Die königliche Armee schlägt bei Sedgemoor ein Lager auf. [Während] er so zwischen gleich hoffnungslosen Projecten schwankte, kamen ihm die Streitkräfte des Königs zu Gesicht. Sie bestanden aus ungefähr zweitausend­fünfhundert Mann regulärer Truppen und etwa fünfzehnhundert Mann Miliz von Wiltshire. Sonntag, den 5. Juli, am frühen Morgen, verließen sie Somerton und schlugen noch denselben Tag ungefähr drei Meilen von Bridgewater auf der Ebene von Sedgemoor ihre Zelte auf.

Doctor Peter Mew, Bischof von Winchester, begleitete sie. Dieser Prälat hatte in seiner Jugend im Dienste Karl’s I. gegen das Parlament die Waffen getragen. Weder seine Jahre, noch sein Beruf hatten seinen kriegerischen Eifer völlig gedämpft, und er dachte wahrscheinlich, daß die Anwesenheit eines Vaters der protestantischen Kirche im königlichen Lager einige rechtschaffene Männer, welche zwischen dem Abscheu vor dem Papstthum und dem Abscheu vor der Rebellion schwankten, in ihrer Loyalität befestigen könnte.

Auf dem Thurme der Pfarrkirche zu Bridgewater, welcher der höchste in ganz Somersetshire sein soll, hat man eine weite Aussicht über die Umgegend. Monmouth bestieg in Begleitung einiger Offiziere die Gallerie des viereckigen Thurmes, von wo aus die Spitze desselben sich erhebt, und beobachtete durch ein Fernrohr die Stellung des Feindes. Unter ihm lag eine flache Ebene, welche jetzt mit Kornfeldern und Obstpflanzungen bedeckt ist, damals aber, wie schon ihr Name andeutet,[88] ein trauriger Morast war. Wenn es stark geregnet hatte und der Parret mit seinen Nebenflüssen austrat, so wurde diese Ebene häufig überschwemmt. Sie bildete in der That schon in früheren Zeiten einen Theil des großen Sumpfes, von dem in unseren ältesten Chroniken gesagt wird, daß er die Fortschritte zweier aufeinander­folgenden fremden Erobererstämme aufgehalten habe. Dieser Sumpf hatte lange die Celten gegen die Angriffe der Könige von Wessex geschützt und hatte Alfred eine Zuflucht vor den Verfolgungen der Dänen gewährt. In jenen fernen Zeiten konnte diese Gegend nur in Böten passirt werden; sie war ein großer See, in welchem eine Menge kleiner Inseln von veränderlicher und trügerischer Bodenbeschaffenheit zerstreut umherlagen, die mit üppigem Schilfe bewachsen waren und auf denen es von Rothwild und wilden Schweinen wimmelte. Noch zu den Zeiten der Tudors mußte der Reisende, den sein Weg von Ilchester nach Bridgewater führte, des Wassers halber einen Umweg von mehreren Meilen machen. Als Monmouth auf Sedgemoor niederblickte, war es durch die Kunst zum Theil entwässert und von zahlreichen tiefen Gräben durchschnitten, welche dort „Rhines“ genannt werden. Inmitten des Moors erhoben sich in der nächsten Umgebung die Kirchthürme einige Dörfer, deren Namen andeuten, daß sie einstmals von den Fluthen bespült wurden. In einem dieser Dörfer, Weston Zoyland genannt, lag die königliche Reiterei und Feversham hatte daselbst sein Hauptquartier aufgeschlagen. Viele noch lebende Personen haben die Tochter der Magd gekannt, die ihn an jenem Tage bei Tische bediente, und eine große Schüssel von persischem Porzellan, welche ihm vorgesetzt wurde, wird noch immer in der Nachbarschaft sorgfältig aufbewahrt. Es muß bemerkt werden, daß die Bevölkerung von Somersetshire nicht, wie die der Fabrikdistrikte, aus Einwanderern aus entfernten Orten besteht. Man findet dort häufig Landwirthe, die noch den nämlichen Boden bebauen, den ihre Vorfahren bebauten, als die Plantagenets in England herrschten. Die Traditionen von Somersetshire sind daher für den Geschichtsforscher von nicht geringem Werthe.[89]

In größerer Entfernung von Bridgewater liegt das Dorf Middlezoy. In diesem Dorfe und seiner Umgebung war die Miliz von Wiltshire unter Pembroke’s Befehlen einquartirt.

