Das Fräulein wurde rot, worüber sie sich ärgerte. Sie wußte doch, mit Prüderie kam man im Verkehr mit den niederen Ständen nicht weiter. Sie nahm sich sehr zusammen und sagte tapfer:
»Sie haben ein Kind? Aber Sie haben mir doch erzählt, Sie sind nicht verlobt.«
Die Vefi zupfte an ihrer Schürze; sie war etwas verlegen.
»Just versprochen bin i a net, mir hab'n si holt gern. Der Meine kunnt mi lei net heiraten, net ender manka*), aft sei Eltern g'storben sind.«
*) eher wenigstens.
»Und darauf wartet Ihr?« fragte Klarisse innerlich entrüstet.
»Ender kriegt er's Häusel net,« belehrte sie die Vefi eifrig, »und sei Vatter möcht' a, daß er a Reiche nehmet. Die Trafoierzenz, wo dreitausend Gulden mitkriegt, die ginget ihm glei zu.« Der Stolz auf ihres Liebsten Anwert sprach aus ihrer Stimme.
Zu solchen moralischen Verirrungen konnte das Fräulein Müller doch nicht schweigen.
»Aber Vefi, mit einem Menschen, der auf den Tod seiner Eltern wartet und inzwischen mit einer Reichen liebäugelt, haben Sie sich eingelassen? Ich fürchte, Sie rennen in Ihr Unglück.« Sie zögerte ein Weilchen, ehe sie sich entschloß, zu fragen: »Sehen Sie ihn denn noch immer?«
»Freili, im Winter wann i hoam kimm.« Vefis Augen glänzten bei dieser Vorstellung.