Ich weiß nicht, wie es den übrigen erging. Mich steigerte die in Schleier eingehüllte Herkunft dieses feierlichen Anrufs in eine erwartungsvolle Stimmung. Es wäre mir Verletzung meines Feingefühls gewesen, hätte der Unsichtbare das Pathos, mit dem er, wie aus einem tiefen Schacht, letzte Dinge seines Fühlens aus der Seele holte, in hellem Lampenscheine vor uns ausgebreitet. Die Verkündigung der abgeklärten Buddhalehre, von Nietzsche unter Qualen umgewertet in Übermenschlichkeit.

Von ewiger Wiederkunft

Er liegt am Rande des sanft zum See gesenkten Ufers, von hochgewachsenen Farren überdacht. Zu seiner Rechten, auf dem Hügel, um den die Großstadtleute sich geschwätzig und geputzt ergehen, weiß er die Tafel mit den wie vom Schicksal in den Stein gegrabenen Zeichen:

»Die Welt ist tief
Und tiefer als der Tag gedacht
. . . . . . . . .
Weh spricht: Vergeh'!
Doch alle Lust will Ewigkeit –
– will tiefe, tiefe Ewigkeit!«

Er glaubt, ein Echo dieser Worte in dem Murmeln der anschlagenden Wellen zu vernehmen. Wenn er die Augen schließt. Wenn er sie öffnet, ist der schwere Klang verweht, und er sieht in ein Meer von Glanz und Duft. Die Wasser jauchzen, und der See blüht. Wie ein Garten, wie ein Beet von blauen Enzianen, über die ein Heer von weißen Schmetterlingen fliegt. Die hinscheidende Sonne wirft aus dem Westen Purpurrosen auf die blaue Pracht, sie durchglutet die Segel, die sich wie große Möwenflügel spreizen, und das Gebäude, das vom jenseitigen Ufer grüßt, verklärt sich durch ihren goldenen Abendschein zum Märchenschloß.

Den Ruhenden unter dem Farrendickicht schmerzt diese Pracht und Fröhlichkeit. Die Augen zu. Dunkelheit um sich geschaffen. Und dem dumpfen Laut gelauscht, mit dem die Brandung zu den Kieseln spricht:

»O Mensch! Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
Ich schlief, ich schlief ...«

Als er erwacht, findet er die Welt um sich vertauscht. Wie ein guter Hausverwalter, wenn der letzte Gast gegangen ist, die Lampen abdreht und Tücher auf die Seidenmöbel und die festlichen Geräte wirft, so hat der späte Nachmittag hinter den letzten Sonnenstrahlen alle Farben ausgeblasen und über Tanz und Spiel der Wellen einen mißtönigen Flor gebreitet. Fahl und flach liegt der weite Spiegel; vor dem Märchenschloß, das ihn begrenzt, ist ein grauer Vorhang zugezogen.

Der Ruhende springt auf. Ihn fröstelt. Und er schreitet kräftig aus, um den steif gewordenen Gliedern die Geschmeidigkeit zurückzugeben. Die Halbinsel gehört ihm nun allein. Die Spaziergänger sind vor der einbrechenden Dämmerung geflüchtet, und bereden den Alltag jetzt in aufgehellten Räumen.