Keine einzige hat ihr etwas gegeben, keinen Cent, ihre Hand ist leer.
Gerade nur, daß sie sich die beiden Flaschen Wein hat beiseite bringen können, und die halbe Torte und die Wurst.
Arrie winselt immer noch in seiner Ecke. »Hätten sie mich doch nach meinem Wunsch gefragt.«
»Du bist ganz besoffen, Kerl, leg' dich schlafen,« sagte die Mutter.
Wütend schichtet sie die leeren Teller, packt sie auf den Arm und trägt sie weg. Auf dem Weg zur Küche murmelt sie verächtlich: »Diese reichen Leute.«
Katjes Erfolg war unbestritten; sie hatte der Frauen Mitleid angerührt, dem jungen Dichter eine neue Welt erschlossen, die geräuschvolle Zustimmung des tschechischen Genossen eingeheimst. So offensichtlich platzte nun auch Aloys aus allen Nöten vor Erzählerlust, daß ich lächeln mußte, wenn ich den Ton als höchst geschmacklos auch verdammte, als der grauhaarige Herr dem Südtiroler seine Zigarettendose reichte und ruhig sagte:
»Na, Herr Oberkellner, und was haben Sie gegen ihre frühere Kundschaft auf dem Herzen? Heraus damit. Es kitzelt Sie ja schon in der Kehle.«
Wie gekränkt in seiner Manneswürde hielt Aloys sich zuerst zurück. Dann siegte wohl die »Bitte sehr, bitte gleich«-Natur in ihm. Er verbeugte sich, und eingedenk vielleicht seiner Gewohnheit, die Zahl nach oben abzurunden, nahm er an Stelle eines Tabakstengels ihrer sechs aus dem Behälter.
»Na natürli,« sagte er begütigend, »es is halt alles unterschiedlich auf der Welt. Es hat ihrer unter die Herrschaften viel noblichte und anständige a. Aber sell muß wahr sein: a fremds Brot is a sauers Brot. Und die Armen und die Reichen, das paßt halt z'samm' als wie, mit Verlaub, an Schweinshaxel in an Judenmagen. Und um so mehr als wie sich Müh' geben, sich gemein mit unsereins zu machen, um so talketer stellens sich halt an. Auf d' letzt noch,« er rückte seinem Ziele näher, »acht Täg bevor i hab' weg müssen zu die Soldaten, is oben in unserm Alpenwirtshaus was passiert. Wenn die Herrschaften erlauben, werd' i so frei sein und's erzählen. Ein ganz a lustigs Stückl. Kurz is's a.«