In kürzerer Zeit, als ich je gedacht hatte, lag ich in festen Banden jener Bücher. Sie hielten mich so gefesselt, daß ich vergaß, mir mein Essen zu kochen. Ich trank die Milch, wie ich sie molk, und schluckte die Eier roh, um nur keine Zeit für meine Bücher zu verlieren. Den ganzen Tag, während die Sonne herunterglühte und man sich wie in einem Backofen fühlte, und mehr als die halbe Nacht saß ich über den Bänden, von der Furcht gejagt, der Doktor könnte zurückkommen, ehe ich die Bücher zu Ende gelesen hätte.

War es möglich, daß Menschen und Völker dieser Art hier auf dieser Erde, wo ich jetzt stand, gelebt, geliebt und gelitten hatten? Konnte es wirklich wahr sein, daß auf diesem Kontinent Menschen und Völker von hoher Kultur gelebt hatten sechstausend Jahre vor jener dunklen Fabelzeit, die wir als den Anfang der menschlichen Geschichte bezeichnen?

Von nun an betrachtete ich das Land mit andern Augen als vorher. Wenn ein Indianer zufällig vorüberkam oder vor dem Hause um einen Trunk Wasser bat, dann forschte ich sorgfältig in seinem Antlitz nach einer Ähnlichkeit mit jenen alten Königen, Fürsten und Häuptlingen, deren Bilder ich in den Büchern gesehen hatte. Und in der Tat, ich fand überraschende Ähnlichkeiten. Jedoch nicht zufrieden damit, ihre Gesichter, ihre Gesten, die Art ihres Ganges, den Tonfall ihrer Stimme zu studieren, begann ich, die Leute gelegentlich auszufragen. Ich war nicht wenig erstaunt, als ich vernahm, daß diese Leute die Vergangenheit ihres Volkes gut kannten, daß sie die Geschichte ihres Volkes, ihre Balladen, die Taten großer Männer, ihre Religionslegenden durch mündliche Überlieferung von Generation zu Generation erhalten hatten. Viele jener Indianer beteten noch ihre alten Götter an, während alle übrigen die Hunderte von Heiligen, die ihnen ganz unbegreiflich erscheinende unbefleckte Empfängnis, sowie die ihnen ebenso unverständliche Dreieinigkeit derart mit ihrer alten Religion verwirrt hatten, daß sie in ihren Herzen und ihren Vorstellungen die alten Götter hatten, während sie auf den Lippen die Namen der unzähligen Heiligen trugen.

Die Begegnung im Busch

Um mich ein wenig wieder in dieser Welt zurechtzufinden, mein Hirn ein wenig zu entlasten und meine Beine nicht steif werden zu lassen, machte ich mich eines Morgens auf den Weg, um eine lange Wanderung durch den Busch zu unternehmen.

In weiter Tiefe des Busches, in einer Umgebung, die wegen der Entfernung von jeglicher menschlichen Behausung und wegen der Abgelegenheit selbst von den primitiven Buschpfaden beklemmend unheimlich wirkte, traf ich einen Indianer an, der dort Holzkohle brannte. Ich würde nie an jene Stelle gekommen sein, wenn ich nicht Rauch hätte aufsteigen sehen, dessen Ursache ich finden wollte.

Es war gewiß ein hartes Leben, das dieser Mann führte. Wochenlang in der Tiefe des Busches lebend, ganz allein, unzähligen Gefahren ausgesetzt, um einige Ladungen Holzkohle abliefern zu können, die er auf seinem Esel zu den weitverstreuten Siedlungen schleppte.

Der Indianer saß vor dem rauchenden Erdhügel und starrte bewegungslos den ruhig aufsteigenden Rauchfähnchen nach. Er war ein schmächtiger Mann, dem man aber achtunggebietende Kräfte zugestehen durfte; denn die Ebenholzbäume zu fällen und sie für den Verkohlungshügel zuzuhacken, verlangt alles an Kraft, was ein Mensch hergeben kann, und diese harte Arbeit in tropischer Sonnenglut zu verrichten, setzt eine Zähigkeit des Körpers voraus, die eine schwächliche oder untergehende Rasse nicht aufbringen könnte.

Was mir an diesem Manne eigentümlicherweise sofort auffiel, war der merkwürdig traurige Ausdruck seiner Augen und die feine Gliederung seiner schönen, schmalen Hände, deren rassiger Bau so ehern unverwüstlich war, daß die harte Arbeit des Holzfällens ihre edle Form nicht beeinflussen konnte. Er trug einen dünnen Schnurrbart und am Kinn dünne Flusen, die er wahrscheinlich für einen Vollbart hielt.

Ich setzte mich zu ihm nieder, gab ihm Tabak, und wir kamen nach und nach ins Erzählen.