Sie wollen das böhmische Erzgebirge besuchen? Sie werden dort von den hochgebornen Bewohnern gastfreundlich empfangen werden und manches finden, was einen Besuch dieser merkwürdigen Gebirgskette lohnt, und wenn Sie uns als Reisebegleiter annehmen, so können wir Sie auf viel Anziehendes in der Natur, dem Leben und der Geschichte seiner Bewohner aufmerksam machen, was der eilige Reisende leicht übersieht und überhört.
Wir schliessen uns Ihnen gerne an, denn wir kennen diese herrlichen Berge, wir lieben ihre Naturreize, wir sind vertraut mit den Bewohnern, wir schätzen ihren verständigen Kunstfleiss, wir fühlen uns heimisch in ihrem stillen Haushalt und theilen ihre Freude an den besonderen landschaftlichen Reizen und den eigenthümlichen Naturschätzen, welche die ersten Ansiedler anzog und die dichte Bevölkerung trotz vieler Widerwärtigkeiten dennoch festhält, auch wenn sie Mangel und Armuth drückt.
Warum laden wir Sie zum Besuche ein?
Das Erzgebirge ist von allen Seiten leicht zugänglich und in allen Theilen bis auf den Gipfel bequem zu besteigen. Da der über 20 Meilen sich erstreckende, zusammenhängende Gebirgszug gegen Süden mässig steil abfällt und sich gegen Norden ganz sanft abdacht, so ist seine Besteigung nur auf der böhmischen Seite aus dem Thale der Eger und Biela anstrengend, aber höchst interessant und auch in 2 bis 3 Stunden vom Fusse bis zum Rücken auszuführen. Ueberdiess erleichtern viele Verkehrsmittel den Besuch dieses Gebirges.
Aus dem Bielathale von Teplitz führt die Dux-Bodenbacher Bahn über die Erzgebirgshöhe von Zuckmantel und Königswald.
Aus dem Egerthale bei Franzensbad führt eine Eisenbahn über das Gebirge nach Adorf, Oelsnitz, Plauen und eine zweite über Graslitz auf die Höhe des Erzgebirges. Von Komotau auf der Wasserscheide zwischen dem Egerthale und Bielathale führt eine vierte Eisenbahn auf den Kamm des Erzgebirges empor und über Sonnenberg, Kupferberg, Schmiedeberg und Weipert nach Annaberg ganz in der Nähe der höchsten Gebirgskuppen des Hassberges, Keilberges und Fichtelberges vorbei. In naher Zukunft wird eine fünfte Schienenverbindung aus Böhmen nach Sachsen über den Erzgebirgsrücken führen und zwar aus dem Bielathale über Klostergrab in das Muldethal als Fortsetzung der Prag-Duxer Bahn im Anschlusse an die sächsischen Gebirgsbahnen.
Mit der Dampfkraft wird der Reisende auf der Eisenbahn von dem südlichen Fusse des Gebirges in weniger als einer Stunde auf den Kamm emporgehoben und kann den Rücken entlang das Gebirge bequem durchwandern.
Noch zahlreicher sind die Fahrstrassen, welche von der Südseite auf die Höhe des Gebirges führen in einer Steigung, welche im Wagen die Höhe des Gebirges vom Fusse an auch in einer bis zwei Stunden erreichen lässt. Sogar jedes der Querthäler ist von einer guten Strasse durchzogen. Nahezu von Meile zu Meile führen längs des ganzen südlichen Randes des Gebirges bequeme Strassen auf das Gebirge hinauf und von Böhmen hinüber nach Sachsen.
Auf dem Rücken des Gebirges selbst, der gegen Sachsen sanft und breit gestreckt niedersinkt, in seiner Längenrichtung aber in ziemlich gerader Linie sich hinzieht, führen zwischen den Städten und grösseren Ortschaften Dammstrassen, gute Wege und bequeme Steige.
Die Ausgangsorte für einen Besuch unserer Gebirge liegen zahlreich auf den meist besuchten Verkehrslinien.