirchlein (siehe 3), bei dem nahe liegenden Häuschen biegt rechts der Weg ab, von da den steilen Berg hinan, geht man dann – die Hauptrichtung ist südlich – durch den Wald und sieht aus der Ferne das mit einem Kreuze gezierte Spitzbergel, wo sich eine schöne Aussicht bietet. (Schönwald, Permesgrün, Ober- und Unterbrand, Schlackenwerth, Lichtenstadt, Zettlitz.)

12. *Hauenstein (2 St.). a) Gebirgstour. Der Fussweg nach dem »wundersam lieblichen Hauenstein«, einem der lohnendsten Ausflugsorte der Umgebung, führt über den sog. Galgenberg nach Arletzgrün, Honnersgrün, Holzbach über Schönwald nach Hauenstein. b) Ueber Oberbrand, Weidmesgrün, Marletzgrün, sog. untere Holzbacher Mühle, Schönwald, Hauenstein.

Das Schloss gleichen Namens – von den Burgen des Egerthales ganz allein nur bis heute bewohnbar – ruht höchst malerisch auf einem fast senkrecht abfallenden Basaltfelsen, dem Hauensteiner Schlossberg, welcher zwischen zwei Bächen, dem Gerinne und dem Zwiesebache, aus dem Thale sich emporhebt. »Da liegt es«, sagt Theodor Reinwald (Therese v. Hansgirg) so poetischschön, »in's Grün gebettet, auf Skargen und Terrassen aufsteigend, waldumgürtet, buschumweht, aus reicher Blättermasse traut herüberwinkend, ein anspruchloses Schloss im alten Gebirgsstyl, mit Riegelwänden und hohen Giebeln, über denen sich trotzig, mit wahrhaft feudaler Grösse der alte steinerne Rundthurm erhebt, im Volksmund der »Bürgermeister« genannt. Er schaut so kühn herunter, als gehöre er einer mittelalterlichen Veste an. – Die modernen Wirthschaftsgebäude und Beamtenwohnungen ergänzen das Gesammtbild.« Die ganze Umgebung des Schlosses, das in neuester Zeit durch einen Neubau vergrössert wurde, hat die frühere Grundherrin, Gabriele Gräfin von Bouquoi, mit herrlichen, parkartigen Anlagen und bequemen Wegen verschönert und in der That zu »einem Eldorado des Egerthales« umgeschaffen. Auf dem höher gelegenen Berge thront im gothischen Style die Kapelle, die der berühmte Architekt und Professor B. Grueber gebaut und der heimische Bildhauer Max mit künstlicher Steinmetzarbeit ausgestattet hat. Hier entrollt sich dem Naturfreunde ein bezauberndes Landschaftsbild. Zu der »Koppe« des östlich vom Schlossberge aufsteigenden Eichelberges, dessen Waldung über 50 Baumarten enthält, gelangt man auf sehr bequemen, serpentinartig angelegten Pfaden in ½ Stunde. »Es ist geradezu ein Tempel voll gigantischer Säulen, unter dessen hochgewölbtem Dach man hinanstrebt.« Von der »Koppe« erschliesst sich ein überwältigendes, wahrhaft malerisches Panorama. Am Fusse des Berges weithin das lachende, fruchtbare, mit Ortschaften gezierte, von der Eger durchschlängelte Thal, westlich das Fichtelgebirge, östlich Komotau, nördlich Schönwald und der Keilberg, der gigantische König des Erzgebirges; dazu winken vier alte Ritterburgen; links das nahe Hauenstein, nordöstlich auf schroffen, zerklüfteten Felsen Himmelstein, südlich das hochragende, sagenreiche Engelhaus und stromabwärts Schönburg. Rückwärts kehrt man über den »Seeteich« oder die »steile Wand« in das »Fremdenhaus« zurück. Dasselbe ist im Schweizerstyl erbaut, enthält eine Restauration und gewährt vom Balkon des Sommersalons eine herrliche Aussicht. Empfehlenswerth ist die schattige Promenade am »Meierrang«, wohin man auf wohlgepflegten Wegen gelangt. Von Hauenstein aus wird ein Abstecher auf der Strasse in südöstlicher Richtung, dann weiter nordöstlich längs der Bahn in dem herrlichen Egerthale nach dem Orte »*Krondorf« mit dem bekannten Sauerbrunn allen Touristen empfohlen. Die Landschaftsbilder sind hier sehr mannigfaltig und von überraschender Schönheit. Die hier liegende Eisenbahnstation Wickwitz-Welchau, sowie die Station Neudau sind Absteigestationen für den Besuch von Giesshübel-Puchstein. Für Hauenstein selbst ist Absteigestation Hauenstein-Warta, so dass diese Partie in bequemer Weise von Schlackenwerth oder Klösterle mit der Bahn zu machen ist. Dann können wir den Weg in bekannter Weise nach Joachimsthal fortsetzen.

