Um den runden Tisch sitzen jetzt die Alten. Das blasse Licht der Hängelampe fällt auf ihre weißen Köpfe. Anfangs zögernd, immer dreister greifen alle zu.
Schmatzend essen sie und trinken glucksend. Das Geräusch des Kauens und des Schluckens mischt sich mit dem Rauschen der Gewänder. Wenn die Damen, die zum Volk heruntersteigen, Schüsseln reichen, Gläser füllen. Da fällt ein Teller klirrend auf die Diele und zerbricht. Er ist Frau von Reuß entfallen.
Einer Ohnmacht nahe, starrt sie nach den Alten. Nach dem Lichtkreis über ihnen, den die Finsternisse, in den Ecken dicht geballt, umdrängen und ihn drohend fressen. Daß er matt und ungewiß die welken Körper und die dürren Glieder und die bleichen Wangen fahl beleuchtet.
Ihr ist plötzlich: lauter Leichen sitzen um die Tafel. Fleischlose Gerippe, deren Kiefern zahnlos malmen. In den Dunst von Wein und Speisen steigen ihre Verwesungsdüfte. Ihrer selbst nicht mächtig, stürzt sie durch die Tür ins Freie. Auch die anderen Herrenleute, schnell erkaltet in dem Eifer sich zu opfern, suchen einen Vorwand, sich zu flüchten.
Unbekümmert, ohne aufzusehen, füllen sich die Alten Schlund und Magen. Sie vertilgen bis zum Rest die Braten, und sie leeren Wein und Bier zur Neige.
Dann, des Übermaßes ungewohnt, sitzen sie betäubt. Ein Gefühl des Unbehagens überfällt sie, eine Lust zu streiten und zu raufen.
Arrie Paap fängt plötzlich an zu winseln: hätten sie ihn doch gefragt. Hätten sie ihm, statt des Nachtmahls, doch lieber seinen höchsten Wunsch erfüllt, den letzten seines Lebens. Einmal noch nach Amsterdam zur Kirmeß. Auf den Straßen singen hören, tanzen sehen, in den Waffelbuden sitzen und das Karussell besuchen. Einmal noch in diesen großen Kutschen fahren. In den wunderbaren weißen Kutschen, ganz vergoldet und mit goldenen Pferden, die sich nach dem Klang des großen Spielwerks langsam drehen.
An den Fingern zählt er sich die Kosten ab. Für Wein und Bier, und für den Braten, für die süße Speise. »Das hat mehr gekostet als die Fahrt zur Kirmeß, meint Ihr nicht auch, Mutter Eef.«
Das Gesindel, diese feinen Damen. Erst sind sie so freundlich, bieten ihre Dienste an, wollen helfen und bedienen. Und dann rennen sie davon, lassen ihr die Plackerei und Arbeit.