Sehenswerth ist die im J. 1857 vollendete Pfarrkirche. Das Kirchenschiff hat eine Länge von 35m und eine Breite von 20m. Das Presbyterium ist 10m lang und eben so breit. Im Schiffe stehen 36 in 6 Abtheilungen aufgestellte Betstühle, fünf Altäre mit sehenswerthen Altarbildern von Lhota (St. Wenzel Hauptaltar), Weidlich (St. Josef und Maria Heimsuchung), Josef Hellich (St. Michael und Maria Empfängniss). Die Kirche besitzt auch kostbare Kirchenornate und Paramente; die achtzehnstimmige, mit 2 Koppeln ausgestattete Orgel, Predigers Meisterwerk, wurde von Prediger aus Lichtenberg bei Hohenstadt um den Preis von 4230 fl. gebaut. Die Glocken, von denen die grösste 29 Ctr., die zweite 14 Ctr. und die dritte 7 Ctr. wiegt, goss der Prager Hofglockengiesser Karl Bellmann. Sehenswerth ist auch die hübsche Johannisstatue am Ringplatze und das von dem gelehrten Pfarrer Schwarz in Sonnenberg im J. 1750 angelegte Kirchengedenkbuch, welches interessante und wichtige Aufzeichnungen enthält. Die weit in's Land schauende Kirche und die sehr hübsche Lage des Städtchens führt jährlich viele hunderte von Touristen hieher um – wie die Sachsen sagen – »das schöne Böhmen« zu sehen. Ganz in der Nähe des Städtchens finden sich recht schöne Aussichtspunkte, wie der Galgenberg, die Zieberle Kappe bei Zieberle, der Hutberg, der Hassberg u. s. w. Der zur Sonnenberger Bahnstation täglich viermal verkehrende Postwagen führt den Touristen wieder zurück in seine Heimath.
5. *Von Komotau durch das *Assigbachthal nach Sebastiansberg. Wir gehen von Komotau über Oberdorf den Assigbach aufwärts. Nach ungefähr einer einstündigen Wanderung durch ein schönes *Wiesenthal, dessen Gehänge mit Nadel- und Laubholz bewaldet, kommen wir zur ersten Grundmühle, genannt auch »Kleinmühle.« Erfrischungen hält der betreffende Müller stets bereit. Von hier führt ein Weg rechts nach Petsch und links nach Domina. Im Thale weiter aufwärts treffen wir die zweite Grundmühle, nach ihrem Besitzer (Zein) »Zeinmühle« genannt. Diese Mühle ist so ziemlich die ansehnlichste der »Grundmühlen«. Von hier kann man rechts, das kleine Querthal verfolgend, das ca. ½ Stunde entfernte Dorf Dörnthal mit 17 Häusern und 107 Einwohnern erreichen. Sehenswerth ist hier der das Querthal überbrückende Bahndamm. Rechts von der Zeinmühle führt eine sogenannte Halbstrasse nach Petsch, einem freundlich gelegenen Oertchen, zum Pfarrdorfe Platten gehörig. Von der »Zeinmühle« nicht weit thalaufwärts entfernt, liegt die Dörnthal- oder Dreiwassermühle. Hier vereinigt sich mit dem Assigbache der mit dem Märzdorfer Bache bereits vereinigte Tschoschelmühlbach und der Rothenhäuser Flössbach. Wir verfolgen durch das mittlere Thal, Assigbachthal, unsere Tour weiter. Der bereits isolirt liegende, mit schönen Buchenstämmen bewachsene Berg ist der Ahrenberg, das Kleinod unter den Komotauer Wäldern. Circa ½ Stunde von der Dreiwässermühle in einer Thalenge befindet sich das sogenannte »böse Loch«, eine wildromantische Thalschlucht. Weiter den Lauf des Assigbaches aufwärts verfolgend, kommen wir zu den Felsen: Ringelstein und Otterstein. Links aufsteigend erreichen wir nach ziemlich anstrengendem Marsche die Bergstadt Sebastiansberg mit 2200 Einwohnern und ungefähr 200 Häusern. Die Partie ist sehr interessant und lohnt die Anstrengung in hohem Grade. Sebastiansberg soll seinen Namen von seinem Gründer Sebastian von Weitmühl erhalten haben. Man betrieb hier früher Bergbau auf Kupfer und Silber. Kaiser Rudolf II. erhob den Ort zu einer freien Bergstadt. Jetzt ist von dem früheren Bergbau keine Spur mehr. Die Bewohner beschäftigen sich mit Gänse- und Schweinehandel und Spitzenklöppelei.
Gasthäuser: »Strubels Gasthof« am Ring, »Heineich's Gasthaus« in der Schmiedgasse, »Lang's Gasthof« am Ring, Gasthof »zum schwarzen Adler« am Ring.
