Haben sich heuchelnd um den Stamm, der über ihren Schurkensinn erhabenen, und deswegen ihn nicht ahndenden Eiche zu schmiegen verstanden — Gewohnheit lehrte sie die armen Schächer ertragen, Großmuth, kleine Dienste für Opfer zu halten; Eigenliebe, von der der größte Mensch nicht gänzlich frei ist, seine Schmeichelei unter dem Anstrich treuherziger Gutmüthigkeit für — den guten Fürsten gewidmete Ergebenheit des Biedermanns zu nehmen, und — fürstlich zu belohnen! — Was giebt’s?

Der Halbzirkel theilte sich in zwei Reihen; im lieblichen Schimmer wie Diana, wenn sie als Anführerin der Musen und Grazien nach Delphi zu dem Sitz ihres Bruders eilte, und den goldnen Bogen nur als Attribut ihrer Herrschaft über die Thiere des Waldes spielend mit sich führt, schwebte jetzt Prinzessin Mathilde herein. Einfach, aber reizend geschmückt, drohte die schöne Jägerin nicht sowohl dem vierfüßigen Wilde, als den Herzen ihres Gefolges mit einer starken Niederlage. — Morgenroth glühte auf ihren Wangen, außerordentliche Lebhaftigkeit erhöheten den Glanz der dunkelblauen Augen, und — indem sie die blonden Locken mit schneller Bewegung der Despotie des plümirten Kastors entledigte, rollten diese auf den Brabanter Geweben, durch welche der Schwanenbusen sein stürmisches Wogen verrieth, und auf dem dunkelgrünen Reitkleide sich zu Fesseln für jeden kühnen Spötter der Liebe; denn er sah Mathilden jetzt in ihrer verführerischen Liebenswürdigkeit und — spottete nicht mehr.

Mit der Würde eines sechzehnjährigen Martissohnes, schwang sie den Hut, daß die blendende Esprit einen Luftzug verursachte. Guten Morgen, meine Herren und wackern Jagdgesellen! sagte sie launig, und schlüpfte durch die bis zur Erde gebückten, und lüstern in die Höhe nach ihr blinzelnden Reihen der Höflinge. — Guten Morgen, mein Louis! lispelte sie an der Brust ihrer Bruders.

So früh entzogst du dich wirklich schon den Armen des Schlafes, und den geschäftigen Händen der Zofen? — bewillkommte liebkosend der Prinz die holde Schwester, und tändelte mit der neidischen Locke, die den Schnee der sanftgewölbten Stirn umschattete.

„Ich habe wenig oder gar nicht geschlafen!“

Was hielt dich wach?

„Staatsgeschäfte meines Boudoirs, Korrespondenzen. Du weißt, mein bester Sekretair bin ich selbst.“

Depeschen der Großherzogin?

„Herzensergießungen nach Wallersee.“

Dann mißbrauchst du dein Herz.