Restauration am Bahnhofe.
Weiter sind noch erwähnenswerth: Gasthof zum Bahnhof in der Bahnhofstrasse, »Gasthaus zum Schiefer« in der Prager-Strasse, »Austria« in der Weinberggasse (Lokal des Lesekasinos), Städtische Restauration (genannt »Criminelle«), »Binders Weinhandlung« in der Herrengasse.
Aemter: 1. Die k. k. Bezirkshauptmannschaft; 2. das k. k. Bezirksgericht; 3. das k. k. Revier-Bergamt; 4. das k. k. Steueramt; 5. das k. k. Grenz-Inspektorat mit der k. k. Finanz-Wachkontrolsbezirksleitung und dem k. k. Hauptzollamte; 6. das k. k. Postamt am Schulplatz; 7. das k. k. Telegraphenamt in der k. k. Bezirkshauptmannschaft; 8. das k. k. Aichamt; 9. das k. k. Gendarmeriepostenkommando; 10. die Komotau-Sebastiansberger Bezirksvertretung; 11. das Bürgermeisteramt.
Lehranstalten: 1. das Communal-Obergymnasium; 2. die k. k. Lehrerbildungsanstalt; 3. die mechanisch-technische Lehrwerkstätte des k. k. Handelsministeriums; 4. die Bürgerschule und 5. die Privatvolksschule der Schwestern vom hl. Kreuz mit Pensionat.
Verkehrsanstalten. 1. die k. k. priv. Aussig-Teplitzer Eisenbahn; 2. die ausschl. priv. Buštěhrader Eisenbahn; 3. die k. k. priv. Dux-Bodenbacher Eisenbahn; 4. die Pilsner-Priesner Eisenbahn.
Zwei Lesezimmer a) das der Gesellschaft »Casino« b) das der Ressource. Eingeführte Fremde haben Zutritt. Die Buchhandlung von A. Stumpf am Marktplatz ertheilt allen Touristen über den Gebirgsverein, Führer in's Gebirge u. s. w. Auskünfte; 2. Buchhandlung von Mändl.
Sehenswürdigkeiten. 1. Die Stadtkirche. Der gothische Hauptbau stammt aus dem Jahre 1542; in früheren Jahren, etwa 400 Jahre zuvor, stand an diesem Orte eine kleine Kirche; der jetzige Hauptaltar wurde 1723 erbaut; sehenswerthe, kunstvolle Bilder am Kreuzaltare sind die der hl. Bonaventura und des hl. Franz von Assisi. In der Taufkapelle dieser Kirche erweckt besonders Interesse das merkwürdige, künstlerisch-werthlose Žižka-Bild, welches die Verheerung der Stadt durch die Hussiten darstellt. 2. Die *St. Ignaziuskirche oder Jesuitenkirche genannt an der Südseite des Marktplatzes, die grösste und schönste Kirche Komotaus und im italienischen Baustyl des 17. Jahrh. erbaut; die Kirche und die jetzt als Kaserne dienenden Nebengebäude bildeten einst das Jesuitencollegium, das 1773 aufgehoben wurde. Den Hochaltar dieser Kirche schmückt in seinem oberen Theile ein Kunstgemälde, darstellend Gott-Vater im Kreise seiner Engelschaaren. Lanfranco, ein Schüler der florentinischen Schule, malte es. Das Hauptbild des Hochaltars, gemalt vom Meister Kandler in Prag, stellt den hl. Ignatius vor; unter dem Presbyterium ist die Jesuitengruft. Die zweite Seitenkapelle rechts birgt die irdischen Ueberreste des 1681 verstorbenen Johann Grafen von Hrzan, k. k. Statthalters von Böhmen. Auf dem Seitenaltare des hl. Viktor befinden sich die Reliquien dieses Heiligen, mit welchen und zu deren Verehrung die Jesuiten ehemals jährlich eine Procession durch die ganze Stadt hielten. 3. Das Schloss, jetzt städt. Rathhaus, auf der Westseite des Marktplatzes, einst der Wohnsitz von Komotaus Oberherrn, dürfte in seinem noch bestehenden Bau 1520 errichtet worden sein. Gegenwärtig befindet sich darin das Bürgermeisteramt, die Sparkasse, das städtische Forstamt, ein Turnsaal u. s. w. 4. Die Katharinenkirche, dem Schlosse angebaut, darum auch Schlosskirche genannt, ist das älteste Baudenkmal Komotaus. Schon 1383 wird bei derselben unter anderen einer Frühmessstiftung Erwähnung gethan. Unter Kaiser Josef II. wurde die Kirche Eigenthum der Stadt; jetzt dienen ihre Räumlichkeiten verschiedenen privaten Zwecken. Die Bauart spricht für das 14. Jahrhundert. 5. Die Spittelkirche oder Kirche vom hl. Geist in der Gerstnergasse; sehenswerth ist ein kunstvolles Bild, darstellend den hl. Josef. 6. Gleich darunter steht die in den fünfziger Jahren erbaute protestantische Kirche. Die Juden-Synagoge, erbaut 1876, befindet sich in der Weinberggasse. 7. Das Gymnasium, ein schöner Bau mit einem Thurme (ehem. Sternwarte der Jesuiten), am linken Ufer des Assigbaches gelegen, angrenzend an die Jesuitenkirche. 8. Das Pädagogium, südlich ausserhalb der Stadt gelegen, früher das städtische Spital; die technische Lehrwerkstätte im unteren Ende der langen Gasse; die Eröffnung der Anstalt fällt in das Jahr 1874 und ist in ihrer Art die einzige in ganz Oesterreich und Deutschland. 9. Die Bürgerschule für Knaben und Mädchen unweit der Stadtkirche gelegen mit 19 Classen. 10. Die umfangreichen Gebäude der Schwestern vom hl. Kreuz mit einer 7classigen Privatvolksschule mit Oeffentlichkeitsrecht in der unteren langen Gasse. 11. Der nach englischem Muster angelegte Stadtpark, nördlich der Stadt, gehört zu den beliebtesten Spaziergängen der Komotauer.