Auf offnem Moore, unweit Chozoy, lagerten mehrere Bataillone regulären Fußvolks. Wehmüthig blickte Monmouth auf sie herab, denn er erinnerte sich unwillkürlich daran, daß er vor wenigen Jahren an der Spitze einer aus den nämlichen Leuten bestehenden Colonne die wilden Enthusiasten, welche die Bothwelbrücke vertheidigten, in völliger Verwirrung vor sich her getrieben hatte. Er konnte in den feindlichen Reihen die tapfere Schaar unterscheiden, welche damals nach dem Namen ihres Obersten Dumbarton’s Regiment hieß, schon längst aber als das erste Linien­regiment bekannt war und in allen vier Welttheilen seinen alten Ruhm stets bewährt hat. „Ich kenne diese Leute“, sagte Monmouth, „die werden tüchtig kämpfen. Hätte ich nur sie, so würde Alles gut gehen!“[90]

Der Anblick des Feindes war indessen nicht ganz entmuthigend. Die drei Divisionen der königlichen Armee lagen weit von einander entfernt, ihre Bewegungen hatten einen Anschein von sorgloser und lauer Disciplin und es wurde berichtet, daß sie sich fortwährend in Zoylandcyder betränken. Die Unfähigkeit Feversham’s, der das Obercommando führte, war allbekannt, und selbst in diesem kritischen Augenblicke dachte er nur an Essen und Schlafen. Churchill dagegen war zwar ein Anführer, der weit schwierigeren Aufgaben als der Zerstreuung eines Haufens schlecht bewaffneter und ungeübter Bauern gewachsen war; aber das Genie, das später sechs Marschälle Frankreichs demüthigte, war damals noch nicht an seinem rechten Platze. Feversham sprach wenig mit Churchill und ermuthigte ihn nicht, Vorschläge zu machen. Aber obgleich der Unterbefehlshaber sich seiner Überlegenheit an Fähigkeiten und Kenntnissen bewußt war, obgleich er sich nur mit Unmuth den Befehlen eines Vorgesetzten unterwarf, den er verachtete, und obgleich er für die Armee das Schlimmste befürchtete, so bewahrte er dennoch die ihn auszeichnende Selbstbeherrschung und verbarg seine Gefühle so gut, daß Feversham seine folgsame Thätigkeit lobte und sich vornahm, dem Könige davon zu berichten[91].

Nachdem Monmouth die Stellung der königlichen Truppen beobachtet hatte und von ihrem Zustande benachrichtigt worden war, glaubte er, daß ein nächtlicher Angriff mit Erfolg gekrönt werden könnte. Er beschloß, sein Glück zu versuchen und traf sofort die nöthigen Anstalten.

Es war Sonntag und seine Leute, welche zum größten Theile puritanisch erzogen waten, brachten daher einen großen Theil des Tages in Andachtsübungen zu. Das Schloßgebiet, auf dem die Armee lagerte, bot ein Schauspiel dar, wie es England seit der Auflösung von Cromwell’s Heer nicht wieder gesehen hatte. Die Dissenterprediger, welche gegen den Papismus zu den Waffen gegriffen hatten, und von denen einige vielleicht schon im großen Bürgerkriege gekämpft hatten, beteten und predigten in rothen Röcken und hohen Reitstiefeln, mit langen Schwertern an der Seite. Auch Ferguson gehörte zu Denen, welche Reden hielten. Er wählte zum Texte die furchtbare Verwünschung, durch welche die jenseits des Jordan wohnenden Israeliten sich von der Beschuldigung reinigten, die ihre Brüder am andren Ufer des Flusses aus Unwissenheit gegen sie erhoben: „Der starke Gott, der Herr, der starke Gott, der Herr weiß, so weiß Israel auch. Ist es Aufruhr oder ein Vergehen gegen den Herrn, so helfe er uns heute nicht[92].“

Daß unter dem Schutze der Nacht ein Angriff versucht werden sollte, war in Bridgewater kein Geheimniß. Die Stadt war von Frauen angefüllt, die aus der Umgegend herbeigekommen waren, um ihre Gatten, Söhne, Geliebten und Brüder noch einmal zu sehen. Es gab an diesem Tage manche schmerzliche Abschiedsscene und Viele trennten sich, um einander nicht wiederzusehen. Das Gerücht von dem beabsichtigten Angriff kam auch einem jungen Mädchen zu Ohren, die eine eifrige Anhängerin des Königs war. Trotz ihres schüchternen Wesens faßte sie den muthigen Entschluß, Feversham selbst die Nachricht zu überbringen. Sie stahl sich heimlich aus Bridgewater fort und begab sich in das königliche Lager. Dieses Lager aber war nicht der Ort, wo die weibliche Unschuld sicher war. Selbst die Offiziere, welche die irreguläre Streitmacht, der sie gegenüberstanden, und den nachlässigen General, unter dessen Befehlen sie kämpfen sollten, in gleichem Grade verachteten, waren des süßen Weines voll und daher zu jedem Exceß der Sinnlichkeit und Grausamkeit geneigt. Einer von ihnen ergriff das junge Mädchen, weigerte sich, auf ihre Botschaft zu hören und that ihr auf die roheste Weise Gewalt an. Vor Scham und Wuth der Verzweiflung nahe, entfloh sie wieder und überließ das gottlose Heer seinem Schicksale[93].

Die Zeit zum Beginn des großen Wagstücks rückte jetzt heran. Die Nacht war nicht ungünstig für ein solches Unternehmen. Es war zwar Vollmond und ein glänzendes Nordlicht erschien am Horizont; aber der Sumpfnebel lag so dicht über Sedgemoor, daß man auf funfzig Schritt die Gegenstände nicht unterscheiden konnte[94].