4. Durch das schattige Tiefenthal nach Hannersdorf, stark steigender Weg; 1 Stunde.

5. *Durch den Ort Rothenhaus, Göttersdorf mit Pfarrei und guten Restaurationen, Forst, Ochsenstall nach Kallich, fortwährend Strasse durch Hochwald, 3 Stunden, prächtige Waldpartie; schöne Rückblicke, namentlich bei Göttersdorf in das Innere Böhmens.

6. Ueber Göttersdorf, Neuhaus mit dem Görkauer Forstamt, nach Ladung mit einer Eisenberger Försterei, 2½ St., von letzterer eine lohnende Fernsicht; unweit der Berg Hübladung 796m; bis Neuhaus Strasse, dann Waldweg.

7. *Ueber Göttersdorf, Kallich, Gabrielahütte durch ein zwei Stunden langes, bewässertes, tiefgrünes Thal mit dichtgereihten Hammer- und Blechwalzwerken, Mühlen und anderen Industrien nach *Brandau und *Grünthal, immer Strasse, 5½ St.; hier die nahen Berge: Töltschberg, Katzenrücken und Zechenberg. Diese Partie gehört zu den schönsten im Erzgebirge und kann sich in Bezug auf Grossartigkeit und Pracht, sowie Mannigfaltigkeit der Scenerie mit den herrlichsten Alpenlandschaften messen. Der schönste Theil derselben ist von Kallich auf guter Strasse durch ausgedehnte Buchen- und Nadelwälder über Gabrielahütten durch das Teltschthal (zu unterscheiden von dem bei Görkau) nach Brandau und Grünthal. Der Ort Gabrielahütten wurde im Jahre 1778, gleichzeitig mit dem Eisenwerke, vom Grafen Heinrich von Rothenhan errichtet und seiner Tochter, der edlen Gabriela Maria, verehelichten Gräfin von Bouquoi, Sternkreuzordensdame und Dame du Palais, welche die Herrschaft nach dem im Jahre 1809 erfolgten Tode ihres Vaters als Erbschaft erhalten hat, zu Ehren benannt. Der Ort hat eine Schule und eine im schweizer Styl erbaute Restauration. Das Thal wird von dem Teltschbach, der sich in den schäumenden Natschungbach ergiesst, durchbraust. Das Thal ist einsam und voll würziger, erfrischender Waldluft. Es verengt sich oft, die hohen Thalwände werden wiederholt von schroffen Felswänden unterbrochen, und die vielfachen Windungen verändern von Strecke zu Strecke das Bild und bewirken eine reiche Scenerie der Landschaft. Nach 3½stündiger Wanderung kommen wir in eine von herrlichen Waldungen umrahmte Landschaft, in deren Mitte sich das Dorf Brandau befindet und treffen nach einer halben Stunde in *Grünthal ein, unserer Endstation, einem reizend, unmittelbar an der Grenze gelegenen Orte mit grossartigem Hôtel. Fortsetzung der Tour längs der Flöha nach Olbernhau in Sachsen.

8. Ueber Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan mit Pfarre nach Katharinaberg, immer Strasse, 4 St.

9. Ueber Rothenhaus beim Gestüte vorbei nach der Aubachmühle, ferner auf stark steigendem Wege über Stolzenhan nach Ladung, 2½ St.

10. Durch den unteren Rothenhäuser Park und über Türmaul zum Silberstollen, durch ein schönes saftig grünes Thal, 1 Stunde lang, immer fahrbar; das Silberwerk ist gegenwärtig ausser Betrieb.

11. Auf der Strasse zum Forsthause in Hohenofen, dann im Walde auf den *Tannichberg 847m hoch, mit prachtvoller Rundschau, zum Forsthause »Rothe Grube«, 3¼ St.; von hier in 15 Minuten auf den *Bernstein mit einem von Oesterreich und Sachsen gemeinschaftlich erbauten Aussichtsthurme, 917m hoch, unstreitig einer der schönsten Fernsichtspunkte im ganzen Erzgebirge. Man übersieht von demselben einen grossen Theil von Sachsen bis Augustusburg, von Böhmen gegen die Elbe und Eger, nach Prag, Teplitz, Brüx, Saaz und das Erz- und vorliegende Mittelgebirge.

12. Zum Forsthause Hohenofen, auf der Waldstrasse zum *Theresiensitz mit einem Tempel und schöner Fernsicht, auf den *Seeberg mit einem Felsenlabyrinthe und dem Johannisfeuerberg; beide durch eine tiefe Schlucht von einander getrennt, mit der gleichen Höhe von 631m, bieten sie eine ausgedehnte Fernsicht bis Prag, auf das Mittelgebirge und in's Land; 3 St. Vom Theresiensitz in ¾ St. zum Forsthause »Rothe Grube« und in abermals ¾ St. zum Hegerhaus im Flachsgrund. Hier ist ein Local, dessen sämmtliche Möbel kunstvoll aus Hirschgeweihen zusammengesetzt sind, sehenswerth.

13. Durch den unteren Rothenhäuser Park, Türmaul, Forsthaus Hohenofen, durch den Thiergarten nach *Eisenberg, 1½ St., schattige Strasse. Schloss Eisenberg, dem Fürsten Lobkowitz, Herzog zu Raudnitz gehörig, ist ein im jüngsten Renaissancestyl erbauter herrlicher Edelsitz, historisch berühmt als einstiger Aufenthalt des Prinzenräubers Kunz von Kaufungen, auf einem Bergvorsprunge im Süden des Erzgebirges, mit einem wundervollen Panorama. Gegen Nordosten die Abhänge des Erzgebirges, gegen Osten und Südosten das böhmische Mittelgebirge, Hügel an Hügel, Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene, pittoresk gestaltete Bořen bei Bilin mächtig überragt. Gegen Süden breitet sich die Saazer Ebene, »der Garten Böhmens«, aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie besäet ist und einen grossartigen Eindruck macht. Nach Südwesten ist der Horizont durch das Karlsbader und Duppauer Gebirge abgegrenzt. Die Park- und Garten-Anlagen, sowie die Glashäuser des Schlosses sind grossartig. In einer prunklosen, zur Andacht stimmenden Waldkapelle befindet sich ein Kreuz von grosser Dimension am Altare, das in einem Stücke aus einem Eichbaume geschnitten ist, bei dessen Fällung ein Graf Lobkowitz vor 156 Jahren den Tod fand. Er hatte die Warnung der Holzschläger, sich zu entfernen, nicht beachtet, der Baum fiel auf ihn und erschlug ihn. In der Schlosskapelle ferner ist ein Dorn unter Glas und Rahmen aufbewahrt, welchen die Kreuzritter aus Palästina mitgebracht und welcher aus der Dornenkrone des Heilandes entnommen ist. Diese Reliquie wird jedes Jahr vor Ostern eine Woche in der Kirche zu Neundorf und einen Tag in Seestadtl zur Verehrung ausgesetzt und zieht viele Wallfahrer an. Die Herren von Lobkowitz legen dem »heiligen Dorn« einen hohen Werth bei und soll einmal ein fürstliches Familienglied bei der Erbtheilung denselben einer Herrschaft vorgezogen haben.