„Die Geschichte einer Schlacht“, sagt der größte der jetzt lebenden Generale, „ist der Geschichte eines Balles nicht unähnlich. Einige mögen sich wohl noch der kleinen Vorfälle erinnern, welche den Gewinn oder den Verlust der Schlacht herbeiführten; aber kein Einzelner kann sich erinnern, in welcher Aufeinanderfolge oder in welchem Augenblicke sie sich ereigneten, und davon hängt stets ihr Werth und ihre Bedeutung ab ... Um Ihnen zu beweisen, wie wenig man sich auch auf die besten Schlachtberichte verlassen kann, will ich nur sagen, daß in dem Berichte des Generals * * einige Umstände erwähnt sind, die sich nicht so zugetragen haben, wie er sie erzählt. Es ist unmöglich zu sagen, wann und in welcher Ordnung jedes wichtige Ereigniß eintrat.“ — Wellington Papers, Aug. 8. & 17. 1815.

Die Schlacht, in Bezug auf welche der Herzog von Wellington dies schrieb, war die von Waterloo, die wenige Wochen vorher am hellen Tage unter seinen eigenen scharfblickenden und erfahrenen Augen geschlagen worden war. Wie schwierig muß es daher sein, aus zwölf oder dreizehn Rapporten einen Bericht über eine Schlacht zusammen zu stellen, die vor mehr als hundertsechzig Jahren in einer Dunkelheit geschlagen wurde, daß man nicht fünfzig Schritt weit vor sich sehen konnte? Die Schwierigkeit wird dadurch noch vergrößert, daß die Augenzeugen, welche die beste Gelegenheit hatten, die Wahrheit zu erfahren, durchaus nicht geneigt waren, sie zu sagen. Das Dokument, das ich an die Spitze meiner Quellen­verzeichnisse gestellt habe, war unverkennbar mit der größten Parteilichkeit für Feversham geschrieben. Wade schrieb in der Angst vor dem Strange. Ferguson, der es überhaupt mit der Wahrheit seiner Aussagen nicht genau nahm, log bei dieser Gelegenheit wie Bobadil oder Parolles. Oldmixon, der zur Zeit der Schlacht in Bridgewater noch ein Knabe war und einen großen Theil seines spätren Lebens daselbst zubrachte, stand so unter dem Einflusse örtlicher Leidenschaften, daß seine an Ort und Stelle vorgenommenen Forschungen ihm nichts nützten. Der Wunsch, die Tapferkeit der Landleute von Somersetshire zu preisen, eine Tapferkeit, die selbst ihre Feinde anerkannten und welche nicht erst durch Übertreibungen und Erdichtungen in ein glänzendes Licht gestellt zu werden brauchte, verleitete ihn, einen lächerlichen Roman zusammenzusetzen. Das Lob, welches Barillon, ein Franzos, der gewöhnt war, ungeübte Schaaren zu verachten, der besiegten Armee zollt, hat weit mehr Werth. „Son infanterie fit fort bien. On n’eut de la peine à les rompre, et les soldats combattoient avec les crosses de mousquet et les scies, qu’ils avoient au bout de grands bastons au lieu de picques.“

Jetzt ist durch einen Besuch des Schlachtfeldes nicht viel mehr zu lernen, denn die Gestalt der Gegend hat sich zu sehr verändert; so ist der alte Bussex-Rhine, an dessen Ufern das Haupttreffen stattfand, längst verschwunden. — Von großem Nutzen ist mir Robert’s Schlachtbericht gewesen. Life of Monmouth chap. 22. Seine Erzählung wird in der Hauptsache durch Dummer’s Pläne bestätigt.

[98.] Ich weis dies aus dem Munde von Leuten, welche unweit Sedgemoor wohnen.

[99.] Oldmixon, 704.

