Die Preston anvertrauten Papiere.

Preston hatte von seinen Freunden ein Packet bekommen, das mehrere wichtige Papiere enthielt. Darunter befand sich eine Liste der englischen Flotte, von Dartmouth angefertigt, der mit einigen seiner alten Waffengefährten in Verbindung stand, ein Protokoll über die Beschlüsse, welche bei der Zusammenkunft der Verschwörer angenommen worden waren, und die Hauptpunkte einer Erklärung, deren Veröffentlichung man für wünschenswerth hielt, sobald Jakob gelandet sein würde. Außerdem befanden sich sechs bis sieben Briefe von angesehenen Personen der jakobitischen Partei darunter. Die meisten von diesen Briefen waren Parabeln, aber Parabeln, die nicht schwer zu verstehen waren. Ein Verschwörer bediente sich des juristischen Styls. Es sei Hoffnung vorhanden, daß Mr. Jackson bald wieder in den Besitz seines Gutes gelangen werde. Der neue Gutsherr sei ein harter Mann und habe seine Pächter gegen sich aufgebracht. Eine Kleinigkeit werde die Besitzung von ihrem Joche erlösen. Die Ansicht der besten Advokaten sei zu Gunsten Mr. Jackson’s. Es bedürfe weiter nichts als seines persönlichen Erscheinens in Westminster Hall. Die Schlußverhandlung müsse noch vor Ablauf des Ostertermins stattfinden. Andere Briefschreiber affectirten den kaufmännischen Geschäftsstyl. Es sei starke Nachfrage nach einer Ladung von der rechten Sorte. Man habe Grund zu hoffen, daß die alte Firma bald vortheilhafte Verbindungen mit Häusern anknüpfen werde, mit denen sie bisher keine Geschäfte gemacht habe. Dies war offenbar eine Anspielung auf die mißvergnügten Whigs. Aber, hieß es weiter, die Verladungen dürften nicht verzögert werden. Nichts sei gefährlicher als den Markt zu lange warten zu lassen. Wenn die erwarteten Güter nicht bis zum 10. März einträfen, sei der ganze Gewinn des Jahres verloren. Bezüglich der Details könne man dem vortrefflichen Geschäftsführer, welcher das Schreiben überbringe, volles Vertrauen schenken. Clarendon spielte die Rolle eines Ehestifters. Es sei große Hoffnung, daß das Geschäft, welches er eingeleitet, zu Stande kommen und daß die Aussteuer gut angelegt werden würde. „Ihre Verwandten,” schrieb er in Anspielung auf seine kürzliche Haft, „haben mir vorigen Sommer hart zugesetzt; aber sobald ich wieder ohne Gefahr ausgehen konnte, betrieb ich das Geschäft.” Katharine Sedley vertraute Preston einen Brief an, in welchem sie sich ohne Allegorie oder Umschreibung beklagte, daß ihr Geliebter ihr eine Tochter zurückgelassen habe, die sie erhalten müsse, und dringend um Geld bat. Die beiden wichtigsten Depeschen aber waren vom Bischof Turner. Sie waren an Mr. und Mrs. Redding gerichtet, aber in einem Tone geschrieben, der jedem Andren als einem Könige gegenüber eines Gentleman unwürdig gewesen wäre. Der Bischof versicherte Ihren Majestäten, daß er ihrer Sache treu ergeben sei, daß er dringend eine wichtige Gelegenheit herbeiwünsche, um seinen Eifer beweisen zu können und daß er von seiner Pflicht gegen sie eben so wenig abweichen werde, wie er seiner Hoffnung auf den Himmel entsagen könne. In zwar bildlicher, aber vollkommen verständlicher Sprache setzte er hinzu, daß er das Organ mehrerer eidverweigernder Prälaten und speciell Sancroft’s sei. „Ich spreche im Plural, Sir,” — dies sind die Worte des an Jakob gerichteten Briefes, — „weil ich sowohl die Gesinnungen meines älteren Bruders wie auch meine eigenen und die aller übrigen Mitglieder unsrer Familie ausdrücke.” Der Brief an Marie von Modena ist in demselben Sinne gehalten. „Ich sage dies im Namen meines älteren Bruders und aller meiner übrigen nächsten Verwandten, wie in meinem eigenen Namen.”[136]

Sämmtliche Preston anvertraute Briefe verwiesen den Hof von Saint-Germains wegen näherer Auskunft an den Ueberbringer. Er hatte eigenhändig geschriebene Notizen bezüglich der Gegenstände bei sich, über die er mit seinem Gebieter und mit den Ministern Ludwig’s sprechen wollte. Diese Notizen, obwohl kurz und flüchtig, sind größtentheils nicht schwer zu verstehen. Die verwundbaren Punkte der Küste sind erwähnt. Gosport ist nur durch Pallisaden geschützt. Die Besatzung von Portsmouth ist klein. Die französische Flotte muß im April auslaufen und losschlagen, bevor die Holländer im Kanal sind. Es kommen einige abgebrochene Worte vor, aus denen sich klar ergiebt, daß wenigstens einige von den eidverweigernden Bischöfen eine Unwahrheit sagten, als sie vor Gott erklärten, daß sie den Gedanken, die Franzosen herüber zu rufen, verabscheuten.[137]

Caermarthen von dem Complot unterrichtet.

