[50.] Lords’ Journals, June 13. 1685.

Gefecht zwischen den Rebellen und der Miliz bei Axminster. [Als] er aber am Montag Nachmittag den 15. Juni Axminster erreichte, fand er die Insurgenten schlagfertig aufgestellt, um ihn zu empfangen. Sie zeigten ihm eine sehr achtunggebietende Fronte; vier Feldstücke waren gegen die königlichen Truppen gerichtet und die dichten Hecken, welche zu beiden Seiten die enge Straße beschatteten, waren mit Musketieren besetzt. Die Vorkehrungen des Feindes beunruhigten jedoch Albemarle weniger als der Geist, der sich in seinen eigenen Reihen zu äußern begann. Monmouth war bei dem gemeinen Volke von Devonshire so beliebt, daß die ganze Miliz wahrscheinlich in Masse zu ihm überging, sobald sie Monmouth’s wohlbekanntes Gesicht und seine Gestalt erblickte.

Albemarle hielt es daher trotz seiner großen Übermacht an Streitkräften für rathsam, sich zurückzuziehen. Der Rückzug verwandelte sich bald in wilde Flucht. Die ganze Gegend war mit den Waffen und Uniformstücken besäet, welche die Fliehenden weggeworfen hatten, und hätte Monmouth die Verfolgung mit Nachdruck betrieben, so würde er Exeter wahrscheinlich ohne Schwertstreich genommen haben. Aber er war mit dem errungenen Vorteile zufrieden und hielt es für wünschenswerth, seine Rekruten erst besser einzuüben, bevor er sie zu gewagten Unternehmungen verwendete. Er marschirte daher nach Taunton, wo er am 18. Juni, gerade eine Woche nach seiner Landung eintraf[51].

[51.] Wade’s Confession; Ferguson MS.; Axe Papers; Harl. MS. 6845; Oldmixon, 701, 702. Oldmixon, welcher damals ein Knabe war, lebte in unmittelbarer Nähe des Schauplatzes der Ereignisse.

Die Nachricht von dem Aufstande kommt nach London. [Der] Hof und das Parlament waren über die Nachrichten aus dem Westen nicht wenig erschrocken. Am Sonnabend den 13. Juni um fünf Uhr Morgens hatte der König den Brief erhalten, den der Mayor von Lyme von Honiton an ihn abgesandt. Der Geheime Rath wurde augenblicklich zusammenberufen; es wurden Befehle gegeben, daß die Infanterie­regimenter und die Reiterschwadronen verstärkt werden sollten, und Commissionen zur Aushebung neuer Mannschaften ernannt.

Loyalität des Parlaments. [Alford’s] Bericht ward den Lords vorgelegt und der wesentliche Inhalt desselben den Gemeinen mitgetheilt. Diese untersuchten die aus dem Westen angelangten Nachrichten und brachten sogleich eine Bill ein, weiche Monmouth wegen Hochverraths verurtheilte. Adressen wurden votirt, die den König versicherten, daß seine Peers sowohl wie auch sein Volk entschlossen seien, ihm mit Gut und Blut gegen seine Feinde beizustehen. In ihrer nächsten Sitzung verfügten die beiden Häuser, daß die Erklärung der Rebellen durch den Henker verbrannt werden solle, und ließen die Verurtheilungsbill in allen Stadien durchgehen. Die Bill erhielt noch denselben Tag die königliche Genehmigung und auf Monmouth’s Ergreifung wurde eine Belohnung von fünftausend Pfund gesetzt[52].