Verfolgung der Rebellen. [Die] Sieger verfolgten die Fliehenden den ganzen Tag. Die Bewohner der umliegenden Dörfer erinnerten sich noch lange des Getöses und der Verwünschungen, womit die Reiterei vorüberstürmte. Noch vor dem Abend waren fünfhundert Gefangene in der Pfarrkirche zu Weston Zoyland eingesperrt. Achtzig von ihnen waren verwundet und fünf starben innerhalb der heiligen Mauern. Eine große Menge Landleute wurde herbeigetrieben, um die Gefallenen zu begraben, und einige, deren Parteilichkeit für die Sache der Besiegten bekannt war, wurden für das grauenvolle Geschäft bestimmt, die Gefangen zu viertheilen. Die Unterconstabler der benachbarten Kirchspiele mußten Galgen aufrichten und Ketten herbeischaffen. Währenddem läuteten fröhlich die Glocken von Weston Zoyland und Chedzoy und die Soldaten sangen und zechten auf dem Moore mitten unter den Leichen, denn die Landwirthe der Umgegend hatten, sobald der Ausgang des Gefechts bekannt war, sich beeilt, den Siegern ganze Fässer ihres besten Obstweines als Friedensopfer darzubringen.[100]

[100.] Locke’s Western Rebellion, Stradling’s Chilton Priory.

Militärische Hinrichtungen. [Feversham] galt für einen gutherzigen Mann, aber er war ein Ausländer, der die Gesetze der Engländer nicht kannte und sich um ihre Gefühle nicht kümmerte. Er war an den kriegerischen Übermuth Frankreichs gewohnt und hatte von seinem hohen Verwandten, dem Eroberer der Pfalz, nicht erobern, sondern nur verwüsten und zerstören gelernt. Eine beträchtliche Anzahl Gefangener wurde sofort zur Hinrichtung ausgewählt. Unter diesen befand sich ein junger Mann, der wegen seiner Schnelligkeit im Laufen berühmt war. Man machte ihm Hoffnung, daß er mit dem Leben davon kommen könne, wenn er aus einem Wettlaufe mit einem Fohlen der Marschen siegreich hervorginge. Der Raum, den dieser Mann in gleichem Schritt mit dem Pferde durchlief, ist noch jetzt durch wohlbekannte Markzeichen auf dem Moore angegeben und war ungefähr dreiviertel Meile lang. Feversham schämte sich nicht, den unglücklichen Schnellläufer nach vollbrachter Leistung dennoch an den Galgen zu schicken. Am nächsten Morgen sah man eine lange Reihe von Galgen auf der Straße von Bridgewater nach Weston Zoyland, und an jedem derselben hing ein Gefangner. Vier von den Duldern ließ man in ihren Ketten verfaulen.[101]

[101.] Locke’s Western Rebellion; Stradling’s Chilton Priory; Oldmixon, 704.

