Spaziergänge:

1. Von Komotau auf die *Alaunhütte, auch Schweizerhütte genannt. Wir gehen vom Ringplatze durch die Weinberggasse. Am Ende dieser Gasse erhebt sich eine kleine Anhöhe, »Weinberg« genannt. Links der Strasse zieht sich ein schmaler Fusssteig zum Endziele unseres Spazierganges. Eine Tafel mit der Aufschrift: »Weg zur Alaunhütte« macht den Touristen auf den Weg aufmerksam. In etwa ¼ Stunde sind wir am Ziele. Die Alaunhütte, eine Restauration in romantischer Lage, ist einer der beliebtesten Ausflugsorte für Komotau und Umgebung. Nächst der Alaunhütte befindet sich der Alaunsee. Wer des Ruderns kundig ist, miethet sich einen Kahn und befährt den See. Zur Winterszeit bietet der Alaunsee mit seiner schönen Eisbahn einen mächtigen Anziehungspunkt für Schlittschuhläufer. Ehemals war hier, wo sich jetzt der Alaunsee ausbreitet, ein grosses Alaunbergwerk. Die rothe alaunhältige Erde, welche rings um die Alaunhütte massenhaft zu sehen ist, erinnert an den einstigen Bestand des Bergwerkes. In der Nähe der Alaunhütte gedeihet die edle Kastanie in einer seltenen Grösse und Schönheit der Frucht. Die mächtigen Stämme und Kronen dieses Baumes gewähren einen herrlichen Anblick. Neben den Gastlocalitäten der »Hütte« ist auch eine Badeanstalt mit warmen Bädern. Den Sonntag nach Anton im Juni jedes Jahres begeht die Hüttenrestauration im Blätterschmucke mächtiger Eichen im schönsten Frühlingskleide der Natur ihr Fest mit Concert und Tanz.

2. Nach dem Komotauer *Stadtpark und dem städtischen Schiesshause. Wir gehen vom Marktplatze durch die Schiesshausgasse und kommen in ca. 10 Minuten bei der Komotauer Dampfmühle vorüber in den Park, der nach englischer Art angelegt ist. Naturfreunden bereiten hier die schönen Baumgruppirungen und Blumenpflanzungen einen wahren Genuss. Im Parke befindet sich das im Jahre 1833 erbaute städtische Schiesshaus und in dessen Nähe das aus Holz errichtete Sommertheater.

3. Von Komotau auf den *Hutberg. Durch die Schiesshausgasse gehend, gelangen wir, von den Parkanlagen links ab, in einen Fahrweg, der uns durch schöne Obstgärten in ca. ¾ Stunden auf den Hutberg führt. Die Aussicht von demselben ist bezaubernd schön. Am Fusse des Hutberges liegt in romantischer Lage das Dörfchen Pirken.

4. Von Komotau nach dem *»Ruland«. Die Plattner Strasse führt uns direct auf eine Anhöhe, wo mitten von Obstgärten, Feldern und Wiesen das schöne Wohn- und Wirthschaftsgebäude, genannt »Ruland«, malerisch gelegen ist. Eine schöne Aussicht über Komotau und in's Gebirge lohnt die Mühe des Touristen, welcher von den freundlichen Bewohnern des Gehöftes »Ruland« mit Milch, Obst u. s. w. bewirthet wird. Die Anhöhe »Ruland« wird häufig auch Galgenberg genannt, weil hier ehemals Verbrecher gerichtet wurden.

5. Von Komotau nach Eidlitz. Wir wenden uns durch die Gerstnergasse in die Prager Vorstadt und kommen bald auf die Komotau-Eidlitzer Bezirksstrasse. Der Weg ist ungemein angenehm. In ¾ Stunden sind wir in Eidlitz. Sehenswerth ist das Schloss und eine Zuckerfabrik.

6. Von Komotau nach *Görkau (1 Stunde). a) Auf der Strasse. Von Komotau durch die Weinberggasse führt die Strasse über den Weinberg durch schöne Obstgärten und Felder nach dem Kirchdorfe Udwitz mit seinen Kohlenbrüchen. Von hier kommen wir in ½ Stunde nach Görkau. (Siehe Görkau.) b) Auf dem Fusssteige. Von Komotau gehen wir durch die Weinberggasse nach der Alaunhütte. Von hier führt ein Fusssteig nach den sogenannten Kohlenhäuseln. Wir gelangen auf demselben zur »Tempis-Kapelle«, welche ein Schlosskaplan von Rothenhaus, Hans von Tempis, vor vielen Jahren wegen seiner glücklichen Rettung aus Räubershänden an dieser Stelle erbauen liess. Der Fusssteig führt uns jetzt direct in ca. ¼ Stunde nach Görkau.

7. Von Komotau nach dem Gebirgsdorfe *Platten. Auf der Plattner Strasse, ziemlich steil ansteigend, kommen wir in ca. 1½ Stunde nach Platten mit seiner zu Ende des 14. Jahrhundertes bereits bestehenden Kirche und seinem Schlosse, das als Jagdschloss des Besitzers von Rothenhaus einst bessere Zeiten gesehen hat. Unweit Platten ist der viel besuchte Wallfahrtsort Quinau. Die Aussicht beim Schulhause in's Böhmerland ist prachtvoll! (Siehe Bereisung von Görkau aus.)

Touren.

