Wenige Minuten nachdem die Reiterei des Herzogs sich über den ganzen Moor zerstreut hatte, kam seine Infanterie, der die brennenden Lunten des Regiments Dumbarton als Wegweiser in der Dunkelheit dienten, im Sturmschritt heran.
Monmouth erschrak nicht wenig, als er sah, daß ein breiter und tiefer Graben ihn von dem Lager trennte, das er zu überrumpeln gehofft hatte. Die Insurgenten machten am Rande des Grabens Halt und feuerten; ein Theil der königlichen Infanterie am anderen Ufer erwiederte das Feuer. Dreiviertel Stunde lang knatterte das Kleingewehrfeuer ununterbrochen. Die Landleute von Somersetshire benahmen sich wie alte gediente Soldaten, nur daß sie zu hoch hielten.
Jetzt aber hatten sich auch die anderen Abtheilungen der königlichen Armee in Bewegung gesetzt. Die Leibgarben und die Blauen kamen von Weston Zoyland herangesprengt und zerstreuten in einem Nu die wenigen Reiter Grey’s, die sich wieder zu sammeln versucht hatten. Die Fliehenden verbreiteten einen panischen Schrecken unter ihren Kameraden in der Nachhut, welche die Munition zu decken hatten. Die Wagen fuhren in hastiger Eile davon und hielten nicht eher an, als bis sie mehrere Meilen vom Schlachtfelde entfernt waren. Bis jetzt hatte Monmouth sich als tapfrer und befähigter Krieger gezeigt; man hatte ihn zu Fuß gesehen, wie er, mit einer Lanze in der Hand, seine Infanterie durch Wort und Beispiel anfeuerte. Aber er war zu erfahren in militärischen Angelegenheiten, als daß er nicht hätte wissen sollen, daß Alles vorbei war. Seine Leute hatten den Vortheil, den ihnen die Überrumpelung und die Dunkelheit gegeben, verloren; sie waren von der Reiterei und den Munitionswagen im Stiche gelassen, und die königlichen Truppen waren jetzt in bester Ordnung beisammen. Feversham war durch das Feuer geweckt worden, war aus dem Bett gesprungen, hatte seine Halsbinde umgelegt, sich gebührend im Spiegel gemustert, und war endlich herbeigekommen, um zu sehen, was seine Leute thaten. Inzwischen hatte Churchill, was von weit größrer Wichtigkeit war, eiligst eine ganz neue Aufstellung der königlichen Infanterie vorgenommen. Der Morgen brach an; der Ausgang eines Kampfes im offnen Felde und bei hellem Tageslichte konnte nicht zweifelhaft sein. Aber Monmouth hätte fühlen sollen, daß er nicht fliehen durfte, während Tausende, die ihre Zuneigung zu ihm ins Verderben gestürzt, noch immer mannhaft für seine Sache kämpften. Aber eitle Hoffnungen und die unüberwindliche Liebe zum Leben behielten bei ihm die Oberhand. Er sah, daß, wenn er zögerte, die königliche Reiterei ihm den Rückzug abschneiden würde; er stieg daher zu Pferde und ritt vom Schlachtfelde.
Doch sein Fußvolk, obgleich von seinem Führer verlassen, hielt noch tapfer Stand. Die Leibgarden griffen es von der rechten, die Blauen von der linken Seite an; aber die Bauern von Somersetshire kämpften mit ihren Sensen und ihren Gewehrkolben wie alte Soldaten gegen die königlichen Reiter. Oglethorpe machte einen ungestümen Versuch, ihre Reihen zu durchbrechen, und wurde tapfer zurückgeschlagen. Sarsfield, ein wackrer irländischer Offizier, dessen Name später eine traurige Berühmtheit erlangte, griff auf der andren Flanke an. Seine Leute wurden ebenfalls zurückgeworfen. Er selbst wurde zu Boden geschlagen und blieb eine Zeit lang für todt liegen. Der Widerstand der tapfren Landleute konnte jedoch nicht mehr von langer Dauer sein, denn Pulver und Blei waren völlig ausgegangen. Man hörte den Ruf: „Munition! um Gottes Willen Munition!“ Aber es war keine mehr zur Hand. Jetzt rückte überdies auch die königliche Artillerie heran, die eine halbe Meile davon auf der Straße von Weston Zoyland nach Bridgewater gestanden hatte. Die Ausrüstung des englischen Heeres war damals noch so mangelhaft, daß es ungeheure Mühe gekostet haben würde, die schweren Geschütze auf den Platz zu schleppen, wo der Kampf wüthete, hätte nicht der Bischof von Winchester seine Wagenpferde und seine Geschirre zu diesem Zwecke hergegeben. Diese Einmischung eines christlichen Prälaten in eine blutige Angelegenheit ist mit sonderbarer Inconsequenz von einigen whiggistischen Schriftstellern verdammt worden, während sie nichts Verbrecherisches in dem Benehmen der zahlreichen puritanischen Geistlichen finden, welche damals gegen die Regierung unter Waffen standen. Und als die Kanonen endlich angekommen waren, fehlte es so sehr an Kanonieren, daß ein Sergeant vom Regimente Dumbarton die Bedienung mehrerer Geschütze übernehmen mußte[96]. So schlecht indessen die Geschütze auch bedient wurden, so brachten sie doch das Gefecht rasch zu Ende. Die Lanzen der aufständischen Bataillone begannen sich zu senken, die Reihen wurden durchbrochen; die königliche Reiterei machte einen nochmaligen Angriff und warf Alles vor sich nieder, während zu gleicher Zeit auch die Infanterie in großen Massen über den Graben kam. Selbst in dieser höchsten Bedrängniß hielten die Bergleute von Menrix noch tapfer Stand und verkauften ihr Leben theuer. Aber in wenigen Minuten war die Niederlage vollständig. Dreihundert königliche Soldaten waren getödtet oder verwundet, und von den Rebellen lagen mehr als tausend todt auf dem Moor[97].
