Aemter und Behörden: ein k. k. Notariat, ein Stadthaus mit den Gemeindeämtern, ein k. k. Bezirksgericht, ein k. k. Steuer- und Grundbuchsamt, ein k. k. Post- u. Telegraphenamt, ein Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung.
Industrielle Etablissements in der Stadt und deren nächster Nähe: 7 Baumwollspinnereien und Zwirnfabriken, 1 Papierfabrik, 4 Dampfmühlen, 9 Getreide- und Brettmühlen mit Wasserbetrieb, 2 Bierbrauereien, 2 Eisenhämmer, 1 Metallfabrik mit Dampf, 1 Holzdreherei mit Wasserkraft, 3 Färbereien, 1 photographisches Atelier, 1 Wechselstube, viele solide Handlungen.
Eine grosse Merkwürdigkeit Görkaus ist ein in weichen Sandstein gehauener Keller, der sich weit unter der Stadt hinzieht und ursprünglich 150 Abtheilungen hatte, wovon jetzt noch ca. 100 erhalten sind, da eine Anzahl durch Bauten kassiert worden ist und mehrere verfielen. Diese Kellerabtheilungen gehören zu den brauberechtigten Bürgerhäusern, wurden zur Zeit, als noch die Reihenbrauerei ausgeübt wurde, als Gährkeller benützt und danken diesem Umstande ihre Entstehung.
Geschichtliches. Die Dekanalkirche war schon 1384 als Pfarrkirche vorhanden. Ueber ihr Schicksal fehlt es an Nachrichten. Sie enthält das Grabmal des am 5. Jänner 1578 verstorbenen Besitzers von Rothenhaus, Christof von Karlowitz. Auf dem Rathhause bewahrt man mehrere Privilegien von den Monarchen Ladislaus, Ferdinand III., Maximilian II. und Rudolf II., welch letzterer der Stadt ein Wappen im Jahre 1588 verlieh, bestehend aus einem in zwei Hälften quer getheilten Schild. Die untere Hälfte zeigt eine Stadtmauer mit halboffenem Thore und Fallgatter, die obere drei rothe Herzen im goldenen Felde. Ueber dem Schilde ist ein Stechhelm und ein silberner Flügel mit drei Kleeblättern.
Kleine Spaziergänge.
1. Zum »*Buschel«, Restauration mit Saal und Veranda; der Anstieg auf der mit Obstbäumen bepflanzten Strasse ist kaum merkbar; ¼ Stunde. 2. Zum Weingarten in nordwestlicher Richtung, 25 Minuten; sanfter Anstieg zwischen Obstbaumpflanzungen; Gasthaus des Anton Proksch. 3. Die innerhalb 1 Stunde und ohne grosse Mühe zu erreichenden Berge: Ziegenberg bei Görkau, Breitenstein, Galgenberg, Wachhübel, Spitzberg bei Hannersdorf, Georgshöhe, Hänselberg, Katzenhübel, *Hutberg bei Pirken. Diese Berge bieten insgesammt eine schöne Aussicht auf die mit Städten und Dörfern übersäete Fläche von Komotau bis in die Gegend von Bilin mit den als südöstliche Begrenzung aufsteigenden Kegeln des Mittelgebirges. 4. *Das gräflich Bouquoi'sche Schloss Rothenhaus, 25 Minuten, auf einer mit Kastanienbäumen bepflanzten Strasse in nördlicher Richtung erreichbar. Rothenhaus liegt am Vorgebirge mit gegen Süden und Westen gewendeter offener Front; das grossartige Schloss steht mitten im Parke, umgeben von prächtigen Gartenanlagen, Glashäusern mit den seltensten einheimischen und exotischen Gewächsen. Es gehört unter die schönsten Gebäude dieser Art in ganz Böhmen und gewährt bei seiner hohen und freien Lage eine reizende Aussicht auf das innere Land und das Mittelgebirge. Im oberen eingefriedeten Parke Hirsch- und Rehstand, im unteren Parke ein Pferdegestüt edler Racen; auch Fluss-, Teich- und Forellenfischerei. Der Park ist dem Publikum an Sonn- und Feiertagen, sonst aber nach erbetener Erlaubniss, zugänglich.
Lohnende Ausflüge von grösserer Entfernung: 1. Ueber Pirken, Schergau nach dem Pfarrorte *Platten, auf guter Strasse in zwei Stunden, mit einem überraschend schönen Ueberblicke der Komotauer und Saazer Gegend, des Mittelgebirges bis weit in das Innere unseres Heimathslandes, der Gebirgsbahnen nach Weipert und Reizenhain. Von Platten 15 Minuten entfernt der Wallfahrtsort Quinau mit schöner Wallfahrtskirche. Von Platten führt eine Strasse über Rodenau, Gersdorf nach Bernau und zum Gaisberg, auf welchem die Biela entspringt – nicht weit davon der Beerhübel 889m über der Ostsee; auf der Strasse weiter zu dem Pfarrorte Kallich mit einem Post- und Grenz-Zollamte, einem Eisenguss- und Walzwerke und gutem Gasthofe. Bei Kallich finden wir Lager von Urkalkstein, während die Felsarten in diesem Reisebezirke im Erzgebirge fast durchgängig Gneisabänderungen sind. Bei Rudelsdorf und Kleinhan finden sich Granitkuppen und bei Brandau einige Basaltkuppen. Hier wird Anthracitkohle gewonnen. Am Fusse des Erzgebirges kommen hie und da die sandigen und thonigen Gesteine der Braunkohlenformation zum Vorscheine. Von Görkau bis dahin 3 Stunden. Das ist eine echte Gebirgspartie theilweise durch schöne ausgedehnte Wälder.
2. Nach der Ruine *Neustein, fortwährend auf schattiger Strasse durch das herrliche Teltschthal, der Biela entgegen, an Fabriken, Mühlen, Eisenhämmern und einer Holzdreherei vorüber, bis zum Fusse des Berges, auf dessen Gipfel die von Bäumen umsäumte Ruine; 1½ Stunde; einige Minuten davon eine Rothenhäuser Försterei.
3. Durch das Teltschthal, Uhrissen, Gersdorf nach *Bernau, immer an der Biela, bis Uhrissen gute Strasse, dann Feldweg; 2 Stunden; von der Schule in Gersdorf eine wundervolle Aussicht in das Innere Böhmens.