Manche der Frauen waren kaum vierzehn oder fünfzehn Jahre alt, hatten aber schon ihre Säuglinge bei sich. Die keine hatten, hofften, bald welche zu bekommen.

Der Gastgeber hatte einige Bretter über morsche Kisten gelegt, damit die Damen sitzen konnten. Die Männer standen schwatzend herum. Sie hatten sich nicht umgekleidet, weil sie nichts zum Umkleiden besaßen. Sie trugen ihre üblichen gelben oder blauen Zwirnhosen, ein weißes oder farbiges Hemd ohne Kragen, Sandalen oder Straßenstiefel und ihren großen spitzen Strohhut. Jacken oder Westen hatten sie nicht. An deren Stelle hatten manche von ihnen braune oder rote Wolldecken mitgebracht, denn die Nächte werden oft kühl.

Die Frauen hatten große, schwarze Baumwolltücher, die sie um die Schultern legten. Diese Tücher dienen als Hut, als Schleier, als wärmendes Umschlagtuch, häufig auch als Taschentuch und als Windel für die Säuglinge und zusammengefaltet als Kopfkissen, wenn die schweren Wassereimer vom Fluß heraufgeschleppt werden müssen.

Die Musiker hatten gleichfalls ihre Bohnen und ihren Kaffee bekommen. Darauf drehten sie sich eine Zigarette, und als sie aufgeraucht war, begannen sie zu spielen. Mein Nachbar spielte vorläufig noch nicht, er wollte erst tanzen. Denn er hatte eine sehr hübsche Frau, die von allen am elegantesten gekleidet war. Sie war noch keine zwanzig Jahre alt, hatte aber schon drei Kinder. Ihr ältester Sohn war fünf Jahre alt. Im Laufe der Nacht zeigte er sich als ausgezeichneter Solotänzer und Zigarettenraucher. Seine Mutter war die einzige Person unter allen Anwesenden, die nicht rauchte. Sonst rauchte alles, was mehr als drei Jahre alt war.

Als die Musik zu spielen begann, wurde sofort losgetanzt. Das Zögern und Zieren, das die erste Stunde einer Tanzfestlichkeit oft wie eine Begräbnisfeierlichkeit erscheinen läßt, kennen diese Leute nicht. Man ist gekommen, um zu tanzen, also wird getanzt. Ihnen ist Tanzen keine Verführung, noch viel weniger etwas, das sich mit der Würde eines Menschen nicht verträgt. Es waren Frauen da mit ihren Kindern und mit ihren Enkelkindern, die auch schon wieder Kinder erwarteten, während die werdende Urgroßmutter selbst noch einen Säugling an der Brust liegen hatte. Und diese lebenstrotzende Urgroßmutter tanzte nicht weniger oft und nicht weniger reizvoll als die fünfzehnjährigen Frauen und Mädchen.

Die Frauen säugten ihre Kleinen, ohne irgendwelche Scham dabei zu zeigen. Das geschah so natürlich, so unverhüllt, als ob einem Kind eine Milchflasche gereicht würde. Hatten sich die Kleinen sattgetrunken, dann wurden sie in das schwarze Baumwolltuch gehüllt, auf die Erde gelegt und unter die Bank ein wenig nach hinten geschoben, damit man sie nicht mit den Absätzen der Schuhe treffen konnte. Die Kleinen schliefen dann ruhig drauflos bis gegen Mitternacht, dann meldeten sie sich wieder und fanden abermals reichliche Milchvorräte vor, obwohl die Mütter keinen Tanz versäumt hatten.

Weiß man, was auf dem Erdboden im tropischen Dschungel, auch wenn er gelichtet ist, besonders zur Nachtzeit, herumkriecht, so überläuft es einen eiskalt, wenn man die kleinen Würmchen auf der Erde liegen und schlafen sieht. Aber der Indianer macht sich solche Gedanken nicht. Wenn dem Kind etwas zustößt, so ist es eben ein unvermeidliches Unglück, das man aus tiefster Seele beklagt und beweint.

Die größeren Kinder tummelten sich eine Weile herum, dann wurden sie müde, legten sich auf die blanke Erde neben die Säuglinge, zogen die Knie so hoch sie konnten und schliefen wie kleine Ratten. Wenn der Vater eine Decke hatte, wurde das Kind eingewickelt, bis das nächstältere müde ankam, um hinzugewickelt zu werden. War keine Decke da, dann mußte die zerfetzte Reitmatte genügen.

Bis gegen neun Uhr kamen immer weitere Gäste angeritten. Auf mich machte es immer einen seltsamen Eindruck, wenn plötzlich eine Indianerin mitten in der Musik oder im Tanzen anhielt, einige Sekunden in die Nacht hinauslauschte und dann sagte: „Es kommt wieder ein Paar. Wer mag es sein?“

Nach einiger Zeit erschien das angekündigte Paar. Sehen konnte man die Ankömmlinge nicht, hören noch viel weniger, denn ringsum war alles dichter Busch. Aber die Gabe der Wahrnehmung aus der Ferne ist bei einigen Stämmen sehr stark ausgebildet.