1. Von Komotau bis zur *Grundmühle, nach Domina, Troschig und Tschernowitz. Von Komotau gehen wir an dem Assigbache hinauf nach Oberdorf. Oberhalb der Oberdorfer Hammermühle beginnt das überaus freundliche Assigbachthal mit üppigen Wiesen und bewaldeten Thalgehängen. Wir wandern hier ohne alle Anstrengung und erreichen in 1 Stunde die erste Grundmühle, auch »Kleinmühle« genannt. Hier können wir einen kleinen Imbiss nehmen und uns an einem Trunke Bier oder Milch erquicken. Von hier nehmen wir den Weg rechts an der Thalwand hinauf gegen Domina. Der Weg ist ziemlich gut. Der Ort lässt sich von der Grundmühle aus in 1 Stunde bequem erreichen. Doch ist es nicht nöthig, bis in das genannte Dorf zu gehen; wir verlassen deshalb denselben, wenden uns rechts dem Dörnthaler Weg zu. Nördlich von Dörnthal sehen wir schon den Troschiger- oder Klingerberg ansteigen, das vorläufige Ziel unserer Reise. In 1½ Stunde ist die erste Höhe erreicht. Die Aussicht ist hier lohnend; am westlichen Gehänge schlängelt sich die Strasse über Sebastiansberg zur Landesgrenze, dort unten östlich bricht die Bahnlinie aus Felsen hervor. Oestlich und südlich haben wir die Gegenden von Brüx und Saaz und östlich verfolgen wir den Erzgebirgszug bis Eisenberg und noch weiter, und westlich hebt sich Terrasse um Terrasse im schönen Wechsel von Wald und Flur zum Horizonte. Wir steigen den westlichen Abhang hinunter, treffen hier das an der Komotau-Sebastiansberger Strasse liegende Gasthaus »g. Hübel.« In 5 Minuten haben wir auch das südlich gelegene Dörfchen Troschig erreicht. Auf einem kleinen Plateau gebaut, ist es das kleinste unter den 4 Strassendörfern: Schönlind, Domina, Krima und Neudorf. Die Bevölkerung treibt Oekonomie und besorgte früher den Vorspann über die Berge. Weiter südlich wandernd, treffen wir einen schönen Wald; es ist dies das Troschiger Revier, der Komotauer Stadtgemeinde gehörig, die hier einen Förster angestellt hat. Der links des Weges sich erhebende »Tennich« ist der höchste Berg dieser Kette. Er ist prächtig bewaldet und daher als Aussichtspunct weniger zu empfehlen. Wir empfehlen daher den Weg, der von Troschig dem südlich laufenden Gebirgszuge folgt, behalten rechts das Höllenthal und sehen nach einer Stunde gemüthlichen Wanderns, die Buschtěhrader Bahn überschreitend, den kl. Purberg. Weit in's Land vorgeschoben und sich langsam erhebend, ist dies ein mächtiger Stock von Steinmassen, gleichsam ein Knoten, mit dem der Gebirgszug abhebt. Bald haben wir denselben ohne Anstrengung bestiegen. Die Aussicht nach 3 Seiten ist herrlich: Die Gegend von Komotau, theilweise auch die Stadt, speciell der Bahnhof, die Dörfer Tschernowitz, Sporitz, Körbitz, Malkau, Sosau, Grün und das Städtchen Kralupp liegen zu unseren Füssen. Dort westlich, wo die Eger in die Ebene bricht, liegt Kaaden, von Bergen umstellt, östlich sind die Brüxer Berge. Ringsum siehst du Strassenzüge, Eisenbahnen, Felder, Fluren, Teiche und Obstgärten. Der Berg selbst bildet oben ein Plateau, das so wie sein Abhang mit Eichen- und Birkengestrüpp bewachsen ist. Auch erfrischendes Wasser befindet sich oben. Von allen Seiten fallen seine Granitmassen steil ab mit oft wunderlichen Klüften, worin heute noch der immer seltener werdende Dachs zu Hause ist. Von unten gesehen gleicht der Berg einer Ruine, so täuschend thürmen sich hier die Steinmassen. Die Gemeinde Tschernowitz, welcher der Berg mit den Abhängen gehört, nimmt von ihm das Material zu gewöhnlichen Steinmetzarbeiten. Die siebenziger Jahre haben den Berg in Fesseln gelegt, weil seit jener Zeit die Buschtěhrader Gebirgsbahn ihren Weg rings um denselben genommen. Merkwürdig ist der Fall, dass hier Sporitzer Felder 6mal von der Bahn durchschnitten werden. Der Purberg hat seine Geschichte, und das deutsche Volk ringsum bis weit in's Land kennt ihn und umwebt denselben mit dem Gewande der Sage. So erzählt man, dass alte Jungfrauen berufen seien, den Berg abzutragen. Es sollen ferner schlechte Zeiten hereinbrechen, wenn der Berg mit Eisen belegt sein wird. Auf der östlich angrenzenden Tschernowitzer Haide soll einst der Schlussact eines grossen Völkerkampfes stattfinden, worauf erst wieder bessere Zeiten zu erwarten seien u. s. w. Den östlichen Abhang hinab führt ein Fahrweg und dieser bringt uns bald nach dem nahen Tschernowitz. Schon der kurze Weg dahin zeigt Halden, Steinbrüche, gearbeitete und rohe Steine, den Gewerbefleiss der Ortsbevölkerung deutend. Strauss, Dietz und Bertl sind bekannte Steinmetzer und die Güte des hier gefundenen Materials macht ihre Arbeit gesucht. Der Ort selbst mit 54 Häusern und 440 Einwohnern hat vorzügliches Trinkwasser und viel Obstbau. Gasthäuser sind da. Die Strasse führt in ¾ Stunden nach Komotau zurück.