2. *Von Komotau über Domina nach Glieden, *Wisset, Schweiger, Hohentann, *Hassenstein, *Platzer Grund, Zollhaus, Neudorf und retour. Dies ist eine starke Tour und erheischt ein zeitliches Verlassen der Lagerstätte. Unser Weg führt vorerst auf der Kaiserstrasse nach Oberdorf. Hier sehen wir im Vorbeigehen das grosse Bräuhaus von Philipp. Die alterthümliche unvollendete Kirche stammt von dem unglücklichen Labketz, der unter dem Henkerbeile verblutete. Hier haben wir zwei Wege vor uns. Den ersten, die Strasse, vermeiden wir, denn sie führt steil über das Gebirge. Der grosse Kaiser Josef liess sie anlegen und das Volk erzählt sich, dass, als er später die Gegend bereiste, die steile Anlage sah und den Bauleiter zur strengen Rechenschaft zog. Wir wenden uns dem Landwege zu, an dem Oberdorfer Friedhofe vorbei. Bald haben wir die Vorberge erreicht. Diese tragen Obstgärten. In kurzer Zeit haben wir das kleine, mit Erlengebüsch besäumte Hatschkabächlein erreicht, das die Sporitzer Wiesen bewässert und auf den Troschiger und Schönlindner Wiesen entspringt. Dem steigen wir nach und kommen in die sogenannte »Ranz.« Später theilt sich der Weg, der rechts führt nach Schönlind, der links durch das Troschiger Revier nach dem Dörfchen Troschig. Von hier wenden wir uns nach Glieden. Dazu stehen uns zwei Wege offen. Der eine führt über Nokowitz und ist ein Fahrweg, geht anfangs nördlich der Strasse zu, wendet sich alsdann westlich und in ½ Stunde haben wir Nokowitz erreicht, das an der linken Lehne des Höllenthales ½ Stunde südlich von Krima liegt. Der Ort hat nur Getreidebau und Holzhandel, 23 Häuser und 152 Einwohner. Der zweite Weg ist ein Fusssteig und führt von Troschig westlich auf der linken Lehne des Höllenthales hinunter durch einen Eichenbusch. Unten angekommen, finden wir die schönsten Wiesen und ein kleines Bächlein, den Höllenbach, der auf der Krimaer und Wisseter Heide sich sammelt und mit dem Thale einem südöstlichen Laufe folgt, sich später westlich wendet, eingeschlossen und beengt von dichtbewaldeten Thallehnen. Bei Malkau tritt er in die Ebene und bildet mit dem Grüner und Plassdorfer Bächlein den sogenannten Saubach. Der Weg durch's Höllenthal ist oft beschwerlich. Bei einer Einschichte, links vorbei, gelangen wir an der Berglehne hinauf nach Glieden. Die Ortschaft hat 16 Häuser mit 117 Einwohnern, die Oekonomie treiben. Die Lage des Oertchens ist überaus freundlich. Vom Nordsturme durch den Gliednerberg geschützt, ist das Klima schon so mild, dass hier Obst gedeiht. Die nach allen Richtungen hin sehr beschwerliche Communication ist freilich den Einheimischen nicht auffällig. Südlich von Glieden, ½ St., finden wir den *Höllenstein, der eine Wand des Höllenthals bildet. Pittoresk geformt, mit einer schönen Aussicht auf demselben und schauerlicher Tiefe zu den Füssen, ist es für den Touristen lohnend, ihn zu besuchen. Wir gehen von Glieden auf einem Fusssteige nach Wisset. Der Ort hat 29 Häuser mit 232 Einwohnern. Wisset liegt auf der ersten Terrasse des hier aufsteigenden Gebirges, der Wisseter Platte. Die Lage der Ortschaft ist freundlich, die Communication per Wagen überaus beschwerlich. Der nördlich und nordöstlich sich hinziehende Höhenzug hat den Namen »Ziegenrück.