Ihn, der gekommen ist, um in den Spuren eines Einsamen zu wandeln, graut vor der Gemeinschaft mit den Vielzuvielen. Er läßt die Wohnstätten der Menschen hinter sich und sucht sich den schmalen Weg, der, der Wagenstraße gegenüber, sich an die Windungen des Wassers schmiegt.

Immer dichter sind inzwischen die Dünste hochgestiegen, haben sich geballt und rechts und links zur Mauer aufgerichtet. Alle Wirklichkeit ist abgetrennt. Nichts gegenwärtig als das Angedenken dessen, der seine kränksten Nöte und seine lachendsten Genesungen hier auf und ab getragen haben mochte. In der großen Stille scheint der Boden wie entsühnt von der Berührung mit den Massen, die seitdem durch ihren Tritt die Fußspur eines Ungewöhnlichen entweihten. Und auf leisen Sohlen schleichen die Schatten der Vergangenheit herbei.

Vielleicht an dieser Stelle war vor dem Dichter das helle Mittagsstundenwunder aufgetaucht. Hier hatte er vielleicht gesessen, »ganz See, ganz Mittag, ganz Zeit ohne Ziel. Da plötzlich, Freundin, wurde eins zu zwei und Zarathustra ging an mir vorbei«. Und hier vielleicht, ein andermal, in einer Finsternis wie dieser, wie im Urchaotischen gefangen, mochte er mit dem Doppelgänger Brust an Brust gerungen haben. Ihm die feindliche, die mörderische Waffe zu entreißen.

Der Wanderer stöhnt auf.

Wie er jetzt körperlich den Wegen des Verkünders folgt, so war er ihm auch geistig nachgegangen. Und war an der Schwelle einer letzten Ausgangspforte einem Gespenst begegnet. Qual und Marter, ihm ins Gesicht zu sehen! Glich es nur dem Meister? Trug es nicht die eigenen Züge? Hatte es nicht längst im eigenen Leben tückisch lauernd dagelegen, um in bangen Stunden den Gefolterten zu überfallen?

Ewige Wiederkunft? Kein Entrinnen aus dem Kreis des Ekels und des Überdrusses!

Mag sein Fuß die schmale Grenze überspringen, die das feste Land vom Wasser scheidet: es behält ihn nicht, es bringt ihn wieder.

Immer wieder auf das Rad geflochten ... »Krumm ist der Pfad der Ewigkeit.«

Nein! Seine Schultern tragen die Last dieses Gedankens nicht. Ihm fehlt die Kraft, den Kopf der Natter abzubeißen, um ihn lachend auszuspeien. »Ist das das Leben? Wohlan denn: noch einmal!« Er ist nicht brünstig nach dem hochzeitlichen Ring der Wiederkunft.

Ihm wird zumut, als wachten alle Peinen auf, die hier jahrelang versteinert im Gebüsch gelegen haben, und stürzten sich auf ihn, um ihn zu schrecken und zu würgen. Der Wahnsinn krallt sich in ihn ein, Verlassenheit, das verzerrte Abbild der königlichen Einsamkeit, greift nach ihm mit kalten Knochenarmen. Er läuft und läuft ... Er fühlt, was zu sehen ihm der Nebel wehrt, daß der Waldweg sich verbreitert, daß seine Sohlen Wiesenboden treten.