Wieder gibt es eine Pause. Der Hansel muß sehr ermuntert werden, ehe er stockend flüstert:

»Dafür ist der Himmel so hell und klar
I woas koan Nacht, daß amal so war.«

Der Nazel dagegen leiert seinen Vers so hastig, daß die Silben durcheinander purzeln.

»Ja – dö Stern göb'n heunt an bsundan Schein,
Und schaun ganz eigen lusti drein.«

Mühsam, mit vielen Aufenthalten, schleppt sich das Gespräch der Hirten weiter. Über die Bedrückungen der Römer, und wie alles sehnsüchtig auf den Messias hoffe. Bis Michel, holterdipolter (wie einen mit Steinen beladenen Karren schiebt er seine lange Rede vor sich hin) von dem frommen Mann erzählt und von der zarten, wunderlieben Frau, die, Herberge suchend, auf die Straße hinausgestoßen wurden.

»Und so Leut', dö dö Fremden und dö Arman,
Fortjag'n und sich gar nöt dabarman –
Dö stat an Herzen hab'n nur a Bröt –
Dö mag a unser Herrgott nöt.
Und d'rum, toats mas nöt übelnehma,
Drum mag da Messias a nöt kema!«

»... Ja, ja,« murmelte der Josef für sich hin. In seinem Kopf vermischt sich Spiel und Wirklichkeit. »Ja, ja.«

So hat er auch dahergesessen mit seinen Kameraden, oft ganze Nächte durch, und hat sich mit ihnen was erzählt. Manch einer war darunter, der an Gott und Teufel nicht geglaubt und an den Pfaffen kein gutes Haar gelassen hat. Und wenn die Rede auf die Weibsleute gekommen ist, da hat der Josef auch sein Stück bestanden. Stark und gesund ist er damals gewesen. Bis dann in Kroatien, wie sie den großen Wald geschlagen haben, das Unglück über ihn gekommen ist. Gerad' neben ihm und halb auf ihn die Eiche. Ein Wunder, daß sie ihn nicht gleich totgeschlagen hat. Und dann drei Monate im Spital, und aus dem Spital heraus per Schub nach Haus. Ojemine! Das Heimkommen! Die Zenzi, ein vergrämtes Weib, das Weib von einem anderen, das Baberl in der Stadt in Dienst, die alten Freunde tot oder kalt und fremd geworden. No ja, wer kennt auch gern so einen, wie der Josef jetzt ist, ein Fallot, reif fürs Armenhaus, eine Last für die Gemeinde. Und hätt' sich noch bedanken sollen für die Wohltat. Mit noch drei Krüppeln in einem engen Kammerl sitzen, mit dreißig Kreuzer täglich ausgehalten. Und jetzt, seit es gar so schlecht mit ihm geworden ist, sogar wie eine Herrschaft ganz allein im zweiten Stock, in einem Krankenbett. Allein – Tag und Nacht allein mit seinen Schmerzen. Oje! Oje!

In das verworrene Gedenken, aus dem sein ganzes Leben schattenhaft an ihm vorüberhuscht, zuckt wie ein greller Blitz die Erinnerung an das Wort der Schwester: »Wenn Euch was passiert – ehe ...«

Die Schultern hochgezogen, die Arme an die Brust gepreßt, krümmt sich der Josef. Unwillkürlich rückt er aus dem Schatten, der schon einen Teil des Gartens deckt, in die Sonne, die bereits langsam ihre Kraft verliert, als könne er damit aus dem Todesschatten in das Sonnenlicht des Lebens flüchten.