Vefi wußte nicht, was Nerven sind, sie fühlte nur, daß sie an sich halten mußte, um den Gast nicht vor die Tür zu werfen.
»I,« erwiderte sie mürrisch, »baleib net, zu so was hab' i net Zeit.«
»Aber am Sonntag doch? Zieht es Sie denn da nicht hinaus in die schöne Natur?«
»Meinen S' die Berg? Die siech i akrat a so von unten. Und am Sunntig will i decht a mei Ruh' hab'n.«
»Wie doch die Dumpfheit des Geistes dem Volk die schönsten Freuden raubt,« dachte Klarisse und erzählte, nicht ohne erzieherische Absicht, daß einer von den Führern, ein furchtbar netter Kerl, womöglich noch begeisterter vom Sonnenaufgang war als die Städter. »Er war aus Ihrer Gegend, vielleicht ist er Ihnen bekannt, Peter Purtscheider war sein Name.«
Vefi lachte verächtlich auf. »Ui jegerl der Peter, sell is der recht', der lugt mit 'm Maul, bal er betet. Um a guat's Trinkgeld plauscht der die Frischleut' sakrisch an.«
Was hatte nur die Vefi? So üble Laune hatte sie noch nie gezeigt. Fräulein Müller lenkte daher das Gespräch in andere Bahnen.
»Haben Sie denn für mich gearbeitet, liebe Vefi?«
Das Mädchen brummte etwas Widerwilliges, doch ging sie an den Schenktisch und kramte in der Lade nach Tintenfaß und Schreibheft. Das Fräulein hatte es doch gut gemeint mit ihrem Kästchen, auch für die Milch wieder zehn Heller Trinkgeld hergegeben.
Klarisse sah das dünne blaue Heft mit dem zerrissenen beschmutzten Deckel kopfschüttelnd an.