»Grüß Gott, Freilen,« erwiderte die Kellnerin nicht eben freundlich.

Dabei bückte sie sich hinter die Kredenz, so daß sie die ausgestreckte Hand des Fräuleins nicht zu schütteln brauchte.

Fräulein Klarisse nahm ihr das nicht übel. Sie hatte feste Theorien in bezug auf den Verkehr mit Frauen unterer Stände. Die wollten ihrer Ansicht nach gewonnen und umworben werden, man mußte sie behandeln wie die Kinder, und ihnen wider ihren Willen helfen.

Vertraulich setzte sie sich an einen Holztisch und erbat sich ein Glas Milch.

»Nun, und wie ist es Ihnen denn ergangen, Vefi, während ich nicht hier war? Ist Ihnen bang' nach mir gewesen?« Sie erhob die Stimme, als könnte sie ihr Hochdeutsch dadurch besser verständlich machen. »Ich hab' an Sie gedacht, sehen Sie, ich hab' Ihnen was mitgebracht.«

Sie löste die Hülle des Paketchens und überreichte Vefi ein geschnitztes Kästchen, dessen Deckel ein buntbemaltes Bildchen zierte. Das Dorf St. Ulrich, überragt vom Langkofel und der Sellagruppe.

Vefi starrte auf das Geschenk. Sie wußte mit dem Kästchen nichts Rechtes anzufangen, aber die wohlbekannten Formen der Berge, die seit Jugend an ihren täglichen Horizont gebildet hatten, weckten eine wilde Sehnsucht in ihr auf.

»I dank Enk, Freilen.«

Sie war nicht dankbar. Wütend war sie, daß sie hier stehen und schwatzen mußte und nicht ihr Bündel nehmen und nach Hause laufen durfte.

»Denken Sie, ich hab' den Langkofel bestiegen,« plauderte indes das Fräulein weiter, »bis zur Hütte. Herrlich war es oben, diese wundervolle Aussicht. Na, Sie sind den Weg gewiß schon oft gegangen.«