Alles war jetzt zu Preston’s Abreise bereit. Aber in dem Eigenthümer des „Jakob und Elisabeth” war der Verdacht aufgestiegen, daß die Expedition, zu deren Behufe seine Schmacke gemiethet worden, mehr politischer als commercieller Natur sein könne. Es fiel ihm ein, daß er durch Denuncirung seiner Passagiere vielleicht mehr verdienen werde als durch sichere Beförderung derselben. In Folge dessen benachrichtigte er den Lordpräsidenten von dem Vorgange. Keine Nachricht konnte diesem willkommener sein. Er sah zu seiner großen Freude, daß es in seiner Macht stand, einen glänzenden Beweis von seiner Anhänglichkeit an die Regierung zu geben, welche zu verrathen seine Feinde ihn beschuldigten. Mit gewohnter Energie und Umsicht traf er seine Maßregeln. Sein ältester Sohn, der Earl von Danby, ein verwegener, sorgloser und etwas excentrischer junger Mann, der ein großer Freund des Seelebens war und viel mit Seeleuten umging, besaß eine kleine Yacht von außerordentlicher Schnelligkeit. Dieses Fahrzeug wurde, wohl bemannt, unter das Commando eines zuverlässigen Offiziers, Namens Billop gestellt und stromabwärts gesandt, wie um Matrosen zu pressen.

Verhaftung Preston’s und seiner Begleiter.

Mitten in der Nacht, der letzten Nacht des Jahres 1690, begaben sich Preston, Ashton und Elliot unweit des Tower an Bord ihrer Schmacke. Sie waren in großer Angst, daß sie entweder von einer vor Woolwich liegenden Fregatte oder von der beim Blockhause von Gravesend postirten Wache angehalten und durchsucht werden möchten; als sie aber die Fregatte und das Blockhaus hinter sich hatten, ohne angerufen worden zu sein, faßten sie wieder Muth; sie bekamen starken Appetit, packten einen mit Roastbeef, Fleischpasteten und Weinflaschen wohlgefüllten Korb aus und hatten sich eben zur Sylvestermahlzeit niedergesetzt, als ihnen gemeldet wurde, daß ein von Tilbury her kommendes Schiff sie verfolge. Sie hatten kaum Zeit gehabt, sich in einer dunklen Höhlung unter dem Kies, den ihr Schiff als Ballast mit sich führte, zu verbergen, als die Jagd schon vorüber war und Billop an der Spitze eines Militärpikets an Bord kam. Die Luken wurden geöffnet, die Verschwörer festgenommen und ihre Kleider genau untersucht. Preston hatte in der Bestürzung sein Amtssiegel und das ihm anvertraute Packet auf den Kies fallen lassen. Das Siegel wurde da gefunden wohin es gefallen war. Ashton, der die Wichtigkeit der Papiere kannte, hob sie auf und versuchte sie zu verbergen; aber sie wurden bald auf seiner Brust entdeckt.

Die Gefangenen versuchten nun, Billop für sich zu gewinnen und zu bestechen. Sie ließen Wein bringen, stießen mit ihm an, lobten sein cavaliermäßiges Benehmen und versicherten ihm, daß, wenn er sie begleiten oder ihnen nur gestatten wolle, eine kleine Papierrolle über Bord in die Themse zu werfen, sein Glück gemacht sei. Die politische Fluth, sagten sie, sei im Fallen begriffen, die Dinge könnten nicht so fortgehen wie bisher und es stehe in der Macht des Kapitains so hoch zu steigen und so reich zu werden als er es nur wünschen könne. Billop aber blieb, obwohl sehr artig, unbeugsam. Die Verschwörer begannen nun einzusehen, daß ihre Hälse in großer Gefahr schwebten. Der Drang der Noth brachte den wahren Character aller Drei, der unter anderen Umständen vielleicht für immer unbekannt geblieben wäre, ans Tageslicht. Preston hatte jederzeit für einen muthigen und tapferen Cavalier gegolten; aber die nahe Aussicht auf Kerker und Galgen raubte ihm alle Energie; Elliot tobte und lästerte, schwur hoch und theuer, daß, wenn er je wieder frei würde, er sich rächen wolle, und rief unter entsetzlichen Flüchen den Donner des Himmels an, daß er die Yacht treffen, und die Londonbrücke, daß sie einstürzen und das Fahrzeug zerschmettern möge. Ashton allein benahm sich wie ein Mann.

Spät am Abend erreichte die Yacht die Treppe von Whitehall, und die Gefangenen wurden unter starker Bedeckung in das Staatssekretariat gebracht. Nottingham und Caermarthen untersuchten noch diese Nacht die auf Ashton’s Brust gefundenen Papiere und Caermarthen händigte dieselben am folgenden Morgen dem Könige ein.