Geschichtliches. Die Burg Hauenstein taucht urkundlich zuerst zu König Johanns Zeiten auf, wo sie der Ritter Nikolaus Winkler lehensweise besass, der sie an das Prämonstratenser-Nonnenkloster zu Doxan verkaufte. Dieses vertauschte 1336 die Burg an König Johann, der sie wieder verpfändete. Hauenstein, das rasch seine Besitzer aus verschiedenen Geschlechtern wechselte, kam endlich 1528 an Heinrich II. Schlick von Holicz, Grafen von Passaun, und blieb bei dessen Nachkommenschaft bis 1664, in welchem Jahre Franz Ernst Schlick das Gut an Heinrich Julius von Sachsen-Lauenburg verkaufte, der dasselbe mit der Herrschaft Schlackenwerth vereinigte. Seitdem erfuhr Hauenstein mit dieser alle Besitzveränderungen. 1811 wurden die Herrschaften von einander getrennt. Hauenstein blieb Eigenthum der k. k. Kammer und wurde nebst Kupferberg 1836 an die kunstsinnige Gräfin Gabriele von Bouquoi, einer Wohlthäterin des Erzgebirges, verkauft, die es ihrem Sohne, dem Grafen Georg von Bouquoi, vererbte.

13. Zum *Keilberg. Indem wir auf die Tour Joachimsthal-Gottesgab verweisen, von wo der Keilberg am bequemsten bestiegen werden kann, halten wir es für unsere Pflicht, die Touristen auf zwei kürzere, freilich etwas steiler führende Waldwege aufmerksam zu machen. 1. Vom Forsthause Hut (Siehe Joachimsthaler Spaziergänge 7) nach der Pfarrwiese unterhalb der Reichen-Geschieb-Zeche, über's Pfarrknöchel zum Press und von da auf die sog. Sonnenwirbeler Strasse. 2. Vom Pfarrknöchel zum ärarischen Wassergraben bis zum Unruhstollen, von da über die Maderwiese zu den Unruhhäusern und weiter zum Keilberg. (Man nehme einen Führer.)

14. Zum Spitzberg. Haben wir denselben erstiegen, so breitet sich ringsum ein reiches Panorama aus. Man hat im Osten vor sich das Riesenhaupt des Keilberges, der, von unserem Standpunkte betrachtet, wegen seiner imposanten, keilförmigen Ausdehnung nach Südost so recht seinen Namen rechtfertigt, weiter links den Fichtelberg in Sachsen und zwischen den beiden Giganten des Erzgebirges ganz im Vordergrunde »auf tiefverlass'ner stiller Bergeshaide« das Städtchen Gottesgab mit seinem Territorium. Nach Norden hin sehen wir ausgedehnte, endlose Waldungen, nach Nordwest die Gegend bei Johanngeorgenstadt, Eibenstock und immer westlicher die deutlichen Conturen des Fichtelgebirges. Die schönste Aussicht aber bietet sich dem Beschauer nach Süden und Südwesten; denn der Spitzberg beherrscht beinahe die Hälfte des Egerer Kreises. Vor uns liegen der kahle Plessberg bei Abertham, die dürre Haide bei Wölfling und andere Punkte der Erzgebirgswelt; das Duppauer- und Tepler-Gebirge, sowie der Kaiserwald bilden den Hintergrund des herrlichen Landschaftsgemäldes, aus dem ein Theil von Schlackenwerth, die nächste Umgebung Lichtenstadt's, der Grossteich, der Karlsbader Bahnhof, die Ruine Engelhaus, Giesshübel, Tüppelsgrün und in blauer Ferne die Gegend bei Maria-Kulm bis in die nächste Umgegend von Eger hervortreten; ausserdem gewahrt man die Umgebung von Einsiedl und Marienbad.

Tour: Joachimsthal-Abertham-Bärringen-Platten-Breitenbach-Johanngeorgenstadt.