Nach einiger Zeit ging er dann zu dem Mann hin und sagte: »Warum wirfst du den Schnee in die Luft und entziehst unserem Dorf das Licht?« Der Mann hielt inne, sah auf und sagte: »Ich räume nur den Schnee vor meiner Türe weg und ich entziehe kein Licht. Aber wer bist du und von wo kommst du?« »Es ist so finster in unserem Dorf, daß ich dort nicht leben will, und so bin ich gekommen, um bei dir zu bleiben«, sagte der Knabe. »Was? Für immer?« fragte der Mann. »Ja!« antwortete der Knabe. Darauf der Mann: »Also gut; komme mit mir ins Haus.« Und er steckte die Schaufel in den Boden und gebückt ging er durch den unterirdischen Eingang voran ins Haus und ließ, nachdem er hindurchgegangen war, in der Meinung, der Knabe sei hinter ihm, den Vorhang vor der Tür herunterfallen.

Im Augenblick, als hinter dem Mann, der eingetreten war, die Türklappe herunterfiel, packte der Knabe den Feuerball und steckte ihn in die Außenfalte seines Pelzes; dann nahm er noch die Schaufel in die Hand und lief nach Norden weg und rannte so lange, bis seine Füße müde waren. Dann erinnerte er sich seines Zaubergewandes, verwandelte sich in einen Raben und flog, so rasch ihn seine Flügel nur trugen, davon. Hinter sich hörte er das entsetzliche Gekeif und Geschrei des Mannes, der ihm rasch folgte. Als der alte Mann merkte, daß er den Raben nicht einholen konnte, schrie er: »Zum Donnerwetter! behalte meinetwegen das Licht, aber gib mir meine Schaufel wieder!«

Darauf antwortete der Knabe: »Nein, du hast unser Dorf ganz verfinstert und sollst daher auch deine Schaufel nicht haben.« Und der Rabe flog weiter und ließ ihn zurück. Auf seinem Heimweg brach der Rabe ein Stück vom Licht ab und warf es aus, und so wurde es wieder Tag. Dann zog er wieder lange Zeit im Dunkeln weiter, warf dann wieder ein Stück Licht weg, es wurde wieder Tag. So tat er abwechselnd, bis er in seinem Heimatdorf vor dem Haus anlangte, wo er das letzte Stück wegwarf. Dann betrat er das Haus und sagte: »Also, ihr unnützen Zauberer, ihr seht jetzt, daß ich das Licht zurückgebracht habe und es wird von nun an hell sein und dann wieder dunkel: Tag und Nacht.« Und die Zauberer konnten ihm nichts antworten.

Daraufhin ging er hinaus aufs Eis, denn sein Haus lag an der Küste und ein großer Wind kam auf und trieb ihn mit dem Eis über die See zum Land an der jenseitigen Küste. Dort fand er ein Dorf, nahm aus seiner Bewohnerschaft eine Frau und lebte mit ihren Leuten, bis er drei Töchter und vier Söhne hatte. Mit der Zeit wurde er sehr alt und erzählte seinen Kindern, wie er ins Land gekommen und, nachdem er ihnen aufgetragen, wieder in jenes Land zu ziehen, woher er gekommen, starb er.

Die Kinder des Raben zogen dann fort, wie er ihnen aufgetragen und gelangten schließlich in ihres Vaters Land. Dort wurden sie in Raben verwandelt und ihre Nachkömmlinge verlernten, wie sie sich in Menschen verwandeln könnten, und so gibt es bis zum heutigen Tag Raben.

Im Dorf des Raben folgen Tag und Nacht einander, wie er gesagt hatte, daß es geschehen werde und die Länge der einzelnen blieb ungleich, da der Rabe manchmal lange Zeit ohne Licht auszuwerfen gewandert war und dann wieder in kürzeren Zwischenräumen das Licht ausgeworfen hatte, so daß die Nächte sehr kurz waren und dementsprechend ist es auch geblieben.

Der Kanibale Igimarasugdjuqdjuaq

Igimarasugdjuqdjuaq war ein sehr großer, schlechter Mann, der viele Morde begangen und seine Opfer, nachdem er sie aufgeschlitzt hatte, verspeiste. Einmal kam seine Schwägerin, um seine Frau zu besuchen, aber kaum hatte sie die Hütte betreten, als Igimarasugdjuqdjuaq sie tötete und seiner Frau befahl, sie zu kochen.

Seine Frau war sehr erschrocken, befürchtete, daß sie selbst das nächste Opfer sein werde und beschloß zu fliehen. Als Igimarasugdjuqdjuaq auf die Jagd ging, sammelte sie Heidekraut, stopfte damit ihre Jacke aus und setzte die Figur aufs Bett. Dann lief sie, so rasch sie konnte, weg, bis sie ein Dorf erreichte. Als ihr Gemahl nachhause kam und den Rock sah, glaubte er, es sei ein Fremder zu ihm auf Besuch gekommen und erstach ihn. Wie er aber bemerkte, daß seine Frau ihn betrogen und verlassen hatte, wurde er wütend und verfolgte sie.

Er kam ins Dorf und sagte: »Habt ihr nicht meine Frau gesehen? Sie ist mir weggelaufen.« Die Inuit sagten ihm nicht, daß sie sich bei ihnen aufhielt, sondern verbargen sie vor seiner Wut. Schließlich gab sie Igimarasugdjuqdjuaq als verloren auf und kehrte heim.