Kurze Beschreibung der Stadt. Die königliche (1605) Stadt Komotau zählt über 700 Häuser mit einer Bevölkerung von 10100. Sie liegt am Fusse des Erzgebirges, zu beiden Seiten des Assigbaches, inmitten von Obst- und Gemüsegärten. Die Stadt hat 5 Jahrmärkte und wöchentlich 3 Märkte, betreibt lebhaft Obst- Getreide- und Gemüsehandel; merkwürdig ist das Gedeihen der edlen Kastanien in der Nähe von Komotau. Von Komotau führen mehrere Strassen auswärts: Die Leipziger oder Kaiserstrasse durch die Bahnhofstrasse in nordwestlicher Richtung nach Sachsen; die Prager Strasse durch die lange Gasse in südlicher Richtung über Postelberg, Laun nach Prag. Eine andere Strasse führt durch die Weinberggasse nach Görkau; die Kaadner Strasse durch die Bahnhofstrasse, beim Gasthause zum grünen Baum von der Leipziger Strasse abzweigend, führt beim Bahnhofe vorüber in westlicher Richtung nach Kaaden. Auch führt eine Bezirksstrasse in südlicher Richtung nach Eidlitz, eine in nördlicher Richtung übers Gebirge nach Platten, Kallich gegen die sächsische Grenze.
Geschichtliches. 1252 tritt der Name Comotov in den Urkunden auf; jedenfalls war da Komotau ein Dorf, das sich um eine Veste gruppirte; dieselbe stand an dem Orte, wo jetzt das Rathhaus und das Bräuhaus steht; im selben Jahre wird der deutsche Ritterorden als Herr des Marktes Komotau genannt. Von 1353 an erscheint Komotau als Stadt. Diese litt 1418 durch eine Feuersbrunst grossen Schaden. Ein Schreckenstag für Komotau war der 14. März 1421, an welchem die Stadt durch die Hussiten erstürmt wurde; die gesammte katholische Bevölkerung wurde grässlich hingemordet; nur 30 Einwohner wurden verschont, um ihre todten Mitbürger zu begraben. Kaiser Sigismund belohnte später die Lobkowitze mit Komotau. Bereits im Jahre 1456 wird Johann Czalta von Steinsberg als Herr von Komotau genannt. Durch Erbrecht ging die Stadt in den Besitz der Herren von Weitmühl über, wurde im Jahre 1560 an Erzherzog Ferdinand, Gemahl der Philippine Welser, und von diesem im Jahre 1571 an die Familie der Lobkowitze von Hassenstein verkauft. Zur Zeit der Reformation fand die neue Lehre hier Eingang. Georg Popel von Lobkowitz berief aber die Jesuiten zur Vertreibung des Protestantismus, der auch schliesslich wieder unterging. Derselbe Herr von Komotau trug sich auch mit dem Plane um, in Komotau eine Universität zu errichten; er fiel aber beim Kaiser in Ungnade und endete als Gefangener 1606 durch das Henkerbeil sein Leben in Elbogen. Die Güter Georgs von Lobkowitz gingen nun an den Staat über; dieser verkaufte ein Dritttheil dieser Güter an die Komotauer Bürgerschaft, welche dadurch von aller Oberherrschaft frei wurde. Der dreissigjährige Krieg machte sich in seinen traurigen Folgen auch in Komotau und Umgebung bemerkbar; am ärgsten hausten die Truppen des schwedischen Generals Pfühl in Komotau. Es wird erzählt, dass viele angesehene Komotauer Bürger der Tortour (Schwedentränkel) unterworfen wurden, um Geld von ihnen zu erpressen. Es sollen 160 Wagenladungen geraubter Gegenstände von den Schweden fortgeführt worden sein. Schon 1651 hatte sich der Wohlstand Komotaus so weit gehoben, dass es seinen Grundbesitz vergrössern konnte. Unter den höchsten gekrönten Häuptern, die Komotau im Laufe der Jahre mit einem Besuche beehrten, seien genannt: 1703 der König Karl von Spanien; derselbe übernachtete im Rathhause; 1771 der unvergessliche Josef II.; 1813 begaben sich die drei verbündeten Monarchen über Komotau nach Leipzig, um die Völkerschlacht zu schlagen. In demselben Jahre wurde in Komotau ein Haupt-Lazareth errichtet. In neuerer Zeit hat sich Komotau dadurch, dass es Knotenpunkt von vier Eisenbahnlinien wurde, sehr gehoben. Der vielen Schulanstalten wegen wird Komotau »Schulstadt« Westböhmens genannt. Komotau ist der Geburtsort von bemerkenswerthen Gelehrten und zwar: von Mathäus Goldhahn, einem berühmten Philologen, bekannt unter dem latinisirten Namen Aurogallus, gestorben 1543; von dem Historiker Franz Pubitschka, geboren 1722 und gestorben 1809; von Franz Josef Ritter von Gerstner, geboren 1754 und gestorben 1832 als k. k. Gubernialrath, Wasserbaudirector und Director der technischen Lehranstalt zu Prag, von ganz Europa als einer der ersten Mathematiker anerkannt.