« Er ist theilweise urbar, doch reift hier das Getreide 2 bis 3 Wochen später. Wisset selbst hat zwei Wirthshäuser. Jedem Touristen gewährt die Aussicht vom »Obern Berg« aus in's Saazer Land einen grossen Genuss. Wir verfolgen jetzt den Weg nach Hohentann, der westwärts durch die Wisseter Flur führt. Kurz vor dem Walde (ein Kreuz in der Nähe) theilt sich der Weg. Der rechts führt uns zur »Schweiger-Höhe«, der links abbiegende an der südlichen Schweigerlehne durch dichten Nadelwald nach *Hohentann. Wir verfolgen den erstgenannten und haben in ca. ½ Stunde den Höhepunkt »*Schweiger« erreicht. Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast bis zu seinem Scheitel urbar, fällt er südlich, westlich und östlich gäh ab, nach allen Seiten hin die schönste Fernsicht bereitend. Das Biela- und Egergebiet, die Höhen des Duppauer Gebirges und fast der ganze Erzgebirgszug repräsentiren sich in ihrer Schönheit. Dort die alte Ruine Hassenstein, die Stadt Sonnenberg zu unseren Füssen, nördlich Sebastiansberg und die vielen Ortschaften bis gegen Eisenberg. Der Name Schweiger soll daher kommen, dass der Sage nach hier einst ein Sprosse der Hassensteine als Einsiedler seine Zelle hatte und schweigend seine Lebtage zubrachte. Südöstlich, den ersten besten Weg abwärts, kommen wir nach Hohentann. Dieses Dorf hat 29 Häuser und 180 Einwohner, die Oekonomie und Holzhandel treiben. Im Winter halten sich Weib und Kinder an die Spitzenklöppelei. Dort bei der kleinen Ortskapelle vorbei führt der Weg westwärts. Nicht weit vom Dorfe theilt er sich. Wir verfolgen den Weg links, lassen die Hohentanner Hügel zwischen Hohentann und Platz ebenfalls links, kommen zu einem Holzkreuze (am Kreuzwege), finden auf einer Wiesentrift den Fusssteig zum Platzer Forsthause und können hier den Fahrweg verfolgen zur Ruine Hassenstein. Der Tourist wendet sich auf dem Rückwege beim Forsthause nordwestlich, behält den mit Kiefern bewachsenen Lerchenberg seitwärts des Forsthauses rechts, die »Kalkofenhöhe« links und sieht bald in das tiefe »Grundthal«. Hier wendet er sich dem Wistritzbach, der dieses Waldthal durchfliesst, entgegen. Dort, wo der Weg die Thalsohle erreicht, liegt rechts das Grundwirthshaus. Hier ist jederzeit frisches Bier und ein Imbiss zu haben. Wir erreichen jetzt das schattige – oft wildromantische Grundmühlthal oder Wistritzbachthal, das sich aufwärts immer mehr verengt und später zur Schlucht wird, kaum einen Fuhrweg lassend. Das Wasser des Baches ist hier spiegelhell; es würde bei normaler Körpertemperatur ein wohlthuendes Bad geben. Jetzt müssen wir darauf verzichten. Von dem Forellenreichthume früherer Zeit ist jetzt bei dem herrschenden Raubsystem wenig zu merken. Nach 1½stündiger Wanderung erweitert sich oben genanntes Thal, wir sehen die Holzmühle an der Komotau-Pressnitzer Strasse, gehen rechts die Strasse hinauf über's Zollhaus zum Bahnhofgebäude Krima-Neudorf. Hier pflegen wir unsere Glieder, stärken uns mit Speise und Trank und erwarten in Geduld den um 9 Uhr Abends nach Komotau abgehenden Zug, der uns um 10 Uhr nach Komotau bringt.