Monmouth’s Flucht. [Unterdessen] entfloh Monmouth, begleitet von Grey, Buyse und einigen andren Freunden, vom Schlachtfelde. In Chedzoy machte er einen Augenblick Halt, um ein frisches Pferd zu besteigen und sein blaues Knieband und seinen St. Georg[102] zu verbergen. Dann eilte er weiter nach Bristol Channel. Auf den Anhöhen im Norden des Schlachtfeldes sah er noch den Blitz und den Rauch der letzten Salve, die seine verlassenen Getreuen abfeuerten. Vor sechs Uhr war er schon zwanzig Meilen von Sedgemoor entfernt. Einige von seinen Begleitern riethen ihm, über den Kanal zu setzen und in Wales eine Zufluchtsstätte zu suchen, was unzweifelhaft das Klügste gewesen wäre. Er hätte längst in Wales sein können, ehe die Nachricht von seiner Niederlage dahin gelangte, und würde in einer so unwirthbaren, vom Sitze der Regierung weit entfernten Gegend lange unentdeckt geblieben sein. Aber er beschloß, nach Hampshire zu eilen, in der Hoffnung, sich in den Hütten der Wilddiebe unter den Eichen des Neuen Waldes so lange verbergen zu können, bis sich eine günstige Gelegenheit zum Entkommen auf das Festland darbot. Daher wendete er sich mit Grey und Buyse südöstlich. Aber der Weg war voll von Gefahren, denn die Flüchtlinge reisten durch eine Gegend, wo Jedermann den Ausgang der Schlacht schon kannte und kein Reisender von verdächtigem Aussehen sich einer genauen Untersuchung entziehen konnte. Sie ritten den ganzen Tag, indem sie Städte und Dörfer sorgfältig vermieden. Das war auch nicht so schwierig, als es jetzt scheinen mag, denn damals lebende Leute konnten sich noch sehr gut der Zeit erinnern, wo sich das Rothwild in einer Reihenfolge von Wäldern von den Ufern des Avon in Wiltshire bis zur südlichen Küste von Hampshire in ungestörter Freiheit tummelte.[103] Auf Cranbourne Chase konnten endlich die Pferde vor Erschöpfung nicht weiter. Man nahm ihnen daher Sattel und Zaum ab, welche sorgfältig versteckt wurden, und ließ sie laufen. Monmouth und seine Freunde verschafften sich nun Bauernanzüge, und so verkleidet wanderten sie zu Fuß durch den Neuen Wald. Sie brachten die Nacht unter freiem Himmel zu, aber noch vor dem Morgen waren sie auf allen Seiten umzingelt. Lord Lumley, der mit einer starken Abtheilung der Miliz von Sussex in Ringwood stand, hatte nach allen Richtungen hin Detaschements ausgesandt und Sir Wilhelm Portman mit der Miliz von Somerset vom Meeresufer bis ans nördliche Ende von Dorset eine Postenkette aufgestellt. Am siebenten um fünf Uhr Morgens wurde Grey, der sich von seinen Freunden entfernt hatte, von zwei Sussexer Spionen ergriffen. Er ergab sich in sein Schicksal mit der Ruhe eines Mannes, dem die Ungewißheit unerträglicher war als die sichere Aussicht auf seinen Untergang. „Seit unsrer Landung“, sagte er, „habe ich weder eine einzige ordentliche Mahlzeit, noch eine ruhige Nacht gehabt.“ Man konnte kaum daran zweifeln, daß der Hauptrebell nicht weit entfernt war, und die Verfolger verdoppelten daher ihre Wachsamkeit und Thätigkeit. Lumley ließ alle auf dem Haidelande an den Grenzen von Dorsetshire und Hampshire zerstreut liegenden Hütten genau durchsuchen, und der Landmann, mit welchem Monmouth die Kleider gewechselt hatte, wurde entdeckt. Portman kam mit einer starken Abtheilung Reiterei und Fußvolk, um Lumley bei seinen Nachforschungen zu unterstützen. Bald wurde ihre Aufmerksamkeit auf eine Stelle gelenkt, die sich zum Versteck für Flüchtlinge vortrefflich eignete. Es war ein bedeutender Landstrich, welcher durch ein Gehege von dem offnen Lande getrennt und durch zahlreiche Hecken in kleine Feldparcellen abgetheilt war. Auf einigen dieser Felder waren der Roggen, die Erbsen und der Hafer hoch genug, um einen Menschen zu verbergen; andere waren mit Farrnkraut und Brombeersträuchern bedeckt. Eine arme Frau berichtete, daß sie in dem Gehege zwei Fremde gesehen habe, die sich zu verbergen schienen. Die nahe Aussicht auf eine Belohnung erhöhte den Eifer der Truppen. Es wurde verabredet, daß jeder Mann, der bei der Durchsuchung seine Pflicht thue, einen Antheil von den versprochenen fünftausend Pfund bekommen sollte. Die äußere Umzäunung wurde mit Wachen besetzt und der innre Raum mit unermüdlicher Sorgfalt durchforscht; mehrere gute Spürhunde durchsuchten das Gebüsch. Der Abend brach herein, ehe das Geschäft beendigt war, aber die ganze Nacht hindurch wurde sorgfältig Wache gehalten. Wohl dreißigmal wagten es die Flüchtlinge, durch die äußere Umzäunung zu blicken, aber überall fanden sie eine aufmerksam umherspähende Schildwache. Einmal wurden sie gesehen und auf sie geschossen; dann trennten sie sich und verbargen sich in verschiedenen Schlupfwinkeln.