Die Thatsache, daß Monmouth gegen die Regierung unter Waffen stand, war so unbestreitbar, daß die Verurtheilungsbill gegen den schwachen Widerstand von nur einigen wenigen Peers zum Gesetz erhoben ward und selbst von whiggistischen Geschichtschreibern nur selten streng getadelt worden ist. Wenn wir indessen erwägen, wie wichtig es ist, daß gesetzgeberische und richterliche Functionen getrennt bleiben, wie wichtig es ferner ist, daß ein bloßes Gerücht, so stark und allgemein es auch sein mag, nicht als gesetzlicher Schuldbeweis angenommen werde, wie wichtig es endlich ist, die Regel festzuhalten, daß Niemand zum Tode verurtheilt werden darf, ohne ihm Gelegenheit zu seiner Vertheidigung gegeben zu haben, und wie leicht und schnell einmal begangene Verletzungen großer Grundsätze weiter ausgedehnt werden, so dürften wir wohl zu der Ansicht geneigt sein, daß sich gegen das vom Parlament beobachtete Verfahren einige Einwendungen machen ließen. Keinem der beiden Häuser lag das Mindeste vor, was selbst ein so gewissenloser Richter wie Jeffreys einer Jury als Beweis für Monmouth’s Schuld hätte darstellen können. Die von den Gemeinen verhörten Boten waren nicht vereidigt und ihre Mittheilungen konnten daher rein aus der Luft gegriffen sein, ohne daß sie deshalb wegen Meineids hätten bestraft werden können. Die Lords, welche, als Gerichtshof, einen Eid hätten abnehmen können, examinirten keinen Zeugen und hatten keinen andren Beweis vor sich, als den Brief des Mayors von Lyme, der in den Augen des Gesetzes gar kein Beweis war. Die äußerste Gefahr rechtfertigt allerdings zuweilen äußerste Mittel, aber die Verurtheilungsacte war ein Mittel, das erst in Wirksamkeit gesetzt werden konnte, wenn jede Gefahr vorüber war, und das daher von dem Augenblicke an, wo es aufhörte, wirkungslos zu sein, ganz überflüssig wurde. So lange Monmouth unter Waffen stand, war es unmöglich, ihn hinzurichten, und wurde er besiegt und gefangen genommen, so hatte es weder Gefahr noch Schwierigkeit, ihn vor Gericht zu stellen. Später hat man es als einen merkwürdigen Umstand hervorgehoben, daß sich unter den eifrigen Tories, welche die Bill aus dem Hause der Gemeinen vor die Schranken der Lords brachten, Sir Johann Fenwick, Abgeordneter für Northumberland, befand[53]. Dieser Herr hatte einige Jahre nachher Gelegenheit, über die Sache nachzudenken, und er kam zu dem Schlusse, daß Verurtheilungsbills durchaus nicht zu rechtfertigen seien.

Das Parlament gab in dieser Stunde der Gefahr noch andere Beweise von Loyalität. Die Gemeinen ermächtigten den König, zur Bestreitung augenblicklicher Bedürfnisse eine außerordentliche Summe von vierhundert­tausend Pfund zu erheben, und damit er das Geld ohne Schwierigkeit bekomme, sannen sie auf neue Steuern. Der Plan, die in der Hauptstadt unlängst neuerbauten Häuser zu besteuern, wurde wieder aufgenommen und von den Landgentlemen eifrig unterstützt. Es wurde nicht allein beschlossen, daß diese Häuser besteuert werden sollten, sondern auch, daß eine Bill eingebracht werden sollte, die jede neue Grundsteinlegung innerhalb des Stadtgebiets von London verbot. Der Beschluß kam jedoch nicht zur Ausführung. Einflußreiche Männer, welche in den Vorstädten Grund und Boden besaßen und hofften, daß sich auf ihren Gütern neue Straßen und Plätze erheben würden, boten Alles auf, um diesen Plan zu vereiteln. Man sah ein, daß es viel Zeit erfordern würde, um die Einzelnheiten eines solchen Gesetzes zu reguliren, und die Bedürfnisse des Königs waren so dringend, daß man es für nöthig erachtete, die Verhandlungen des Hauses durch eine höfliche Ermahnung zur Eil zu beschleunigen. Die Idee der Häuserbesteuerung wurde daher aufgegeben und dagegen für die nächsten fünf Jahre neue Zölle auf ausländische Seidenstoffe, Leinenwaaren und geistige Getränke gelegt[54].