3. *Von Komotau nach Tschernowitz, Malkau, Grün, Plassdorf, *Platz, *Hassenstein und Brunnersdorf. (Bahnstation.) Wir verfolgen die Bahnhofstrasse, lassen den Bahnhof links, treffen hier die sogenannte Kaadner Kapelle (ehemals Wallfahrtsort mit Kreuzweg) und gehen auf der Kaadner Strasse bis unweit Tschernowitz. Hier biegen wir bei einer kleinen Restauration rechts in einen Fusssteig ab, gehen durch die Tschernowitzer Steinbrüche am Fusse des südlichen Abhanges des Purberges. Unser Fussweg führt uns in ca. ½ Stunde nach dem Dörfchen Malkau mit 22 Häusern und 143 Einwohnern. Die Bewohner von Malkau sind durchgehends Oekonomen und verwenden einen regen Fleiss auf die Obstbaumzucht. Das Dörfchen Malkau hatte sich im Anfang der 70er Jahre der Naturforscher Dr. Martius zu seinem Domicil erwählt. In jener Zeit hat es wohl mehr Fremde gesehen, als gegenwärtig. Doch wir verfolgen nach dieser Abschweifung unseren Wegweiser. Dort, wo am nördlichen Ende des Dörfchens die »Höllenmühle« steht, führt der Weg nach dem ¼ Stunde entfernten Nachbardorfe Grün. (27 Häuser mit 168 Einwohnern.) Zwischen Grün und Malkau befindet sich eine kahle Anhöhe der »Lerchenberg«. Der bequeme Aufstieg ist der Fernsicht halber lohnend. Der Fusssteig nach Grün ist, um Irrungen zu vermeiden, wohl zu beachten. Wir betreten bei der kleinen Ortskapelle das freundliche Dörfchen. Grün ist unter den »Birndörfern« (von den nahen Gebirgsbewohnern der reichen Obstkultur halber so genannt) das grösste. In Grün befinden sich 2 Einkehrhäuser. Am Fusse des aufsteigenden Gebirges führt uns der Fusssteig westwärts in ½ Stunde nach Plassdorf (25 Häuser, 134 Einw.), welches an der Südlehne des Schweigers wie angeklebt ist. Die Bewohner von Plassdorf sind grosse Freunde des Obstbaues, vorzüglich aber verwenden sie auf die Cultur der Kirschen grosse Mühe. Das einzige Wirthshaus schliesst das Dorf südlich ab. Weiter südlich erhebt sich eine Anhöhe, genannt »Kralupper Berg«, mit Eichen und Birken besetzt. Von Plassdorf führt uns der Weg ½ Stunde durch eine Thalschlucht aufwärts an den Südabhang des Salberges dem Städtchen Platz (mit 400 Einw.) zu. Dieses Städtchen verdankt seine Entstehung den Burgherren des nahen Hassenstein. Die Einwohner beschäftigen sich theilweise mit Oekonomie, theilweise sind es Handwerker, vornehmlich Maurer. Die Spitzenklöppelei wird von dem weiblichen Theil der Bevölkerung ziemlich stark betrieben. Zwei Gasthäuser bieten dem Touristen die nöthige Unterkunft und Erfrischung. Zur Zeit des Zunftwesens war Platz das »Mekka« der Handwerker von den nahen Dörfern, selbst vom Flachlande; hier wurde der Lehrling zum Gesellen, der Gesell zum Meister befördert. Das Städtchen Platz bietet vom Kirchenplatze aus eine prächtige Fernsicht in die Saazer Gegend. Die meiste Anziehungskraft für die Touristen aber hat die ca. 10 Minuten westlich von Platz gelegene Ruine Hassenstein, welche noch heute in ihren Trümmern auf ihre vormalige Grossartigkeit schliessen lässt. Die Stätte selbst ist, wie die Nachgrabungen zu Anfang der dreissiger Jahre vermuthen lassen, schon in heidnischer Vorzeit bewohnt gewesen und zu gottesdienstlichen Zwecken oder als Begräbniss- auch Opfer-Platz benutzt worden. Man hat nämlich mehrmals Asche, Kohlen, Knochen und Urnenreste gefunden. Wann und von wem die Burg Hassenstein erbaut wurde, ist unbekannt. Zu Ende des 