Richtig, richtig. Er lacht. Ein hilfloses, verschlucktes Lachen. Das muß man sagen. Sakrisch ist er in die Höh' gekommen, in dem Haus. Zuerst war er zu ebener Erde einlogiert, auf einer Holzpritsche, Brot und Wasser neben sich. Damals in der Nacht. Der Mordsrausch! Und hat er nicht im Gemeindeamt die Fenster eingeschlagen? Und da hat man ihn halt eingeführt. Er will wieder lachen, aber es zuckt ihm dabei um die Augen wie ein Krampf. Der Josef Kirschenhauer. Der lustigste und frischlebigste Bursch im ganzen Dorf. Mit seinem mud'lsaubern Schatz, der Zenzi. Freilich arm wie die Kirchenmäuse alle zwei. Er ein Holzknecht und sie die Sennerin auf der Gruberalm. Wie erst das Kind gekommen ist, haben sie sich beide arg hart getan.
Der Josef greift sich an die Stirn. Ganz schwindlig ist ihm von dem vielen Denken. Und die Zunge trocknet ihm im Gaumen.
»Gelt, Baberl,« sagt er zu einem kleinen Mädel, das dasteht, glotzt und an ihrem Daumen lutscht, »gelt, Baberl, du gehst mir um a Wasser?«
Die Kleine nimmt den Finger aus dem Mund.
»I heiß nicht Babi, i heiß Resi.«
Nicht Babi? Dem Josef ist doch gerad' gewesen, wie wenn sein Töchterl vor ihm steht, die Babi. Akkurat so blonde Lockerl hat's gehabt, und akkurat so hat's geglotzt damals beim Abschied, wie er nach Bayern gegangen ist, um zu verdienen. »Heul' nicht aso,« hat er der Zenz gesagt, »ich komm bald wieder.« Und war dann zwanzig Jahre weggeblieben.
Das waren Zeiten. Bis nach der Türkei hinunter hat's ihn getrieben. War ein Geld da, hat er mal etwas der Zenz geschickt, hat's ein andermal vertrunken und verjuxt. War kein Geld da, hat er gehungert und gefroren. Und hat vom Wanderleben doch nicht lassen können.
Der Durst – der Durst. Und die Resi kommt nicht mit dem Wasser. Der Josef beugt sich vor, er ruft: »Schwester Brigitte, Schwester Brigitte.«
Die Schwester überhört den Ruf, sie ist ganz vertieft in ihre Probe. Nein, über diese Buben. Wissen doch, jetzt kommt die Szene, wo sie als Hirten um ein Feuer sitzen sollen und sich was erzählen. Aus den Ecken muß sie sie zusammenklauben. Und wie sie ausschauen.
»Putz dir die Nase, Franzl.«