Während seine kleine Flotte im Texel hin und her getrieben wurde, lagen die holländischen Behörden mit einander im Streit. Auf der einen Seite standen die Generalstaaten und der Prinz von Oranien, auf der andren der Magistrat und die Admiralität von Amsterdam.
Skelton hatte den Generalstaaten ein Verzeichniß derjenigen Flüchtlinge übergeben, deren Aufenthalt in den Vereinigten Provinzen seinem Gebieter Besorgnisse einflößte. Die Generalstaaten, welche dringend wünschten, jedes billige Verlangen Jakob’s zu erfüllen, sandten Abschriften der Liste an die Provinzialbehörden, und diese wieder an die Municipalbehörden. Sämmtlichen Stadtmagistraten wurde bedeutet, daß sie die erforderlichen Maßregeln ergreifen sollten, um die geächteten Whigs zu verhindern, die englische Regierung zu beunruhigen. Im Allgemeinen wurde diesen Befehlen Folge geleistet, und besonders in Rotterdam, wo der Einfluß Wilhelm’s Alles vermögend war, wurde eine Thätigkeit entwickelt, welche Jakob zu dankbarer Anerkennung veranlaßte. Allein der Hauptsitz der Emigranten war Amsterdam, und die Regierungsbehörde dieser Stadt wollte nichts sehen, nichts hören und nichts wissen. Der Schultheiß, der selbst in täglichem Verkehr mit Ferguson stand, berichtete nach dem Haag, daß er nicht einen einzigen von den Flüchtlingen zu finden wisse, und die Bundesregierung mußte sich mit dieser Entschuldigung begnügen. In Wirklichkeit aber waren die englischen Verbannten in Amsterdam allgemein bekannt und wurden auf den Straßen ebenso angestaunt, als wenn sie Chinesen gewesen wären.[38]
Wenige Tage darauf erhielt Skelton von seinem Hofe den Befehl, darum anzusuchen, daß in Betracht der Gefahren, welche dem Throne seines Gebieters drohten, die drei im Dienste der Vereinigten Provinzen stehenden schottischen Regimenter unverzüglich nach Großbritannien zurückgesandt werden sollten. Er wendete sich an den Prinzen von Oranien, und dieser übernahm die Erledigung dieser Angelegenheit, sagte aber voraus, daß Amsterdam einige Schwierigkeiten machen würde. Seine Besorgniß erwies sich als gegründet. Die Deputirten von Amsterdam verweigerten ihre Zustimmung und es gelang ihnen, eine Verzögerung herbeizuführen; aber die Frage war nicht eine von denen, hinsichtlich derer nach der Verfassung der Republik eine einzelne Stadt die Verwirklichung des Wunsches der Mehrheit verhindern konnte. Wilhelm’s Einfluß überwog und die Truppen wurden mit großer Eil eingeschifft.[39]
Zu gleicher Zeit bemühte sich Skelton, allerdings mit geringer Einsicht und Mäßigung, die von den Flüchtlingen ausgerüsteten Schiffe zurückzuhalten. Er beschwerte sich in heftigen Ausdrücken bei der Admiralität von Amsterdam. Die Nachlässigkeit der Behörde, sagte er, habe schon eine Horde von Rebellen in den Stand gesetzt, einen Einfall in Großbritannien zu machen, ein zweiter derartiger Fehler sei durch nichts zu entschuldigen, und er verlangte mit peremptorischer Bestimmtheit, daß ein großes Schiff, der „Helderenbergh“, zurückgehalten werden solle. Dieses Schiff war angeblich nach den Canarischen Inseln bestimmt, wahrend es thatsächlich von Monmouth ausgerüstet war, sechsundzwanzig Kanonen führte und Waffen und Munition geladen hatte. Die Admiralität von Amsterdam erwiederte, daß die Freiheit des Handels und der Schifffahrt geringfügiger Gründe wegen nicht beschränkt und der „Helderenbergh“ nicht ohne Befehl der Generalstaaten zurückgehalten werden könnte. Skelton, dessen unveränderliche Art es gewesen zu sein scheint, Alles beim unrechten Ende anzugreifen, wendete sich nun an die Generalstaaten, und diese erließen die nöthigen Befehle. Jetzt aber gab die Amsterdamer Admiralität vor, es sei keine hinreichende Seemacht im Texel, um sich eines so großen Schiffes, wie des „Helderenbergh“ bemächtigen zu können, und ließ Monmouth ungehindert absegeln.[40]
Das Wetter war schlecht, die Reise lang und mehrere englische Kriegsschiffe kreuzten im Kanal. Aber Monmouth entging dem Meere und dem Feinde. Als er bei den Klippen von Dorsetshire vorüberkam, wurde es für wünschenswerth erachtet, ein Boot mit einem der Flüchtlinge, Namens Thomas Dare, ans Ufer zu schicken. Dieser Mann hatte trotz seiner niedrigen Denkungsart und seines gemeinen Wesens in Taunton großen Einfluß. Er erhielt die Weisung; durch das Land nach dieser Stadt zu eilen und seinen Freunden anzukündigen, daß Monmouth bald auf englischem Boden sein werde.[41]
[38.] Skelton’s Schreiben ist vom 7.(17.) Mai 1686. Es findet sich nebst dem Briefe des Schout oder Schultheißen von Amsterdam in einer kleinen Schrift, die einige Monate später erschien unter dem Titel: Histoire des Evènemens Tragiques d’Angleterre. Die in diesem Werke angeführten Actenstücke sind, so weit ich sie geprüft habe, genau aus den holländischen Archiven mitgetheilt, nur mit der Ausnahme, daß Skelton’s ziemlich unreines Französisch ein wenig verbessert ist. Siehe auch Grey’s Narrative.
Goodenough sagte in seinem Verhöre nach der Schlacht von Sedgemoor: „Der Schout von Amsterdam war ein besondrer Freund dieses letzten Planes“. Lansdowne MS. 1152.
Es ist nicht der Mühe werth, die Schriftsteller zu widerlegen, welche den Prinzen von Oranien als an Monmouth’s Unternehmung betheiligt darstellen. Sie stützen sich dabei besonders auf dem Umstand, daß die Behörden von Amsterdam keine energischen Schritte thaten, um das Absegeln der Expedition zu verhindern. Dieser Umstand ist aber gerade der stärkste Beweis, daß das Unternehmen von Wilhelm nicht begünstigt wurde. Wer nicht gänzlich unbekannt ist mit den Institutionen und der Politik Hollands, wird den Statthalter für die Handlungen der Oberhäupter der Loevestein’schen Partei nicht verantwortlich halten.
[39.] Avaux, Neg. June 7.(17.), 8.(18.), 14.(24.) 1685.; Brief des Prinzen von Oranien an Lord Rochester vom 9. Juni 1685.
[40.] Citters, 9.(19.) und 12.(22.) Juni 1685. Die Korrespondenz Skelton’s mit den Generalstaaten und der Admiralität von Amsterdam befindet sich in den Archiven im Haag. Einige Briefe findet man in den Evènemens Tragiques d’Angleterre. Siehe auch Burnet I. 640.