So endete der letzte, den Namen einer Schlacht verdienende Kampf, der auf englischem Boden stattgefunden hat. Der Eindruck, den derselbe bei den einfachen Bewohnern der Umgegend zurückließ, war tief und nachhaltig. Allerdings ist dieser Eindruck auch häufig wieder aufgefrischt worden, denn selbst noch in unseren Tagen haben Pflug und Spaten nicht selten schauerliche Erinnerungszeichen von dem Gemetzel, wie Schädel, Gebeine und seltsame Waffen, aus Ackergeräthen verfertigt, zu Tage gefördert. Alte Landleute erzählten noch vor Kurzem, daß sie in ihrer Kindheit oft auf dem Moore das Gefecht zwischen König Jakob’s und König Monmouth’s Soldaten gespielt und daß die letzteren stets „Soho“ gerufen hätten[98].
Was bei der Schlacht von Sedgemoor am meisten auffällt, ist der Umstand, daß der Ausgang nur einen Augenblick zweifelhaft sein konnte und daß die Rebellen so lange Widerstand leisteten. Gegenwärtig würde es als ein Wunder betrachtet werden, wenn fünf- oder sechstausend Kohlengräber und Bauern nur einer halb so großen Anzahl von regulärer Kavallerie und Infanterie eine halbe Stunde lang Stand hielte. Unser Erstaunen wird sich jedoch vielleicht vermindern, wenn wir berücksichtigen, daß zu den Zeiten Jakob’s II. die Disciplin der regulären Armee außerordentlich lax, und daß auf der andren Seite das Landvolk daran gewöhnt war, in der Miliz zu dienen. Der Unterschied zwischen einem Regiment Fußgarden und einem Regiment eben angeworbener Bauern war daher, obwohl schon sehr bedeutend, doch keineswegs so groß, als er jetzt ist. Monmouth führte nicht bloße Pöbelhaufen zum Angriff gegen geübte Soldaten; seine Leute waren nicht ganz ohne allen militärischen Anstrich, während Feversham’s Truppen im Vergleich zu den englischen Truppen der Jetztzeit fast ein Pöbelhaufe genannt werden könnten.
Es war vier Uhr, die Sonne ging auf und das geschlagene Heer ergoß sich massenhaft in die Straßen von Bridgewater. Das Getümmel, das Blut, die Wunden, die geisterhaften Gestalten, welche zu Boden sanken, um nicht wieder aufzustehen, verbreiteten Entsetzen und Bestürzung in der Stadt. Dazu kam noch, daß die Verfolger ihnen auf den Fersen waren. Die Einwohner, welche den Aufstand begünstigt hatten, erwarteten ausgeplündert und niedergemetzelt zu werden, und flehten ihre Nachbarn, die sich zum römisch-katholischen Glauben bekannten oder sich durch toryistische Gesinnung auszeichneten, um Schutz an. Auch, die heftigsten whiggistischen Geschichtsschreiber erkennen es an, daß dieser Schutz freundlich und hochherzig gewährt wurde[99].
[95.] Es ist von vielen Schriftstellern, unter Anderen auch von Penant, behauptet worden, der Soho-Bezirk in London habe seinen Namen von jener Parole in Monmouth’s Armee bei Sedgemoor. Aber man findet die Soho-Fields in Büchern erwähnt, welche vor dem Aufstand im Westen gedruckt waren, z.B. in Chamberlayn’s State of England, 1684.
[96.] Es existirt eine Verfügung von Jakob, welche anbefiehlt, daß dem Sergeanten Weems vom Regiment Dumbarton „für die guten Dienste, die er in der Schlacht von Sedgemoor durch Abfeuern der großen Kanonen auf die Rebellen geleistet“, vierzig Pfund Sterling ausgezahlt werden sollen. Historical Record of the First of Royal Regiment of Foot.
[97.] Jakob’s II. Bericht von der Schlacht von Sedgemoor in Lord Hardwicke’s Staatsschriften; Wade’s Confession; Ferguson’s handschriftliche Erzählung in Eachard III. 768; Erzählung eines Offiziers von der Leibgarde in Kennet, Ausg. v. 1719, III. 432; London Gazette, July 9. 1685; Oldmixon, 703; Paschalle’s Narrative; Burnet, I. 60043; Evelyn’s Diary, July 8.; Citters, 7.(17.) Juli; Barillon 9.(19.) Juli; Reresby’s Memoirs; the Duke of Buckingham’s Battle of Sedgemoor, a Farce; MS. Journal of the Western Rebellion, kept by Mr. Edward Dummer, then serving in the train of artillery employed by Hir Majesty for the suppression of the same. Die letztgenannte Handschrift befindet sich in der Pepys’schen Bibliothek und ist von großem Werthe, nicht wegen der Erzählung, die wenig Bemerkenswerthes enthält, sondern wegen der Pläne, welche die Schlacht in vier oder fünf verschiedenen Stadien darstellen.