Ein Frösteln lief mir über den Nacken, als ich, zur Seite blickend, meinen indianischen Besucher im Zimmer stehend fand, mich schweigend aber unverwandt beobachtend.
Dieses Gefühl des Unbehagens aber verflog sofort, weil mich die Wut packte, die zu verbergen ich mich keineswegs bemühte, als ich den Mann fragte: „Wie sind Sie denn hier hereingekommen? Was denken Sie sich denn eigentlich, daß Sie sich solche Freiheiten erlauben? Das ist doch hier kein öffentliches Gebäude. Das ist ein Privathaus, verstehen Sie? Und ich wünsche, daß Sie es als ein Privathaus respektieren. Was, zum Teufel, wollen Sie denn eigentlich? Wenn Sie einen Schweinehirten suchen, dann schauen Sie sich doch woanders um.“
Ich polterte die Sätze heraus, mehr um mein Sicherheitsgefühl wiederzugewinnen, und jenes Frösteln loszuwerden, als um dem Mann wehe zu tun.
Er starrte mich an mit weit geöffneten Augen und mit einem Ausdruck des Gesichts, als müsse er vorsichtig den Sinn meiner Sätze erst ergründen, ehe er darauf antworten könne. Dann sagte er: „Auch ich fürchte Schweine. Sie sind so grauenhaft! Oh, so sehr grauenhaft!“
Kurz angebunden erklärte ich: „Das geht mich nichts an. Schlagen Sie die Biester tot und kochen Sie Fett daraus, wenn sie Ihnen unbequem sind. Aber lassen Sie mich nun endlich damit in Ruhe.“ Ich sah ihm ins Angesicht. Seine Augen blickten so traurig, daß ich plötzlich heißes Mitgefühl mit ihm empfand.
„Sehen Sie her, o Herr!“ Er deutete auf seine Wade.
Gräßlich! Einige Zoll über dem Knöchel befand sich eine furchtbar aussehende Wunde.
„Das haben die Schweine getan.“ Durch seine Stimme klang jetzt ein Ton, der mich fast zum Weinen gezwungen hätte. Mein übermüdetes Gehirn begann sich zu rächen.
„O, grauenhaft! O, grauenhaft! Und gleichzeitig zu wissen, daß man ganz hilflos ist, daß man sich nicht einmal gegen solch wüstes Getier schützen kann. Flehen Sie alle Schicksalsmächte an, daß Ihnen nicht ein gleiches Los beschieden werde. Es wird nicht lange währen, und diese entsetzlichen Tiere werden an meinem Herzen nagen, und sie werden mir die Augen ausfressen, bis jener Tag des Grausens kommen wird, wo sie mein Hirn schlürfen werden. Oh, Herr und Freund, bei allem, was Ihnen heilig ist, helfen Sie mir, erretten Sie mich aus meiner namenlosen Pein. Ich leide mehr, als ein Mensch ertragen kann. Was mehr noch kann ich sagen, um Sie von meinen Qualen zu überzeugen?“
Nun endlich wußte ich, was der Zweck seines Besuches war. Der Mann glaubte, ich sei der Doktor. Es war allgemein bekannt, daß der Doktor nicht praktizierte; da aber der nächste Arzt etwa fünfundachtzig Meilen entfernt wohnte, leistete Doktor Wilshed auf Verlangen in sehr dringenden Fällen erste Hilfe. Augenscheinlich litt der Mann entsetzliche Schmerzen.