Geschichtliches. Graf Stefan Schlick legte 1518 den Grundstein zu dem Schlosse Freudenstein, dessen Bau 1520 vollendet ward. Es lag vor dem 30jährigen Kriege in der Mitte der Stadt, dessen oberer Theil im Thale lag, während ein grösserer Theil hinter der Burg auf dem Berge, wo jetzt die Neustadt liegt, stand. Von dem ehemaligen Stadttheil, hinter dem Freudenstein gegen Westen, sind jetzt nur Spuren von Mauern und Kellern vorhanden. Es wurde Anfangs von dem Berghauptmann des Burgherrn bewohnt, 1525 von aufständischen Bergleuten geplündert und theilweise verwüstet, bald aber wieder hergestellt. Seit 1545 diente es dem jeweiligen königl. Berghauptmann zur Wohnung, bis es nebst dem oberen Theil der Stadt 1634 von den Schweden zerstört wurde. (Siehe Näheres Geschichte der Stadt Joachimsthal.)
2. *K. k. Cigarrenfabrik und k. k. Hüttenwerk. Auf der Aerarialstrasse thalabwärts betritt man die links abzweigende Gemeindestrasse, die zur Cigarrenfabrik führt. Kürzer und bei staubiger Strasse empfehlenswerther ist der Weg längs der sogenannten »Ziegengasse«, die von der Hauptstrasse schon beim Kaufmann Siegl abbiegt. Die k. k. Cigarrenfabrik, ein imposantes Gebäude, liegt in einem höchst romantischen Seitenthal und beschäftigt 700 Personen. (Anmeldung behufs innerer Besichtigung hat beim k. k. Fabriksdirektor zu geschehen.) – Auf der Aerarialstrasse etwas weiter abwärts gelangt man zur Barbara-Kapelle und dann zum k. k. Hüttenwerk, leicht erkenntlich durch seine riesenhaften schlanken Essen. Hier werden die berühmten Uranpräparate erzeugt, die nicht nur nach den verschiedenen Ländern von Oesterreich-Ungarn, sondern auch in's Ausland versendet werden. (Man melde sich beim k. k. Hüttenverwalter in dem rechts von der Strasse auf einer Anhöhe liegenden Verwaltungsgebäude an.)
3. Zum Seilerweg. Die früher genannte Aerarialstrasse benützend, lenken wir von dieser beim sogenannten Badhause, jetzt Unger's Färberei, ab und schlagen den Weg rechts zu dem durch den unvergesslichen Erzgebirgsfreund K. V. Ritter von Hansgirg verschönerten Friedhofe und zu der Spital- oder Todtenkirche mit mehreren guten Gemälden aus alter Zeit, ein. Beim Hauptthore des Friedhofes eintretend, die Grabdenktafel des Dechants P. Anton Böhm, des Verfassers einer Joachimsthaler Chronik, (gebor. 29. Juni 1785, gestorben 14. Feb. 1862), nahezu in gleicher Richtung an der gegenüberstehenden Mauer das einfache Grabdenkmal des Dichters Karl Victor R. von Hansgirg, gesetzt von den Bezirksgemeinden. Auf dem ebenen Seilerwege selbst entrollt sich vor unseren Augen ein prachtvolles, malerisch schönes Bild der Stadt. Vor uns liegt der ganze Marktplatz, durch dessen Mitte längs des Weseritzbaches sich eine Allee Kastanienbäumchen windet. Dazu die die Stadt umfriedenden Bergeslehnen mit ihren Wiesen, Feldern und Halden, das herrliche Seitenthal der Cigarrenfabrik mit den prächtigen, dicht bewaldeten Höhenzügen und den darauf idyllisch ruhenden Häuschen – dies alles gewährt wahrlich ein ebenso überwältigendes als seltenes Panorama!
4. Zur Halde bei dem Einigkeitsschacht, oben sehr schöner, ebener Weg mit herrlicher Aussicht auf die Stadt und Gebirgslandschaft.
5. Zum Kaiser Josef-Schacht vom Einigkeitsschachte entlang der sog. »Eisenbahn« dann den Weg links ab. Ist an heissen Sommernachmittagen sehr empfehlenswerth, weil kühl und ebenfalls schöne Aussicht auf die Stadt.
6. Zur Johannis- und Prokopi-Kapelle. Erstere liegt auf einer Anhöhe an der Ostseite der Stadt und führt von ihr ein Weg zu der weiter nordöstlich auf einem hohen Berge stehenden, weithin sichtbaren Prokopi-Kapelle mit lohnendster Aussicht. Diese Kapelle, von Feldern umgeben, ist unausgebaut geblieben und zeigt sich als Ruine.
7 *Zum Graben und auf den Grauenstein. Durch das Oberthal auf der nach Gottesgab führenden Strasse aufwärts, schlagen wir, zur Rechten eine Allee erblickend, den von derselben beschatteten Weg, »Graben« genannt, ein, der uns eine schöne Aussicht auf den gegenüber an der westlichen Berglehne liegenden Einigkeitsschacht und die Halde sowie auf die Stadt und die sie umrahmenden Bergeshöhen gewährt. Er zieht sich um die sogen. »Schwedenschanze« herum. Wir schreiten weiter, gelangen zum städt. Forsthaus »Hut«, wo gute Aussicht auf Theile des Mittelgebirges, betreten links den prächtigen Fichtenwald und kommen zur Reichen-Geschieb-Zeche am Widergebirge. Rechts von der »Hut« über »Rauschererb« auf den sagenreichen »Grauenstein«, wo wir eine herrliche Aussicht auf die umliegende Gebirgslandschaft geniessen (die schön gelegene Einschicht Schönerz, auch Oelbecken genannt, in ihrer Thalschlucht von Wiesen umgeben, die Cigarrenfabrik und Schmelzhütte, die Neustadt, das Spitzbergel bei Pfaffengrün). Rückweg durch das Thal der Cigarrenfabrik. (Vom Grauenstein aus kann man auch weiter den Keilberg besteigen. Man geht bis zur »grünen Kohlstätte«, wo sich rechts der Weg nach Oelbecken, links zum Press zweigt, von wo man auf die sog. Sonnenwirbler Strasse gelangt.)
Ausflüge.
8. *Mariasorg ¾ St. westsüdwestlich von Joachimsthal. Dorf mit einem Kapuzinerkloster, dessen Kirche mit Gnadenbild ein vielbesuchter Gnadenort ist; ein sehr beliebter Ausflugsort der Joachimsthaler. Wagners Gasthaus. – Von dem Einigkeitsschachte führt eine steile Gemeindestrasse südwestlich zu der Höhe hinan (»Neustadt«), links liegt Freudenstein. Auf dem Wege einen Blick rückwärts werfend, liegt in überraschender Tiefe Joachimsthal, während man ganz auf der Höhe, der sog. Mariasorger-Höhe, eine bezaubernde Fernsicht auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter Becken, die Ruine Engelhaus, auf das Mittelgebirge vom Königswarter Kaiserwald bis gegen das Duppauer Gebirge, ferner einen Theil des Egergebietes erhält; rechts streckt der Plessberg, links der Koboldstein sein Haupt empor. Ist unstreitig eine der schönsten und lohnendsten Partien im Erzgebirge.