13. Jahrhunderts erscheinen die Brüder Friedrich und Theodor von Schönburg als Herren von Hassenstein, das damals ein Kronlehen war. Im Jahre 1418 war der damalige Besitzer in eine Verschwörung gegen König Wenzel IV. verwickelt, und der Monarch übertrug die Bestrafung dem Oberst-Landschreiber Niklas von Lobkowitz, welcher das Schloss Hassenstein eroberte und dasselbe als Eigenthum erhielt. Diese Schenkung wurde ihm 1421 von Sigmund und seinem Sohne Niklas von Lobkowitz 1457 vom König Ladislaw auf immerwährende Zeiten bestätigt. In Bohuslav Lobkowitz von Hassenstein feiert das Haus seinen glänzendsten Namen, die klassisch-humanistische Bildung des 16. Jahrhunderts eine ihrer ersten Grössen. Unter ihm glich die Burg Hassenstein einem kleinen Musenhof. Er war durch Gelehrsamkeit, Dichtergenie und Erhabenheit des Charakters ausgezeichnet. Zwei andere Lobkowitze auf Hassenstein, die Herren Sebastian und Bohuslav Felix, erwarben sich grosse Verdienste um den erzgebirgischen Bergbau damaliger Zeit. Gegen das Ende des 16. Jahrh. kam Popel von Lobkowitz in den Besitz von Hassenstein. Der letzte Lobkowitz auf Hassenstein war Christof. Im Jahre 1606 ging die Burg Hassenstein in den Besitz des Herrn Leonhard von Stampach über. Unter demselben, der seine lutherische Gesinnung mit 2 Dritttheilen seines Vermögens büssen musste, ging Hassenstein seinem Verfalle entgegen. Herr Jaroslav Bořita von Martinitz erwarb die halbverfallene Burg sodann für ein Billiges. Später bekam die Ruine mit dem dazu gehörigen Grundbesitz die Nebenlinie Martinitz-Hagensdorf. Durch die erbliche Nachfolge dieser Linie kam Hassenstein in den Besitz der Grafen Wolkenstein-Trostburg. 1880 verkaufte Engelhardt von Wolkenstein sein Erbe und mit ihm Hassenstein an den Grossindustriellen Preidl.

Nur noch Einiges über den jetzigen Zustand der Burgruine im Allgemeinen. Der Schlossberg mit der alten Ruine Hassenstein fällt nach 3 Seiten, besonders gegen den Brunnersdorfer Bach zu, steil ab. Die Wallgräben sind grösstentheils verfallen, die 4 Burghöfe kaum mehr erkennbar. Stolz aber schaut noch in's Thal der mächtige Wartthurm mit seinen massiven Mauern. Viele Gewölbe sind noch ziemlich gut erhalten und Alterthumsfreunde, wie Dr. Martius, meldeten öfters von interessanten Funden. Dass auch Schatzgräber, mit geweihter Kreide und Schildwachbüchlein ausgerüstet, hier ihre Rechnung zu finden vermeinten, darüber kann man in Platz und Umgebung manche tragi-komische Geschichte erfahren.

Wir steigen den steilen und fast ungangbaren Fusssteig durch Hochwald hinab und kommen an den Brunnersdorfer Bach. Hier finden wir am Ufer dieses Baches einen Eisenhammer und weiter unten am Ausgange des Thales den Anfang des lang gestreckten, zu beiden Seiten des Baches liegenden Dorfes Brunnersdorf, das hier in seinem oberen Theile den Namen »Rossstall« führt. (165 Häuser, 1295 Einwohner.) Die Bewohner von Brunnersdorf treiben Oekonomie und haben grossen Obstbau. Zu den Sehenswürdigkeiten zähle ich im unteren Theile das Schloss und die Zuckerfabrik an der Kaadner Strasse. Das Gasthaus im oberen Theile des Dorfes (Rossstall) und Fischers Gasthaus am Schulplatz sind Touristen zu empfehlen. Der Tourist, der wieder zurück nach Komotau oder weiter westwärts nach Kaaden will, kann dies einerseits durch die Bahn, andererseits durch Kaadner Omnibusse bewerkstelligen.

