Die Inuit beschlossen, die vielen Beleidigungen, die er ihnen angetan hatte, zu rächen. Sie suchten ihn auf und begegneten ihm auf dem Eis, gerade unterhalb seiner Hütte. Als er ihnen sagte, er ginge auf die Bärenjagd, sagten sie: »Laß uns deinen Speer ansehen.« Dieser Speer hatte einen sehr starken, scharfen Walroßzahn als Spitze. »Ah!« sagten sie, »der ist sehr gut, um Bären zu töten; wie scharf er ist! Du mußt ihn gerade in diese Richtung stoßen.« Und wie sie das sagten, stießen sie ihn ihm in die Stirne. Die Spitze des Speeres drang ihm ins Gehirn und dann schlitzten sie ihm mit ihren Messern den Leib auf.

Der Geist des Festhauses

Eine Frau ging einmal, als es schon ganz dunkel war, ins Festhaus. Immer schon wollte sie den Geist dieses Hauses sehen und obwohl die Inuit sie davor gewarnt hatten, bestand sie doch auf ihrem Vorhaben.

Mit diesen Worten rief sie den Geist an: »Wenn du im Haus bist, so erscheine!« Und als sie nichts von ihm sehen konnte, schrie sie: »Hier ist ja gar kein Geist, er will nicht kommen.«

Da sagte der noch immer unsichtbare Geist: »Hier bin ich, dort bin ich!«

Da fragte die Frau: »Wo sind deine Füße, wo sind deine Schienbeine, wo sind deine Schenkel, wo sind deine Hüften, wo sind deine Lenden?« Und jedesmal antwortete der Geist: »Hier sind sie, dort sind sie!«

Die Frau fragte weiter: »Wo ist dein Bauch?« »Hier ist er«, antwortete der Geist. »Wo ist deine Brust, wo sind deine Schultern, wo ist dein Nacken, wo ist dein Kopf?« »Hier, da ist er.«

Wie aber die Frau den Kopf berührte, fiel sie plötzlich tot um: er war knochenlos und kahl.

Die Bärengeschichte

Vor langer Zeit fand einmal eine Frau einen zwei bis drei Tage alten Bären. Da sie so einen Liebling schon lange vermißt hatte, widmete sie ihm ihre innigste Fürsorge, als ob es ihr eigener Sohn wäre, hätschelte ihn, machte ihm neben ihrem eigenen ein weiches, warmes Bett zurecht und sprach mit ihm, wie eine Mutter mit ihrem Kind. Sie hatte keine lebenden Anverwandten mehr und bewohnte mit dem Bären allein das Haus. Als Kunikdjuaq herangewachsen war, bewies er der Frau, daß sie ihn nicht umsonst erzogen hatte, denn er begann bald Seehunde und Lachse zu jagen, die er, bevor er selbst davon aß, seiner Mutter brachte und erst aus ihren Händen empfing er seinen Anteil davon. Auf einer Hügelspitze wartete sie immer auf seine Rückkehr und wenn sie sah, daß er kein Glück gehabt hatte, bettelte sie bei den Nachbarn um Walfischspeck für ihn. Sie konnte das von ihrem Ausguck aus beobachten, denn wenn er Erfolg gehabt, kam er in derselben Spur zurück, die er beim Auszug gemacht hatte, wenn er aber keinen Erfolg gehabt hatte – immer auf einer anderen. Da er die Inuit auf der Jagd zu übertreffen wußte, erregte er ihren Neid und so wurde nach langen Jahren treuen Dienstes sein Tod beschlossen. Als die alte Frau das hörte, erbot sie sich, von Gram überwältigt, ihr eigenes Leben herzugeben, wenn dafür nur der verschont wurde, der sie so lange erhalten hatte. Ihr Angebot wurde kurzweg abgewiesen. Als sich alle seine Feinde in ihre Hütten zurückgezogen hatten, hielt die Frau mit ihrem Sohn, der jetzt schon zu Jahren gekommen war, ein langes Gespräch und sagte ihm, daß böse Männer darauf aus wären ihn umzubringen, und daß es für ihn nur eine Möglichkeit gebe, sein und ihr Leben zu retten, nämlich auf und davonzugehen und nicht mehr zurück zu kommen. Zugleich bat sie ihn aber sich nicht weiter zu entfernen, als daß sie weggehen und ihn treffen könnte, um einen Seehund und sonst dergleichen, was sie brauche, zu bekommen. Nachdem der Bär auf das gehört, was sie ihm unter Tränen, die auf ihre runzeligen Wangen fielen, gesagt hatte, legte er freundlich seine großen Tatzen auf ihren Kopf, umschlang dann ihren Nacken und sagte: »Gute Mutter, Kunikdjuaq wird immer auf Ausschau sein nach dir und dir so gut er kann dienen.« Nachdem er das gesagt, befolgte er ihren Rat und ging zum Kummer der Dorfkinder und der Mutter fort.