Während der Untersuchung sowohl als noch bei der Hinrichtung sprach er vom Meuchelmorde mit dem Abscheu, der einem guten Christen und einem tapfren Soldaten ziemt. Er betheuerte auf das Wort eines dem Tode verfallnen Mannes, daß er nie den Gedanken gehegt habe, eine solche Schändlichkeit zu verüben. Aber er gestand offen, daß er im Gespräch mit seinen Mitverschworenen sein eignes Haus als einen Ort bezeichnet habe, wo Karl und Jakob mit Vortheil angegriffen werden könnten, und daß zwar viel über die Sache debattirt, doch nichts beschlossen worden sei. Es mag auf den ersten Anblick scheinen, als ob dieses Geständniß mit seiner Erklärung, daß er den Meuchelmord stets verabscheut habe, unvereinbar wäre; aber er ließ sich hierbei durch eine Unterscheidung täuschen, welche viele seiner Zeitgenossen irre leitete. Nichts hatte ihn dazu bewegen können, in die Speisen der beiden Fürsten Gift zu werfen, oder sie im Schlafe zu erdolchen; aber einen unvermutheten Angriff auf die den königlichen Wagen umgebenden Leibgarden zu machen, Schwerthiebe und, Pistolenschüsse zu wechseln und es darauf ankommen zu lassen, ob man tödten oder getödtet werden würde, dies war in seinen Augen eine durchaus loyale militärische Operation. Hinterhalte und Überrumpelungen gehörten zu den gewöhnlichen Vorfällen eines Kriegs. Jeder alte Soldat, Kavalier oder Rundkopf, war bei solchen Unternehmungen betheiligt gewesen. Fiel der König in dem Gefecht, so fiel er im ehrlichen Kampfe und nicht durch Mörderhand. Ganz das nämliche Raisonnement stellten nach der Revolution Jakob selbst und seine tapfersten und ergebensten Anhänger auf, um einen ruchlosen Anschlag gegen das Leben Wilhelm’s III. zu rechtfertigen. Ein Trupp Jakobiten wurde abgesandt, um den Prinzen von Oranien in seinem Winterquartiere anzugreifen. Der geheime Sinn dieser ganz unverfänglich klingenden Redensart war, daß dem Prinzen auf der Fahrt von Richmond nach Kensington die Kehle abgeschnitten werden sollte. Es mag auffallend erscheinen, daß solche Trugschlüsse, die Hefe der jesuitischen Casuistik, im Stande gewesen sind, Männer von heldenmüthigem Character, sowohl Whigs als Tories, zu einem Verbrechen zu verleiten, welchem die göttlichen wie die menschlichen Gesetze ganz besonders den Stempel der Verruchtheit aufgedrückt haben. Aber kein Sophismus ist so plump, daß er nicht Gemüther, welche vom Parteigeist verblendet sind, bethören könnte.[34]
Argyle, welcher Rumbold einige Stunden überlebte, gab kurz vor seinem Tode noch ein Zeugniß für die Tugenden des tapfren Engländers. „Der arme Rumbold war mir eine große Stütze und ein braver Mann, und er ist christlich gestorben.“[35]
[34.] Wodrow III. IX. 10.; Western Martyrology; Barnet, I. 633; Fox’s History, Appendix IV. Ich vermag auf keine andre als die im Texte angegebene Weise Rumbold’s Versicherung, daß er nie den Gedanken an einen Mord gehegt habe, mit seinem Geständniß, daß er selbst sein Haus als zu einem Angriff auf die königlichen Brüder passend bezeichnet habe, in Einklang zu bringen. Die Unterscheidung, die ich ihm zuschreibe, wurde auch noch von einem andren Ryehouseverschwornen gemacht, dem Kapitain Walcot, ebenfalls einem ehemaligen Soldaten der Republik. Bei Walcot’s Verhör fragte der Kronzeuge: „Ihr habt zugegeben, Kapitain, daß Ihr einer von Denen waret, welche gegen die Garden kämpfen sollten.“ — „Aus welchem Grunde wollte er denn aber den König nicht umbringen?“ fragte hierauf der Oberrichter Pemberton. „Er sagte“, antwortete West, „es sei ruchlos, einen wehrlosen Menschen zu tödten, und dies könne er niemals.“
[35.] Wodrow III. IX. 9.