4. Von *Komotau nach Deutsch-Kralupp-»*Keller«, Neudörfel, durch das *Grundbachthal über Zieberle nach Sonnenberg. Wir beeilen uns zum 1. Karlsbader Zug und lösen eine Fahrkarte bis Deutsch-Kralupp. Das Städtchen liegt 10 Minuten von der Station. Die Kirche, welche schon im J. 1360 als Pfarrkirche vorhanden war, besteht in ihrer jetzigen Gestalt erst seit 1796, wo sie nach dem Brande neu gebaut worden ist. Sie hat ein gutes Hochaltarblatt von Kindermann in Wien, den hl. Jakob darstellend. Auch enthält sie die Familiengruft der Grafen von Martinitz. Die Stadt wird durch den Saubach, welcher im Höllthale entspringt und durch die Dörfer Malkau, Sosau und Hagensdorf fliesst, in zwei ungleiche, durch eine steinerne Brücke verbundene Theile gesondert, von welchen der am südlichen Ufer liegende, kleinere, wo die Kirche steht, die Kunewitz heisst. Wir wenden uns nördlich von der Station Deutsch-Kralupp dem ¼ Stunde entfernten Dörfchen Hagensdorf zu. Die Einwohner treiben Oekonomie und Obstbau. Sehenswerth ist das im Rococostyl erbaute herrschaftliche Schloss Hagensdorf mit einer ansehnlichen Baum- und Blumengärtnerei. Dieses Schloss war in den Robotzeiten in der Hagensdorfer Umgebung bis in's nahe Gebirge hinauf nichts weniger als beliebt, denn hier hauste der gestrenge Herr Amtmann mit seinem Beamtenstabe. Durch den Schlosshof führt ein ganz angenehmer Weg durch eine Baum-Allee nach der nahe gelegenen Restauration »Am Keller«. Hier bieten sich im Sommer unter schönen Linden und mächtigen Eichen bei einem frischen Trunke vorzüglichen Brunnersdorfer Biers stille und angenehme Ruheplätzchen. Für Kralupp und die weitere Umgebung ist der »Keller« der besuchteste Ausflugsort und er wäre es sicherlich in noch ausgedehnterem Masse, wenn der Besitzer für eine comfortablere Einrichtung der Restauration, sowie für bessere Instandhaltung und Erweiterung der Anlagen Sorge trüge. An der Stelle des Kellerwirthshauses soll in alter Zeit ein Kloster gestanden sein; wenigstens wird die dortige Feldflur noch heute von den älteren Bewohnern das »wüste Kloster« genannt, und von den alten Kellerruinen, auf denen das Wirthshaus erbaut wurde, erhielt dasselbe den Namen. Gegen Kralupp zu finden wir mehrere grosse Fischteiche, der Gutsherrschaft gehörig. – Wir wenden uns nun westwärts dem Dörfchen Neudörfel am Abhange des Kralupper Berges zu. Auf unserem Wege dahin rechts und links treffen wir kleine Teiche, sie sind die Ueberbleibsel eines vormals sich hier ausbreitenden grossen Sees, der im J. 1829 das letztemal gefischt, im nächstfolgenden Jahre entwässert wurde und an den noch jetzt das sogenannte »Seehäusel« (gegenwärtig ein herrschaftliches Hegerhaus) erinnert. In den Robotzeiten hatten die Einwohner von Platz und Neudörfel die Fischerei als Robotarbeit zu besorgen. Dafür bekam der Mann per Tag einen Fisch. Neudörfel bietet für den Touristen ausser seinen Kirschenpflanzungen nichts Sehenswerthes, dagegen wird es sich für denjenigen empfehlen, der es nicht scheut, den nördlich gelegenen Saustein zu besteigen. An schönen Tagen lohnt ein Einblick in die Saazer und Kaadner Gegend vollkommen die Mühe der Besteigung. Von hier steigen wir in westlicher Richtung das Berggelände hinab in das Thal des Brunnersdorfer Baches. Wir gehen durch dieses, sich immer wildromantischer gestaltende Thal den Brunnersdorfer Bach aufwärts, haben rechts die Schnabelmühl-Lehne, links den Gigerich-Berg und sehen, wie die Trümmer der Burg Hassenstein melancholisch in's Thal schauen. Unser Weg durch das Thal, genannt Brunnersdorfer Grund, wendet sich am Fusse des Schlossberges plötzlich westlich. Die Brunnersdorfer Gutsverwaltung hält hier eine Holzschwemme in Stand. In neuerer Zeit wurde auch die Communication durch Anlegung eines strassenähnlichen Weges bedeutend verbessert. Mächtige Felswände heben sich zu beiden Seiten des Thales. Das Gehänge von der Burg Hassenstein herab führt den Namen Kalkofenlehne und soll früher ein Thiergarten gewesen sein, von dessen Umfangsmauern noch Ueberreste zu sehen sind. Die linke Berglehne (rechtes Bachufer), die sogenannte Gigerich-Lehne, zeigt pittoreske Felsengruppen, würdige Seitenstücke zu den in fast gleicher Höhe gegenüberliegenden Burgtrümmern von Hassenstein. Von nun an verengt sich das Thal zusehends, statt durch Laubholz schlängelt sich der Thalweg knapp am linken Bachufer durch finstere Fichten, so recht an Tiek'sche »Waldeinsamkeit« erinnernd. Am rechten Bachufer erhebt sich der Hutberg, und die durch ein kleines Querthal davon getrennte Hundskoppe. Hier, wo sich das Thal nördlich wendet, liegt so recht einsam die »Hasenmühle«, eine Einschicht, von dem weiter westwärts gelegenen Gebirgsdorfe Wohlau. Der freundliche Müller bietet dem müden Wanderer Brod, Bier und Milch zur Labe.

