[82.] London Gazette, June 29. 1685; Citters, 30. Juni (10. Juli).

Monmouth’s Verzagtheit. [Das] Rebellenheer befand sich in einer schlimmen Lage. Der Marsch in der vergangenen Nacht war höchst beschwerlich gewesen; es hatte in Strömen geregnet und die Wege waren dadurch zu wahren Morästen geworden. Von der aus Wiltshire versprochenen Verstärkung hörte man nichts mehr; ein Bote brachte die Nachricht, daß Argyle’s Armee in Schottland zerstreut worden sei, ein andrer berichtete, daß Feversham, nachdem er seine Artillerie an sich gezogen, wieder anrücke. Monmouth verstand den Krieg zu gut, als daß er nicht hatte wissen sollen, daß seine Leute bei all’ ihrem Muth und all’ ihrem Eifer doch regulären Truppen nicht gewachsen waren. Er hatte sich bis jetzt noch immer mit der Hoffnung geschmeichelt, daß einige von den Regimentern, die er früher befehligt, zu ihm übergehen würden, aber diese Hoffnung mußte er jetzt aufgeben. Da verließ ihn der Muth; er hatte kaum noch Kraft genug, um Befehle zu geben. In seiner Noth beklagte er sich bitter über die bösen Rathgeber, die ihn verleitet hatten, sein glückliches Asyl in Brabant zu verlassen, und besonders gegen Wildman brach er in heftige Verwünschungen aus.[83] Jetzt stieg in seiner schwachen und geängstigten Seele ein schimpflicher Gedanke auf. Er wollte die Tausende, die auf seinen Ruf und für seine Sache ihre friedlichen Häuser und Felder verlassen hatten, den Händen der Regierung preisgeben. Er wollte sich mit seinen vornehmsten Offizieren heimlich entfernen, wollte einen Seehafen zu erreichen suchen, bevor man seine Flucht ahnete, wollte auf das Festland entfliehen und in den Armen der Lady Wentworth seinen Ehrgeiz und seine Schande vergessen. Diesen Plan besprach er ganz ernstlich mit seinen hauptsächlichsten Rathgebern. Einige von ihnen, denen um ihr Leben bange war, zollten demselben Beifall; Grey aber, dem selbst seine Verleumder es zugestehen, daß er überall unerschrocken war, wo nicht Schwertergeklirr und Kanonendonner ihn umgaben, widersetzte sich mit großer Entschiedenheit dem feigen Vorschlage und beschwor den Herzog, lieber jeder Gefahr Trotz zu bieten, als die aufopfernde Anhänglichkeit des westlichen Landvolks mit Undank und Verrath zu belohnen.[84]

Der Fluchtplan wurde aufgegeben, aber es war jetzt nicht leicht, irgend einen Operationsplan zu entwerfen. Nach London zu marschiren, wäre Wahnsinn gewesen, denn der Weg ging über die Ebene von Salisbury, auf welcher großen Fläche reguläre Truppen, besonders Kavallerie, gegen undisciplinirte Haufen zu sehr im Vortheil gewesen sein würden. In dieser kritischen Lage traf plötzlich die Nachricht ein, daß die Landbewohner der Marschen in der Umgegend von Axbridge zur Verteidigung des protestantischen Glaubens aufgestanden seien, daß sie sich mit Dreschflegeln, Knütteln und Heugabeln bewaffnet hätten und sich zu Tausenden bei Bridgewater sammelten. Monmouth beschloß, dahin zurückzukehren und sein Heer mit diesen neuen Verbündeten zu verstärken.[85]

Die Rebellen marschirten demgemäß nach Wells, wo sie in nicht sehr heitrer Stimmung ankamen. Sie waren, mit wenigen Ausnahmen, erbitterte Feinde des Prälatenthums und äußerten ihren Haß in einer Weise, die ihnen wenig Ehre machte. Sie rissen nicht nur das Bleidach von der prächtigen Kathedrale, um Kugeln daraus zu gießen, eine Handlung, die sie allenfalls mit den Bedürfnissen des Kriegs entschuldigen konnten, sondern zerstörten auch muthwilligerweise die Verzierungen des Gebäudes. Grey schützte nur mit Mühe den Altar vor den Schändungen einiger Buben, die an demselben zechen wollten, indem er sich mit gezognem Schwerte davor stellte.[86]

[83.] Harl. MS. 6845; Wade’s Confession.

[84.] Wade’s Confession; Eachard, III., 766.

[85.] Wade’s Confession.

[86.] London Gazette, July 6. 1685; Citters, 3.(13.) Juli; Oldmixon. 703.

Seine Rückkehr nach Bridgewater. [Am] Donnerstag den 2. Juli zog Monmouth wieder in Bridgewater ein, aber unter viel weniger erfreulichen Umständen, als er es vor zehn Tagen verlassen hatte. Die Verstärkung, die er daselbst fand, war unbedeutend, und die königliche Armee saß ihm dicht auf den Fersen. Einen Augenblick hatte er die Idee, die Stadt zu befestigen, und Hunderte von Arbeitern wurden aufgeboten, um Gräben zu ziehen und Schanzen aufzuwerfen, dann kehrte er wieder zu dem Plane zurück, nach Cheshire zu marschiren, ein Plan, den er in Keynsham als unausführbar verworfen und der jetzt, in Bridgewater, sich gewiß nicht günstiger gestaltet hatte.[87]

[87.] Wade’s Confession.