Das Feuerwerk von hehrer Engel Hand.
Ich selbst das helle Licht vergolden sah
Die düstren nächt’gen Schatten, fern und nah’.
Fort trug der Bote eiligst seine Kunde,
Zu dreier Völker Trost in banger Stunde,
Doch überall fand er des Himmels Boten schon.
Schlacht von Sedgemoor. [Es] schlug elf Uhr, als der Herzog mit seiner Leibgarde aus dem Schlosse abritt. Er befand sich durchaus nicht in der Gemüthsstimmung, wie sie einem Manne ziemt, der im Begriffe ist, einen entscheidenden Schlag zu führen. Selbst die Kinder, die sich herbeidrängten, um ihn vorüberreiten zu sehen, bemerkten, daß sein Aussehen traurig und voll düsterer Ahnungen war, und erinnerten sich dessen noch lange nachher. Seine Armee marschirte auf einem fast sechs Meilen langen Umwege gegen das königliche Lager von Sedgemoor. Ein Theil dieses Weges wird noch heute die Kriegsstraße genannt. Das Fußvolk führte Monmouth persönlich an, und die Reiterei war trotz der Gegenvorstellungen Derer, die sich des Unfalls bei Bridport erinnerten, Lord Grey anvertraut worden. Es war Befehl gegeben, das strengste Stillschweigen zu beobachten, keine Trommel zu rühren und keinen Schuß abzufeuern. Das Losungswort, an dem die Insurgenten einander im Dunkeln erkennen sollten, war Soho. Wahrscheinlich war dieses Wort in Anspielung auf Soho-Fields in London gewählt, wo der Palast des Anführers stand[95].
Montag den 6. Juli gegen ein Uhr in der Nacht kamen die Rebellen auf dem offnen Moore an. Aber zwischen ihnen und dem Feinde befanden sich drei mit Wasser und dünnem Schlamm gefüllte Gräben, und Monmouth wußte, daß er zwei davon, den sogenannten „schwarzen Graben“ und den „Langmoor-Rhine“ passiren mußte. Sonderbarerweise aber hatte ihm keiner seiner Kundschafter etwas von der Existenz des dritten Grabens gesagt, welcher „Bussex-Rhine“ hieß und das königliche Lager unmittelbar deckte.
Die Munitionswagen blieben am Rande des Moors zurück. Die Reiterei und das Fußvolk gingen auf einem Damme in einer langen und schmalen Colonne über den schwarzen Graben. Ein ähnlicher Damm war auch durch den Langmoor-Rhine geworfen, aber der Führer verirrte sich im Nebel. Es entstand einiger Aufenthalt und Tumult, ehe man den rechten Weg wieder fand; endlich wurde der Übergang noch glücklich bewerkstelligt, aber in der Verwirrung ging ein Pistol los. Einige Wache haltende Gardereiter hörten den Knall und bemerkten eine große Truppenmasse, die sich im Nebel vorwärts bewegte. Sie feuerten ihre Karabiner ab und sprengten in verschiedenen Richtungen davon, um Lärm zu machen. Einige eilten nach Weston Zoyland, wo die Kavallerie lag. Ein andrer Reiter galoppirte in das Lager der Infanterie und rief aus voller Kehle, daß der Feind in der Nähe sei. Die Trommeln des Regiments Dumbarton schlugen Generalmarsch und die Mannschaft trat sogleich unter’s Gewehr. Es war die höchste Zeit, denn Monmouth stellte seine Armee schon in Schlachtordnung auf. Er befahl Grey, mit der Reiterei vorzugehen, und folgte selbst an der Spitze des Fußvolks. Grey stürmte vorwärts, bis er plötzlich ganz unvermuthet durch den Bussex-Rhine aufgehalten wurde. Jenseit des Grabens stellte sich die königliche Infanterie eiligst in Schlachtordnung auf.
„Für wen seid Ihr?“ rief ein Offizier von der Fußgarde. „Für den König“, antwortete eine Stimme in den Reihen der Rebellen-Kavallerie. „Für welchen König?“ wurde hierauf gefragt. Die Antwort war das Jubelgeschrei: „Für König Monmouth!“ vermischt mit dem Feldgeschrei, das vierzig Jahre früher auf den Fahnen der Parlamentsregimenter stand: „Gott mit uns!“ Die königlichen Truppen gaben nun augenblicklich eine so kräftige Musketensalve, daß die ganze Reiterei der Aufständischen alsbald nach allen Richtungen auseinanderstob. Die Welt schrieb diese schmachvolle Flucht allgemein der Feigherzigkeit Grey’s zu. Aber es ist keineswegs erwiesen, ob Churchill an der Spitze von Leuten, welche noch nie im Sattel gekämpft hatten, und deren Pferde weder ans Feuer, noch überhaupt an den Zügel gewohnt waren, besseren Erfolg gehabt haben würde.