Viele Tage und Nächte reiste er, immer der Küste folgend, weiter. Schließlich kam er wieder zu einer Hütte, wo ein Licht brannte. Da seine Kleider naß und er selbst hungrig war, landete er und ging hinauf zum Haus. Bevor er eintrat fiel ihm aber ein, daß es am besten wäre zuerst auszuforschen, wer drinnen sei. Er klomm zum Fenster hinauf und sah durch den Spalt. Am Bett saß drinnen eine alte Frau, die Aissiwang (Spinne). Als diese die dunkle Gestalt vor dem Fenster sah, glaubte sie, es wäre eine Wolke, die an der Sonne vorüberziehe und da die Beleuchtung für ihre Arbeit ungenügend war, wurde sie wütend, schnitt sich mit ihrem Messer die Augenbrauen ab und aß sie und achtete nicht einmal auf das tropfende Blut, sondern ließ es antrocknen. Als Kiviung das sah, war er überzeugt, daß sie ein sehr böses Weib sein müsse und zog fort.

Wieder reiste er Tage und Nächte. Endlich kam er in eine Gegend, die ihm bekannt schien und bald erkannte er seine Heimat. Er war sehr froh, als er einige Boote ihm entgegenkommen sah. Die waren auf einer Waljagd gewesen und zogen einen großen Leichnam zum Dorf. Am Bug des einen Bootes stand ein kräftiger junger Mann, der den Wal getötet hatte. Es war Kiviungs Sohn, den er als kleinen Jungen zurückgelassen hatte und der jetzt erwachsen und ein großer Jäger war. Seine Frau hatte einen anderen Mann genommen, kehrte jetzt aber zu Kiviung zurück.

Die einzige Frau

Vor langer Zeit lebten viele Leute im Nordland, aber es gab keine Frau unter ihnen. Man wußte nur von einem einzigen Weib, das weit im Süden lebte. Schließlich machte sich einer der jungen Männer im Norden auf und reiste gen Süden, bis er zum Haus der Frau kam, wo er blieb und bald ihr Mann wurde. Eines Tages saß er im Haus, dachte an die Heimat und sagte: »Ah, ich hab eine Frau und der Sohn des Häuptlings im Norden hat keine!« Und er gefiel sich sehr in Gedanken an sein gutes Geschick.

Indessen hatte sich der Häuptlingssohn auch daran gemacht, nach dem Süden zu reisen und während der Gatte gerade so zu sich sprach, stand der Häuptlingssohn am Hauseingang und belauschte ihn. Er wartete am Eingang, bis drinnen alle eingeschlafen, kroch dann ins Haus, packte die Frau bei den Schultern und wollte sie wegschleppen.

Wie er den Ausgang erreichte, bemerkte ihn der Gatte, der die Frau noch an den Füßen erwischte. Es kam zu einer Rauferei, welche damit endete, daß die Frau auseinandergerissen wurde. Der Dieb trug die obere Körperhälfte nach Hause ins Nordland, während der Gatte mit der unteren Hälfte seiner Frau zurückblieb. Jeder Mann saß nun und arbeitete, um die fehlenden Teile aus Holz zu schnitzen. Nachdem sie ergänzt waren, wurde ihnen Leben eingehaucht und so waren aus den Hälften einer Frau zwei Frauen gemacht.

Die Frau im Süden war allerdings eine schlechte Näherin, was sie der Plumpheit ihrer Holzfinger verdankte; dafür war sie eine gute Tänzerin. Die Frau im Norden war zwar in Näharbeiten gewandt, aber ihre hölzernen Beine machten sie zu einer sehr schwachen Tänzerin. Jede der Frauen vererbte an ihre Töchter diese Merkmale, sodaß noch heute dieser Unterschied zwischen den Frauen des Nordens und denen des Südens besteht – was beweist, daß die Geschichte wahr ist.

Die Geschichte vom Mann und seiner Fuchs-Frau

Ein Jäger, der ganz allein lebte, fand, als er nach einiger Abwesenheit zu seinem Lager zurückkam, daß ihn jemand besucht hatte und alles in Ordnung gebracht, wie es ein pflichtgetreues Weib tun soll. Das geschah so oft und ohne irgendwelche sichtbare Spuren, daß der Mann beschloß, dem nachzugehen, um zu sehen, wer denn eigentlich seine Kleider reinschabe, seine Stiefel zum Trocknen aushänge und gutes, warmes Essen koche, bevor er zurückkam. Eines Tags ging er weg, als ob er auf die Jagd ginge, versteckte sich aber so, daß er den Eingang des Hauses beobachten konnte. Nach einer Weile sah er einen Fuchs hineinschlüpfen. Er glaubte, der Fuchs sei auf Nahrungssuche. Er schlich sich zur Hütte und als er eintrat, sah er ein sehr schönes Weib in Fellkleidern von wunderbarer Arbeit. In der Hütte hing an einer Leine ein Fuchsbalg. Der Mann fragte, ob sie es gewesen wäre, die das alles gemacht habe. Sie sagte, sie wäre seine Frau und es sei nur ihre Pflicht, das zu tun und sie hoffe nur, ihre Arbeit zu seiner Zufriedenheit getan zu haben.

Nachdem sie kurze Zeit zusammengelebt, bemerkte der Mann einen Moschusgeruch im Haus und fragte, ob der von ihr wäre. Sie antwortete, daß sie es sei, die so rieche und wenn er darin einen Fehler sehe, so werde sie ihn verlassen. Sie streifte ihre Kleider ab, nahm wieder das Fuchsfell um und schlich davon. Und seit dieser Zeit war sie nie wieder dazu aufgelegt, einen Mann zu besuchen.