»Der Alkalde ist ein Dummkopf. Aber Sie wissen alles. Sie wissen auch, wo meine Mujer ist. Das sollen Sie mir jetzt sagen. Sie muß mir Tortillas machen und Frijoles kochen. Ich habe Hunger.« »Hören Sie zu, Compadre, lieber Nachbar, ich habe Ihre Frau nicht fortgehen sehen. Und wenn ich nicht habe sehen können, in welche Richtung sie ging, so kann ich auch nicht wissen, wo sie jetzt ist.«
Er sah mich erstaunt an. Sein Glaube an die Unfehlbarkeit und an die Vollkommenheit der weißen Rasse erlitt die erste Erschütterung. Zugleich aber kam die Erinnerung an etwas andres, das mit der weißen Rasse innig verknüpft ist.
»Ich bin nicht reich, Senjor«, sagte er. »Ich kann Ihnen nicht viel bezahlen. Ich habe nur zwei Pesos und fünfzig Centavos. Das ist mein ganzes Vermögen. Und das gebe ich Ihnen für Ihre Arbeit.« »Ihr Geld will ich nicht haben. Aber wenn sie mir auch ‚Mil‘ Gold-Pesos geben würden, ich kann Ihnen nicht helfen. Ich weiß nicht, wo Ihre Esposa ist.«
Wieder sah er mich mißtrauisch an, ob es die geringe Summe sei, die er besitze, oder ob es wirklich wahr sei, daß ich, der weiße Medizinmann nicht wisse, wo seine entlaufene Frau in diesem Augenblick sich aufhalte.
Voller Zweifel ging er fort, nachdem ich ihm gesagt hatte, daß ich mir Kaffee kochen wolle und zu diesem Zwecke dann in meine Hütte ging.
Er lief nun in die Hütten der Dorfbewohner, wo er offenbar seine Geschichte auftischte und gleichzeitig berichtete, daß der weiße Medizinmann ein armer Tropf sei, weniger wisse als ein Indiano. Die Dorfbewohner fühlten sich dadurch persönlich beleidigt, denn ich war der Stolz und der Ruhm des Dorfes. Was in den Hütten alles über mich geprahlt wurde und was dem Manne alles angeraten wurde, was er tun solle, um meine geheimen Kräfte zu seinen Gunsten wirken zu machen, weiß ich nicht. Jedenfalls kam der Mann vor Sonnenuntergang wieder, blieb am Zaun geduldig stehen, bis ich gelegentlich aus der Hütte trat, um dem Esel Mais zu geben. Sofort rief mich der Indianer an: »Un momento, Senjor, favor!«
Ich kam zum Zaun. Ich sah, daß der Mann jetzt ein Machete, ein langes, schwertartiges, scharfes Buschmesser in der Hand trug. »Sie wissen nicht, wo meine Mujer ist?« fragte er.
»Nein.«
»Aber Sie können sie finden. Ich kann Ihnen keine ‚Mil‘ Gold-Pesos geben. Die habe ich nicht. Aber wenn Sie mir nicht sagen, wo sie ist, schlage ich Ihnen den Kopf ab.« Er hob dabei die furchtbare Waffe hoch.
Nun saß ich fest. Die Drohung mit dem Kopfabschlagen ist ernst. Was schiert sich der Indianer darum, wenn er mich umbringt. Er verkriecht sich im Dschungel. Wird er gefangen und ohne Gerichtsverhandlung vor die Gewehre der Soldaten gestellt, so nimmt er das mit Gleichmut hin. Dann hat er eben Pech gehabt. Augenblicklich ist er verzweifelt und macht sich keine Gedanken über die Folgen.