In Bridport aber sammelte sich eine Streitmacht, um den Insurgenten Widerstand zu leisten. Am 13. Juni rückte das rothe Regiment der Miliz von Dorsetshire in jene Stadt ein, und das Regiment von Somersetshire oder das gelbe Regiment, dessen Oberst, Sir Wilhelm Portman, ein angesehener Tory war, wurde am folgenden Tage erwartet[47]. Der Herzog beschloß, sofort loszuschlagen. Schon rüstete sich eine Abtheilung seiner Truppen zum Aufbruch nach Bridport, da brachte ein unglücklicher Vorfall das ganze Lager in Verwirrung.
Fletcher von Saltoun war zum Befehlshaber der Reiterei unter Grey ernannt worden. Er war schlecht beritten, wie sich überhaupt wenige Pferde im Lager befanden, die nicht vom Pfluge genommen waren. Als er nach Bridport commandirt wurde, glaubte er, daß der Drang der Umstände ihn berechtige, ein Dare gehörendes schönes Pferd zu leihen, ohne erst deshalb um Erlaubniß zu fragen. Dare war entrüstet über diese Eigenmächtigkeit und überhäufte Fletcher mit groben Beleidigungen. Fletcher blieb ruhiger als Jeder, der ihn kannte, es erwartet hätte. Endlich aber wagte es Dare, auf die Geduld, mit der seine Unziemlichkeiten hingenommen wurden, pochend, gegen den hochadeligen und stolzen Schotten die Reitgerte zu erheben. Dies brachte Fletcher’s Blut zum Sieden. Er zog ein Pistol hervor und schoß Dare nieder. Eine so summarische und gewaltthätige Rache würde in Schottland nicht aufgefallen sein, wo das Gesetz von jeher schwach gewesen war, wo Derjenige, der sich nicht mit eigner Faust Recht verschaffte, wenig Aussicht hatte, überhaupt Recht zu bekommen, und wo daher ein Menschenleben fast eben so wohlfeil war, als in den am schlechtesten regierten Provinzen Italiens. Im südlichen Theile der Insel aber war das Volk noch nicht gewohnt, um eines harten Wortes oder einer heftigen Geberde willen tödtliche Waffen gebrauchen und Blut vergießen zu sehen, außer im Zweikampf unter Gentlemen mit gleichen Waffen. So erhob sich denn ein allgemeines Geschrei nach Rache gegen den Fremden, der einen Engländer ermordet habe, Monmouth konnte sich dem Verlangen nicht widersetzen und Fletcher, der, nachdem der erste Ausbruch seines Zornes sich gelegt hatte, von Reue und Angst ergriffen wurde, flüchtete sich auf den „Helderenbergh“, entkam glücklich auf das Festland und begab sich nach Ungarn, wo er tapfer gegen den gemeinsamen Feind der Christenheit focht[48].
[45.] Historical Account of the Life and magnanimous Actions of the most illustrious Protestant Prince James, Duke of Monmouth, 1683.
[46.] Wade’s Confession, Hardwicke Papers; Axe Papers; Harl. MS. 6845.
[47.] Harl. MS. 6845.
[48.] Buyse’s Aussage in der Collection of State Trials; Burnet I. 642; Ferguson’s MS., citirt von Eachard.
Zusammenstoß der Rebellen mit der Miliz in Bridport. [Bei] der Lage der Insurgenten war der Verlust eines Mannes von Talent und Energie nicht leicht zu ersetzen. Am frühen Morgen des folgenden Tages, dem 14. Juni, brach Grey in Begleitung Wade’s mit fünfhundert Mann auf, um Bridport anzugreifen. Es fand ein verworrenes und unentschieden bleibendes Gefecht statt, wie es zwischen zwei Haufen von Bauern, die von Landedelleuten und Advokaten befehligt wurden, nicht anders zu erwarten war. Eine Zeit lang drängten Monmouth’s Leute die Miliz zurück; dann aber hielt diese wieder Stand und erstere ergriffen in ziemlicher Verwirrung die Flucht. Grey und seine Reiter hielten nicht eher an, als bis sie in Lyme wieder in Sicherheit waren; Wade dagegen sammelte das Fußvolk und führte es in guter Ordnung zurück[49].
Alles murrte laut gegen Grey, und einige von den Abenteurern drangen in Monmouth, ein strenges Exempel zu statuiren. Monmouth aber wollte davon nichts hören. Einige Schriftsteller haben diese Nachsicht seiner Gutmüthigkeit zugeschrieben, die allerdings oft an Schwäche grenzte; andere vermuthen, daß er nicht hart gegen den einzigen Peer verfahren wollte, der in seiner Armee diente. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß der Herzog, der zwar kein ausgezeichneter General war, aber doch jedenfalls vom Kriege viel mehr verstand als die Priester und Advokaten, die ihm ihren Rath aufdringen wollten, Rücksichten nahm, an welche Leute, die in militairischen Angelegenheiten durchaus unerfahren sind, allerdings nie gedacht hätten. Um einem Manne, der wenig Vertheidiger gehabt hat, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, muß bemerkt werden, daß die Lord Grey während des ganzen Feldzugs zugetheilte Aufgabe von der Art war, daß er sie, selbst wenn er der kühnste und geschickteste Soldat gewesen wäre, kaum in einer Weise hätte lösen können, die ihm zum Ruhme gereichte. Er stand an der Spitze der Reiterei; es ist aber eine allbekannte Sache, daß ein Kavalerist viel längerer Übung bedarf als ein Fußsoldat, und daß ein Kavaleriepferd eine noch viel längere Schule braucht als sein Reiter. Mit einer ungeübten Infanterie, wenn sie von Begeisterung und physischem Muthe beseelt ist, kann allenfalls etwas ausgerichtet werden; aber es kann nichts Unbeholfeneres geben als eine aus Landwirthen und Handelsleuten auf Karrengäulen und Postpferden bestehende ungeübte Reiterei; und von solcher Art war die, welche Grey befehligte. Nicht darüber muß man sich wundern, daß diese Leute im Feuer nicht entschlossen Stand hielten und daß sie nicht tüchtig von ihren Waffen Gebrauch machten, sondern darüber, daß sie sich überhaupt nur im Sattel zu erhalten vermochten.
Noch immer langten Rekruten zu Hunderten an, den ganzen Tag wurde bewaffnet und einexercirt. Inzwischen hatte sich die Nachricht von dem Aufstande rasch und weit verbreitet. Noch denselben Abend, an welchem der Herzog gelandet war, schickte der Mayor von Lyme, Gregor Alford, ein eifriger Tory und ungemein heftiger Verfolger der Nonconformisten, seine Diener aus, um die Gentry von Somersetshire und Dorsetshire zu alarmiren, während er selbst zu Pferde nach dem Westen eilte. Spät in der Nacht hielt er in Honiton an und schickte von dort einige flüchtig hingeworfene Zeilen mit der schlimmen Botschaft nach London[50]. Dann eilte er weiter nach Exeter, wo er Christoph Monk, Herzog von Albemarle fand. Dieser Edelmann, der Sohn und Erbe Georg Monk’s, des Wiederherstellers der Stuarts, war Lordlieutenant von Devonshire und hielt damals gerade Musterung über die Miliz. Er hatte zur Zeit viertausend Mann zu seiner Verfügung, und mit dieser Streitmacht glaubte er den Aufstand mit einem Schlage unterdrücken zu können. Er marschirte deshalb nach Lyme.
[49.] London Gazette, June 18. 1685; Wade’s Confession; Hardwicke Papers.