Eben wollte er, dem der kleine hochrothe Fleck auf Adelaidens Wangen, das unstäte oft wechselnde Schlagen der Halspulse — endlich die variierende Stimme, und andere ihm auffallende Symptome nicht entgangen waren — nach aufgehobner Tafel, den ihm vielleicht mehreres Licht gebenkönnenden Zynthio ins Verhör nehmen; da stand auch schon der Landrath, als der dritte dieses Conciliums zwischen ihnen, und faßte Beide an die Klappen ihrer Fraks, zum Zeichen: daß sie ihm jetzt Rede stehen müßten.
Was meint ihr, Doktor? — Was haltet ihr von dem Zustand der jungen Gräfin? —
Ich vermag noch nicht zu beurtheilen, ob es eine vorübergehende Unpäßlichkeit ist, oder ob eine frühere Ursach der allerdings schwachen Gesundheit der Gräfin, die heutigen Zufälle zur Folge hat.
Freund Camillo! — Sie sind ihr täglicher Gesellschafter; aufmerksamer als ihre eignen, beobachten Sie die Athemzüge des lieben Mädchens. Sie verstehen jede ihrer Gemüthsbewegungen — Sagen Sie aufrichtig: was steht zu hoffen? woher die Verschlimmerung ihres Befindens? Den Sommer über schien sie sich völlig restituirt zu haben.
Sie schien es — seufzte Zynthio.
Was sagen eure Consulenten?
Wir haben keine. Die Aerzte haben die Gräfin, und diese die Aerzte aufgegeben.
Das ist Eigensinn! Zwar rieth ich ihr selbst einst dazu — aber wenn das Uebel nicht zu heben war —
Verzeihen Sie, fragte der Dokter — welches Uebel? —
O, sagte Zynthio — die Krankheitsgeschichte ist, wiewohl schon anderthalb Jahre alt, dennoch kurz und einfach. —