So machte ich mich denn bei Sonnenuntergang auf den Weg, um noch vor der Nacht, die unheimlich rasch hereinbricht, bei dem Nachbar zu sein.

Seine Hütte lag auf demselben Höhenzuge, auf dem meine Höhle lag, aber er wohnte noch abgeschiedener im Dschungel als ich. Warum er sich wohl so tief verkrochen haben mochte?

Der Platz war idyllisch. Etwa zwanzig riesige Bäume standen über die Buschlichtung verstreut, die eine Art Hochfläche bildete, von der aus man weit über das flache Dschungelland blicken konnte. Die Bäume hatten meterlange graue Moosbärte. Sie sahen aus wie sehr lustige und vergnügte alte Herren.

Zwei Indianer mit ihren Frauen waren schon da. Nachdem die sehr höfliche Begrüßung vorüber war, wurde ich aufgefordert, in die Hütte zu kommen und zu Abend zu essen. Es gab schwarze Bohnen, Tortillas und schwarzen Kaffee.

Inzwischen kamen weitere Gäste, nur Indianer. Ich war der einzige Weiße und war nur deshalb eingeladen worden, weil ich ein Mitbewohner dieses wilden Dschungelbezirks war.

Die Indianer kamen auf Pferden, Eseln oder Maultieren geritten. Viele hatten keine Sättel, sondern nur eine Matte. Alle brachten ihre Frauen und Kinder mit. Manchmal saßen Mann, Frau und drei Kinder auf demselben Pferde, während die Frau noch einen Säugling im Arm hielt. Die Indianerfrauen sitzen nur in seltenen Fällen, wenn es gar nicht anders geht, nach Männerart auf dem Pferde. In einem umgehängten Basttäschchen hatten sie Tortillas, falls sie Hunger bekommen sollten, denn getanzt wird bis Sonnenaufgang. Tortillas sind kleine dünne Pfannküchelchen aus Mais, der auf einem Stein zerrieben wird. Anderes Brot mögen die Indianer nicht essen.

In einem Sack hatten die Frauen ihre Musselinkleider und Halbschuhe aus Lackleder mit hohen Absätzen. Bei der Ankunft waren sie entweder barfuß oder hatten schlichte Sandalen an, und gekleidet waren sie in billigen Kattunkleidern.

Sobald sie von den Reittieren abgesessen waren, verkrochen sie sich in einen Winkel der Hütte oder hinter die Hütte und zogen sich um. Dann wuschen sie sich noch einmal, wobei sie eine stark nach Patschuli und Moschus riechende Seife benutzten, lösten ihr langes rabenschwarzes Haar und kämmten es eine halbe Stunde lang durch. Nachdem sie Blumen hineingesteckt hatten, ließen sie es während der ganzen Nacht offen.

Der Vollmond war glänzend aufgegangen. Mit majestätischer Ruhe glitt er über den sternbesäten Nachthimmel.

Nach und nach kamen die Frauen hervor, an ihren dünnen Gewändern die Falten herunterstreichend. Sie fühlten sich zuerst ein wenig fremd in den modischen Festkleidern, die kurz waren, kurze Ärmel hatten und Hals und Nacken frei ließen.