Die im Unterhause sitzenden Tories schritten nun zur Einbringung einer sogenannten Bill zur Sicherung der Person und der Regierung des Königs. Sie schlugen vor, es solle für Hochverrath erklärt werden, wenn Jemand sagte, Monmouth sei legitim, oder Worte äußerte, welche darauf abzielten, die Person oder die Regierung des Souverains verhaßt oder verächtlich zu machen, oder wenn Jemand im Parlament einen Antrag auf Abänderung der Thronfolgeordnung stellte. Einige von diesen Bestimmungen erregte allgemeinen Unwillen und Abscheu. Die Whigs versuchten es trotz ihrer geringen Zahl und ihrer Schwäche, sich zu verbinden, und sie wurden durch eine bedeutende Anzahl gemäßigter und einsichtsvoller Kavaliere verstärkt. Worte, sagte man, könnten leicht von rechtschaffenen Männern mißverstanden, von Schurken aber falsch ausgelegt werden; bildliche Ausdrücke könnten wörtlich genommen und scherzhafte Äußerungen als ernstlich gemeint dargestellt werden. Eine Partikel, ein Tempus, ein Modus, die Betonung könne den ganzen Unterschied zwischen Schuld und Unschuld begründen. Sei ja der Erlöser selbst, in dessen reinem Lebenswandel die Böswilligkeit keinen Anhalt zu irgend einer Beschuldigung finden konnte, wegen gesprochener Worte in Untersuchung gezogen worden. Falsche Zeugen hätten eine Sylbe weggelassen, durch welche klar bewiesen worden wäre, daß jene Worte bildlich gemeint waren, und hätten so dem Sanhedrin einen Vorwand geliefert, unter welchem der schändlichste aller Justizmorde verübt worden sei. Wer könne, mit einem solchen Beispiele vor Augen, behaupten, daß wenn bloße Reden schon eine Anklage auf Hochverrath begründeten, der loyalste Unterthan sicher sei? Diese Argumente machten einen so großen Eindruck, daß im Ausschusse Verbesserungs­anträge gestellt wurden, welche die Härte der Bill bedeutend milderten; die Klausel aber, welche es für Hochverrath erklärte, wenn ein Mitglied des Parlaments die Ausschließung eines Prinzen von Geblüt vom Throne beantragte, scheint keine Debatte hervorgerufen zu haben und wurde angenommen. Sie hatte jedoch nur insofern eine Bedeutung, als sie ein Beweis für die Unwissenheit und Unerfahrenheit der heißblütigen Royalisten war, welche das Unterhaus füllten. Hätten sie nur die ersten Anfangsgründe der Gesetzgebung gekannt, so würden sie eingesehen haben, daß die Bestimmung, auf die sie so großes Gewicht legten, überflüssig sein mußte, so lange das Parlament geneigt war, die Thronfolgeordnung aufrechtzuerhalten, und daß sie widerrufen werden würde, sobald ein Parlament die Absicht hatte, dieselbe abzuändern[55].

Die Bill ging in ihrer verbesserten Fassung durch und wurde den Lords überreicht, aber nicht zum Gesetz erhoben. Der König hatte vom Parlament eine Geldunterstützung erlangt, wie er sie nur erwarten konnte, und er sah ein, daß, so lange der Aufstand wüthete, die loyalen Mitglieder des Adels und der Gentry in ihren Grafschaften mehr nützen könnten, als in Westminster. Er drängte daher ihre Verhandlungen zu einem baldigen Schlusse und entließ sie am 3. Juli. An dem nämlichen Tage erhielt ein Gesetz, welches die mit dem Jahre 1679 erloschene Censur wieder einführte, die königliche Genehmigung. Dieser Gegenstand wurde mit wenigen Worten am Ende eines gemischten Gesetzes abgethan, welches verschiedene erlöschende Gesetze verlängerte. Die Anhänger des Hofes dachten nicht daran, daß sie einen Sieg errungen hätten und die Whigs äußerten durchaus keine Unzufriedenheit. Weder bei den Lords noch bei den Gemeinen kam es zu einer Abstimmung, ja, soweit man es jetzt noch ersehen kann, nicht einmal zu einer Debatte über eine Frage, welche in unsrer Zeit das ganze Gebäude der Gesellschaft erschüttern würde. Die Veränderung war auch in der That unbedeutend und kaum bemerkbar, denn seit der Entdeckung des Ryehousecomplots hatte die Freiheit, ohne Censur drucken zu dürfen, nur dem Namen nach bestanden. Seit vielen Monaten war kaum eine gegen den Hof gerichtete Flugschrift anders als heimlich gedruckt worden, und heimlich konnten solche Flugschriften nach wie vor herausgegeben werden[56].