[102.] Die Insignien des Hosenbandordens.   D. Übers.

[103.] Aubrey’s Natural History of Wiltshire, 1691.

Seine Gefangennehmung. [Am] nächsten Morgen mit Tagesanbruch begann das Suchen von neuem und Buyse wurde gefunden. Er gestand, daß er sich erst vor wenigen Stunden von dem Herzoge getrennt habe. Das Getreide und das Gesträuch wurde nun mit noch größerer Sorgfalt untersucht. Endlich wurde eine abgezehrte Gestalt in einem Graben gefunden. Die Verfolger stürzten sich auf ihre Beute und einige von ihnen wollten feuern, aber Portman verbot jede Gewaltthätigkeit. Der Gefangne trug die Kleidung, eines Hirten, sein frühzeitig ergrauter Bart war seit mehreren Tagen nicht rasirt. Er zitterte heftig und konnte nicht sprechen. Selbst Diejenigen, die ihn oft gesehen hatten, zweifelten anfangs, ob dies wirklich der glänzende und liebenswürdige Monmouth sei. Portman untersuchte seine Taschen und fand darin unter grünen Erbsen, die er in seinem quälenden Hunger abgepflückt hatte, eine Uhr, eine mit Gold gefüllte Börse, ein kleines Werk über die Befestigungskunst, ein Album mit Gedichten, Recepten, Gebeten und Zaubersprüchen, und den St. Georg, mit dem König Karl II. vor vielen Jahren seinen Lieblingssohn geschmückt hatte. Es wurden nun sogleich Boten mit der erfreulichen Nachricht nach Whitehall abgesandt und der Gefangene unter starker Bedeckung nach Ringwood gebracht.[104]

So war denn Alles verloren und es blieb ihm nichts mehr übrig, als daß er sich vorbereitete, dem Tode so entgegenzugehen, wie es einem Manne ziemte, der sich nicht für unwürdig gehalten, die Kronen Wilhelm’s des Eroberers und Richard’s Löwenherz, des Helden von Cressy und des Helden von Agincourt zu tragen. Der Gefangne hätte sich leicht noch anderer Beispiele aus seiner Familie erinnern können, welche auf seine gegenwärtige Lage besser paßten. In einem Zeitraume von hundert Jahren waren zwei Souveraine, deren Blut in seinen Adern floß, darunter ein zartes Weib, in der nämlichen Lage gewesen, in der er sich jetzt befand. Sie hatten im Gefängniß und auf dem Schaffot einen Heldenmuth gezeigt, dessen sie in den Tagen des Glücks nicht fähig gewesen waren, und hatten ihre großen Fehler und Verbrechen zum Theil gesühnt, indem sie Alles, was ihre siegreichen Feinde ihnen zufügen konnten, mit christlicher Ergebung und majestätischer Würde ertrugen. Der Feigheit war Monmouth nie beschuldigt worden, und hätte es ihm auch an natürlichem Muthe gefehlt, so ließ sich erwarten, daß dieser Mangel durch den Stolz und die Verzweiflung ersetzt werden würde. Die Augen der ganzen Welt waren auf ihn gerichtet; die spätesten Geschlechter sollten es erfahren, wie er sich in dieser kritischen Lage gezeigt hatte. Er war es den wackeren Landleuten im Westen schuldig, ihnen zu beweisen, daß sie ihr Blut nicht für einen ihrer Aufopferung unwürdigen Führer vergossen hatten, und dem Weibe, die ihm Alles geopfert, war er es schuldig, sich so zu benehmen, daß sie wohl um ihn weinen durfte, sich seiner aber nicht zu schämen brauchte. Ihm stand es nicht an, zu jammern und um Gnade zu flehen; auch mußte ihm schon sein Verstand sagen, daß er durch Klagen und Bitten nichts erreichen würde. Er hatte etwas gethan, was nie vergeben werden konnte, und er war in der Gewalt eines Mannes, der nie vergab.

Aber Monmouth’s Muth war nicht jener erhabne Muth, der das Resultat der Überlegung und der Selbstachtung ist; die Natur hatte ihm keines jener starken Herzen verliehen, denen weder Mißgeschick noch Gefahren ein Zeichen von Schwäche entreißen können. Sein Muth wuchs und sank nach Maßgabe der auf ihn einwirkenden äußeren Eindrücke. Auf dem Schlachtfelde wurde er durch die Aufregung des Kampfes, durch die Hoffnung auf den Sieg und durch den mächtigen Einfluß der Sympathie aufrecht erhalten. Alle diese Stützpunkte waren ihm jetzt entzogen. Das verwöhnte Schooßkind des Hofes und des Volks, daran gewöhnt, überall wo er sich zeigte, geliebt und vergöttert zu werden, war jetzt von finsteren Kerkermeistern umgeben, in deren Blicken er sein Schicksal las. Noch einige Stunden düstrer Abgeschiedenheit, und er mußte eines gewaltsamen und schimpflichen Todes sterben. Sein Muth war völlig gebrochen. Das Leben schien ihm werth, durch jede Erniedrigung erkauft zu werden, und sein stets schwacher, jetzt aber noch durch die Angst verwirrter Verstand sah nicht ein, daß Demüthigungen ihn herabwürdigen mußten, aber nicht retten konnten.

[104.] Account of the manner of taking the late Duke of Monmouth, published by His Majesty’s command. Gazette de France, July 18.(28.) 1685; Eachard III. 770; Burnet I. 644, und Dartmouth’s Note; Citters, 10.(20.) Juli 1685.

Sein Brief an den König. [Sogleich] nach seiner Ankunft in Ringwood schrieb er an den König. Aus seinem Briefe sprach feige Angst, die kein Ehrgefühl mehr kennt. Er versicherte in Ausdrücken der heftigsten Verzweiflung, daß er seinen Verrath bereue und daß es zu der Zeit, als er seinen Verwandten versprach, keine Unruhen in England hervorzurufen, sein fester Vorsatz gewesen sei, sein Wort zu halten. Leider hätten nachher einige abscheuliche Menschen ihn seiner Unterthanentreue entfremdet, indem sie sein Blut durch Verleumdungen erhitzten und seinen Verstand durch Sophismen irreleiteten; jetzt aber verabscheue er sie sowohl als sich selbst. In kläglichen Ausdrücken flehte er um die Gunst einer Unterredung mit dem Könige. Es handle sich um ein Geheimniß, das er dem Papiere nicht anvertrauen könne, um ein Geheimniß, das in einem einzigen Worte enthalten sei und das, wenn er es ihm mittheile, den Thron gegen jede Gefahr sicherstellen werde. Am folgenden Tage schrieb er auch noch an die Königin Wittwe und an den Lordschatzmeister, die er beide dringend bat, sich für ihn zu verwenden.[105]

Das Erstaunen war groß, als es in London bekannt wurde, wie tief er sich erniedrigt hatte, und Niemand wunderte sich mehr darüber, als Barillon, der zwei blutige Proscriptionen in England erlebt und zahlreiche Opfer, sowohl von der Opposition als vom Hofe, gesehen hatte, die sich ohne weibisches Flehen und Jammern in ihr Schicksal ergaben.[106]

[105.] Der Brief an den König wurde damals auf besondren Befehl gedruckt, der an die Königin Wittwe befindet sich unter Sir H. Ellis’ Originalbriefen; der an Rochester in Clarendon’s Correspondenz.

[106.] Er schrieb: „On trouve fort à redire icy qu’il ayt fait une chose si peu ordinaire aux Anglois.“ 13.(23.) Juli 1685.