Also Ehepakten und Auseinandersetzungen des bis dato noch gemeinschaftlichen Vermögens unter den Geschwistern beschäftigen dermahlen die Gräfin? — fragte der Doktor. — Nun das wäre wenigstens keine Trauer verkündende Anordnung.
Ich weiß es nicht! — erwiederte Zynthio mit Achselzucken.
Adelaide schlich hinzu, pathetisch nahm sie das Wort: Und sie hielten einen Rath — ob es der dem Arzt Ueberantworteten anstehe, dem Herrn des Hauses zu einer Ehrenmenuet aufzufordern, und ob es ihm gezieme, ihr diese Lust zu versagen? —
Nun da ziehe einer einen vernünftigen Schluß! rief erfreut der Aufgefoderte — da sollte man denken, wer tanzen will, hofft und begehrt auch noch recht lange auf diesem Erdenrund zu tanzen, und das Leben zu genießen. Kommen Sie, kommen Sie, liebes theures Kind! — Aufgepasst, Neffe! — Die Geiger und Pfeiffer sollen beginnen. Seine Braut will mit mir, und nicht mit ihm den Ball eröffnen. —
Zynthio und der Doktor blieben noch zurück. Letzterer unterbrach das minutenlange Stillschweigen; Ich glaube Sie hin und wieder verstanden zu haben, und fürchte — man würde einen sehr trüglichen Schluß ziehen, wenn man diese angebliche Lust zu tanzen nach unsern Wünschen auslegen wollte.
Ein bedeutender Händedruck war dessen stumme Antwort.
Ein pensionirter Oberster rief seinen Pythias Weidenbach um L’Hombretisch; und Zynthio verlor sich unter das lustige Gewühl im Tanzsaal — nicht um mit den Fröhlichen fröhlich zu seyn, sondern um zu sehen, wie die Ehrenmenuet ablaufen werde, die ihm jetzt so etwas ähnliches von einem Todtentanz zu haben dünkte.
Mit jedem Sonnenuntergang neigte sich das Haupt der Lilie ermüdeter und näher der Nacht des Grabes entgegen; mit jedem Aufgang sproßten neue Blüthen zum jungfräulichen Kranz, welcher bald die kalte Stirn der mit dem Tode vermählten Braut schmücken sollte. Mit Schillers Flüchtling konnte sie ausrufen:
Steig empor, o Morgenroth, und röthe