Werfen wir einen Blick auf unsere bisherige Wanderung im Thale des Brunnersdorfer Baches (unrichtig Brandbach, welchen Namen nur das durch Sonnenberg geleitete Bächlein führt) zurück, so finden wir, dass dieses Thal an Naturschönheiten mit den schönsten Gebirgspartien Oesterreichs wetteifert. Man glaubt sich in ein herrliches Hochgebirgsthal versetzt. Es ist zu wundern, dass Touristen, wenigstens der nahen Städte, dies nicht schon längst gefunden und touristisch ausgebeutet haben. Nach der Ansicht eines unserer besten Geologen wäre dieses Thal in alten Zeiten die einzige Communication aus dem Saazer Lande über das Gebirge »in's Reich« gewesen. Dies wird auch die ersten Dynastien auf Hassenstein zur Gründung dieser Burg in herrschender Stellung dieses Verbindungsweges bewogen haben. Vielleicht genügt eine Hindeutung auf das Gesagte, um die Jetztzeit zur Anlage einer Strasse in diesem Thale zu bewegen. – Von der Hasenmühle aus wandern wir am rechten Bachufer über das Gelände nach Zieberle. Der Fusssteig durch ein Gewirr von Wald- und Feldwegen, ¼ Stunde lang, dürfte für das erstemal einen Führer nothwendig machen, wozu der »Hasenmüller« gerne jemanden zur Verfügung stellt. Das Oertchen Zieberle hat 11 Häuser mit 81 Einwohnern. Es liegt am Abhange der »Zieberle Kappe«, von welcher man eine lohnende Aussicht hat. Nördlich von Zieberle, in 15 Minuten erreichbar, liegt auf dem Sonnenberge die königliche Bergstadt Sonnenberg. Gneis und Urthonschiefer bilden seine Unterlage. Die Stadt mit 2600 Einwohnern zählt 212 Häuser. Die Einwohner beschäftigen sich vorzüglich mit Spitzenklöppelei; Jung und Alt sind Alliirte des Klöppelsackes. Ausserdem wird hier Handweberei betrieben. Das Centralcomité zur Hebung der Erwerbsthätigkeit im Erz- und Riesengebirge besitzt hier eine Sammtfabrik im eigenen Gebäude und überdies ist die Anfertigung von Schuh- und Handschuhwaaren nicht unbedeutend. Dass die edle Musikkunst sich hier einer besonderen Pflege erfreut, bezeugen ungefähr 200 Sonnenberger, welche »mit Musik« alljährlich und in fast alle Länder Europas bis nach Asien reisen und Tüchtiges leisten. Der Hausierhandel mit Manufactur- und Galanteriewaaren hat in Sonnenberg viele Vertreter.

Die Stadt zeichnet sich vor vielen anderen Landstädten durch ihre regelmässige Anlage und Bauart aus. Von dem ein Viereck bildenden Ringe laufen die Gassen in schnurgerader Richtung aus, so dass man hier nach allen vier Seiten in's Freie hinausblicken kann.

Gast- und Einkehrhäuser sind: Gasthaus zur »Sonne« am Ringplatze, an der Strasse gelegen; Franz Reichmann's Gasthaus bei der Kirche; Leopold Hütters Einkehrhaus in der Kirchengasse; Gasthaus zum Kronprinzen Rudolf an der Pressnitzer Strasse am Ringplatze u. s. w. Lohnfuhren und Fiakergeschäfte übernimmt Herrmann Stocklöw und Josef Puschack.

K. k. Postamt.