Die königliche Bergstadt Sebastiansberg hat ein k. k. Bezirksgericht, Notariatsamt, ein k. k. Postamt, ein Lese-, Gesang-, land- und forstwirthschaftliches Casino. Eingeführte Gäste haben Zutritt. Sehenswerth ist die im J. 1877 erbaute Stadtkirche und das im J. 1879 errichtete Kriegerdenkmal am Marktplätze.
Ein schöner Spaziergang in nordwestlicher Richtung auf der Kaiserstrasse ist der nach *Reitzenhain (Eisenbahnstation) dem beliebtesten Ausflugsorte der Sebastiansberger. Der Weg führt durch ausgedehnte, herrliche Waldungen. Der Ort selbst liegt inmitten derselben und bietet im Sommer einen sehr angenehmen Aufenthalt. Gesunde finden hier nach angestrengter Arbeit Erholung und Kränkliche Kräftigung. Hier athmet es sich leicht und wohl. Ueberall, wohin man blickt, ist das dem Auge wohlthuende Grün, von allen Seiten kommt uns der Wohlgeruch von duftenden Kräutern und Blumen, von harztriefenden Fichten und Tannen entgegen, was zur Erfrischung des Blutes nicht wenig beiträgt; darum mehrt sich die Zahl der Fremden, welche in dem Gasthause »zum Malzhaus« eine ausgezeichnete Verpflegung und Unterkunft finden, in auffallender Weise. Böhmisch-Reitzenhain ist ein beliebter und gesuchter klimatischer Curort. Die Umgebung des Ortes ist herrlich, die Waldpartie nach *Marienberg in Sachsen, (2 Stunden), nach *Ulmbach, *Kienhaide und *Natschung-Kallich auf guten Wegen sind von seltener Schönheit.
6. Von Sebastiansberg nach Komotau zurück. Der müde Tourist kann dies erstens mit der Bahn thun und zwar von der Station Krima-Neudorf aus, wohin er mittelst Postwagen in ca. ½ Stunde gelangt. Sollte er aber in Sebastiansberg übernachtet haben, so ist ihm mehr zur Fusspartie nach Komotau zu rathen; man rechnet auf diese Fusstour 3 Stunden. Immer auf der Strasse abwärts schreitend, berühren wir in ca. 20 Min. Neudorf. In weiteren 20 Min. führt die Strasse beim Bahnhofe Krima-Neudorf, dem grössten zwischen Komotau und Weipert, vorüber. Hier zweigt auch die Bahnlinie »Krima-Reitzenhain« ab. Gleich unterhalb des Bahnhofes treffen wir, wo sich von der Kaiserstrasse eine Bezirksstrasse über Sonnenberg nach Pressnitz abzweigt, das Gasthaus zur »Spitz«. Wir lassen es rechts und gelangen nach abermals einer viertelstündigen Wanderung in das alte Pfarrdorf »Krima«, welches 460 Einwohner in 63 Häusern zählt und zu welchem 9 Ortschaften eingepfarrt sind. Zur Zeit, als noch der Waarentransport per Achse besorgt wurde, herrschte hier reges Leben. Die zwei grossen Gasthäuser mit geeigneten Stallungen und grossen Hofräumlichkeiten sahen wohl damals bessere Tage. Dem Touristen können sie aber auch jetzt noch empfohlen werden, und zwar Bernhard Pilz's Gasthaus, beim Eintritte in's Dorf gelegen, bietet vorzügliche Speisen und Getränke und bequemes Nachtquartier. Dasselbe kann man auch vom zweiten Gasthause in Krima, an der Strasse gelegen, sagen. Krima hat ein k. k. Postamt und mehrere Vereine. Die Erwerbsquelle der Einwohner ist Oekonomie. In ca. ¼ Stunde in südwestlicher Richtung führt uns die Strasse am Gasthofe zum »Hübel« und am Fusse des links sich erhebenden Klingerberges vorüber; von hier an bekommt die Strasse ein immer grösseres terrassenförmiges Gefälle, führt durch die Dörfer Domina und Schönlind und endigt nach einem sehr starken Abfalle unterhalb Schönlind, von hier aus *prächtige Ausblicke in's Land gewährend – durch Oberdorf nach Komotau.
7. Von Komotau nach *Kaaden. Die Tour wird mit der Buschtěhrader Eisenbahn in 28 Minuten zurückgelegt und bietet der Blick auf das Erzgebirge während der Fahrt sehr viel Angenehmes. Absteigestation ist Kaaden-Brunnersdorf, wo Omnibusse der Reisenden harren und dieselben in einer halben Stunde in die Stadt befördern.