Ayloffe’s Tod. [Ayloffe] zeigte keine geringere Todesverachtung als Argyle und Rumbold, nur war sein Ende für fromme Gemüther nicht so erbaulich wie das ihrige. Wenn auch politische Sympathie ihn zu den Puritanern hingezogen, so hatte er doch keine religiösen Sympathien für sie und galt auch in ihren Augen für wenig besser als ein Atheist. Er gehörte zu dem Theile der Whigs, der seine Vorbilder lieber unter den Patrioten Griechenlands und Roms, als unter den Propheten und Richtern Israels suchte. Er wurde gefangen genommen und nach Glasgow gebracht. Hier versuchte er es, sich mit einem kleinen Federmesser zu entleiben, aber obgleich er sich mehrer Wunden beibrachte, war doch keine davon tödtlich, und er hatte noch Kraft genug, um eine Reise nach London auszuhalten. Er ward vor den Geheimen Rath gestellt und vom Könige selbst verhört, war aber zu hochsinnig, als daß er sich durch Denuncirung Anderer hätte retten sollen. Unter den Whigs erzählte man sich, der König habe zu ihm gesagt: „Ihr thätet besser, wenn Ihr offen gegen mich wäret, Herr Ayloffe; Ihr wißt, daß es in meiner Macht steht, Euch zu begnadigen.“ Der Gefangne sollte hierauf sein düstres Schweigen gebrochen und geantwortet haben. „In Ihrer Macht mag es stehen, aber in Ihrem Character liegt es nicht.“ Er wurde in Gemäßheit seines früheren Ächtungsurtheils vor dem Thore des Tempels hingerichtet und starb mit stoischem Gleichmuth.[36]
[36.] Wade’s Narrative, Harl. MS. 6845; Burnet I. 634; Citters’ Depesche vom 30. Oct. (9. Nov.) 1685; Luttrell’s Diary von dem nämlichen Datum.
Verwüstung von Argyleshire. [Inzwischen] übten die Sieger eine erbarmungslose Rache an dem Volke von Argyleshire. Athol ließ viele Campbells ohne gerichtliche Untersuchung hängen und nur mit Mühe wurde er durch den Geheimen Rath verhindert, noch mehr Menschenleben zu opfern. Dreißig Meilen im Umkreise von Inverary wurde das Land verwüstet. Häuser wurden angezündet, Mühlsteine zertrümmert, Obstbäume umgehauen und selbst die Wurzelstöcke derselben verbrannt. Die Netze und Fischerböte, die einzigen Mittel, durch welche viele von den Küstenbewohnern ihren Unterhalt erwarben, wurden vernichtet, und mehr als dreihundert Rebellen und Unzufriedene nach den Colonien transportirt. Viele von ihnen wurden auch zur Verstümmelung verurtheilt. An einem einzigen Tage schnitt der Henker von Edinburg fünfunddreißig Gefangenen die Ohren ab; eine Menge Weiber wurden über das atlantische Meer geschickt, nachdem man sie mit einem glühenden Eisen auf der Wange gebrandmarkt hatte.[37] Man ging sogar mit dem Plane um, von dem Parlamente eine Acte zu verlangen, durch welche der Name Campbell geächtet werden sollte, wie achtzig Jahre früher der Name Mac Gregor geächtet worden war.
Argyle’s Unternehmung hatte im Süden der Insel wenig Aufsehen gemacht. Die Nachricht von seiner Landung traf unmittelbar vor dem Zusammentritt des englischen Parlaments in London ein. Der König erwähnte die Sache in der Thronrede, und die Häuser versicherten ihn, daß sie gegen jeden Feind zu ihm halten würden. Mehr wurde von ihnen nicht verlangt. Über Schottland hatten sie keine Gewalt, und ein Krieg, dessen Schauplatz so weit entfernt und dessen Ausgang fast von vornherein leicht vorauszusehen war, erregte in London nur geringes Interesse.
[37.] Wodrow III. IX. 4, und III. IX. 10. Wodrow führt aus den Acten des Geheimen Rathes die Namen aller der Gefangenen auf, welche transportirt, verstümmelt oder gebrandmarkt wurden.
Erfolglose Versuche, Monmouth’s Abreise von Holland zu verhindern. [Aber] eine Woche vor der schließlichen Zerstreuung von Argyle’s Armee wurde ganz England durch die Nachricht erschüttert, daß ein weit mehr zu fürchtender Mann in feindlicher Absicht an seiner eignen Küste gelandet sei. Die Flüchtlinge waren dahin übereingekommen, daß Monmouth sechs Tage nach der Abfahrt der Schotten von Holland unter Segel gehen sollte. Er hatte seine Expedition wahrscheinlich deshalb kurze Zeit aufgeschoben, weil er hoffte, daß, sobald der Krieg in den Hochlanden ausbrach, die meisten Truppen nach dem Norden gesandt werden und er daher keine zu seinem Empfange gerüstete Streitmacht vorfinden würde. Als er endlich abzusegeln wünschte, war der Wind ungünstig und heftig geworden.