Nach langem Suchen fand ich in einer Kiste die Medikamente. Ich nahm eine Binde heraus, Baumwolle und Salbe.
Als ich mich nun dem Manne näherte, ihm die Binde anzulegen, trat er zwei Schritte zurück und sagte: „Das ist nutzlos. Es sind die Schweine, die ich fürchte und die mir Qualen bereiten, nicht die Wunde, die ich kaum beachte. Diese Wunde ist für mich nur das Zeichen dessen, was noch folgen wird.“
Auf seine Weigerung nicht achtend, langte ich energisch nach seinem Bein. Aber ich tappte in die leere Luft. Etwas verwirrt schaute ich auf, und ich nahm wahr, daß der Mann noch einen Schritt weiter zurückgegangen war. Lächerlich, wie leicht man sich täuschen läßt; ich konnte schwören, daß meine zupackende Hand an derselben Stelle gewesen war, wo sein Bein stand.
Ich gab meinen ärztlichen Beistand auf und ging zum Tisch, wo ich stehenblieb und ihn beobachtete.
„Das sind ganz wundervolle Schmucksachen, die Sie da tragen,“ sagte ich. „Wo haben Sie die erhalten?“
„Mein Neffe hängte sie über mich, als ich ihn verlassen mußte.“
„Scheinen sehr alt zu sein. Antike Arbeit.“
„Sind sehr alt,“ bestätigte er. „Sie gehören zum Schatze meiner königlichen Familie.“
Ich konnte es nicht vermeiden, ein wenig zu lächeln, was er aber nicht zu bemerken schien, oder er war zu höflich, es zu sehen. Spaßhafte Leutchen, diese Indianer. In Lumpen gekleidet, wohnend in elenden Palmhütten, selten im Besitz der paar notdürftigen Münzen, um sich rohes Leder für Sandalen zu kaufen, tragen sie dennoch Diamantringe an den Fingern.
Wieder begann ich nüchterne Wirklichkeit und den Inhalt der Bücher, die mich in Atem hielten, miteinander zu verwirren. „Mein Neffe gab sie mir.“ Aber das war ja ein Brauch bei den Azteken, bei den Panukesen, bei vielen andern indianischen Völkern, wo nie der Sohn, sondern der Bruder oder der Neffe der Thronerbe war. So ging das nicht weiter. Ich mußte unter Menschen gehen; die Einsamkeit des tropischen Busches bekam mir nicht, ganz besonders nicht, wenn ich nichts tat als derartige Bücher zu lesen.