[203.] Rochester’s Minutes, Dec. 19. 1686; Barillon, 30. Dec. (9. Jan.) 1686/87; Burnet, I. 685; Clarke’s Life of James the Second, II. 102; Treasury Warrant Book, Dec. 29. 1686.
Entlassung Clarendon’s. [In] seinem Sturze riß er auch Clarendon mit zu Boden. Am 7. Januar 1687 verkündete die Gazette der Bevölkerung von London, daß das Schatzamt einer Commission zur Verwaltung übertragen sei.
Tyrconnel Lordstellvertreter. [Am] 8. Januar kam in Dublin eine Depesche an, welche formell anzeigte, daß Tyrconnel in einem Monate die Regierung von Irland übernehmen werde. Nicht ohne große Schwierigkeiten hatte dieser Mann die zahlreichen Hindernisse bewältigen können, die seinem Ehrgeize im Wege standen. Es war wohl bekannt, daß die Vernichtung der englischen Colonie in England das Ziel war, nach dem sein Sinn strebte. Er hatte deshalb einige Bedenken des Königs zu zerstreuen und den Widerstand nicht nur aller protestantischen Mitglieder der Regierung sowie der gemäßigten und achtbaren Häupter des Katholicismus, sondern selbst mehrerer Mitglieder der jesuitischen Cabale zu besiegen.[204] Sunderland erschrak vor dem Gedanken an eine religiöse, politische und sociale Revolution in Irland. Der Königin war Tyrconnel persönlich zuwider. Powis wurde daher als der für das Vicekönigthum am besten geeignete Mann betrachtet. Er war von erlauchter Abkunft und ein aufrichtiger Katholik, galt aber bei alledem auch in den Augen der aufrichtigsten Protestanten allgemein für einen braven Mann und einen guten Engländer. Doch aller Widerstand zerschellte an Tyrconnel’s Energie und List. Er schmeichelte, tobte und bestach unermüdlich. Petre’s Beistand gewann er durch Schmeichelei; Sunderland wurde durch Versprechungen und zugleich durch Drohungen mürbe gemacht. Für seine Unterstützung wurde ein hoher Preis geboten, bestehend in einer Leibrente von fünftausend Pfund auf die Staatseinkünfte Irlands, ablösbar durch einmalige Bezahlung einer Summe von fünfzigtausend Pfund. Würde dieses Anerbieten zurückgewiesen, so drohte Tyrconnel, es dem Könige zu verrathen, daß der Lordpräsident einmal beim Freitagsdiner Seine Majestät als einen Schwachkopf geschildert habe, der entweder durch ein Weib oder durch einen Priester geleitet werden müsse. Sunderland erklärte sich in Todesangst bereit, Tyrconnel das militairische Obercommando, einen kolossalen Gehalt, kurz alles Mögliche zu verschaffen, nur nicht das Vicekönigthum; aber jeder Vergleich wurde verworfen, und er mußte nachgeben. Maria von Modena selbst blieb nicht frei von dem Verdachte, daß sie sich habe bestechen lassen. Es existirte in London eine berühmte Perlenschnur, die auf zehntausend Pfund geschätzt wurde. Sie hatte dem Prinzen Ruprecht gehört, und dieser hatte sie der Margarethe Hughes hinterlassen, einer Courtisane, die in den letzten Jahren seines Lebens eine unbegrenzte Herrschaft über ihn ausgeübt. Tyrconnel rühmte sich laut, daß er mit dieser Perlenschnur die Unterstützung der Königin erkauft habe. Manche betrachteten jedoch diese Geschichte als eine von Dick Talbot’s Wahrheiten und hielten sie für eben so unbegründet wie die Verleumdungen, welche er sechsundzwanzig Jahre früher erfunden hatte, um den guten Ruf der Anna Hyde zu untergraben. Den römisch-katholischen Höflingen gegenüber pflegte er von der Unsicherheit ihrer Ämter, Titel und Einkünfte zu sprechen. Der König könne morgen sterben und sie seien dann einer feindlichen Regierung und einem feindlichen Pöbel preisgegeben; könnte man aber in Irland den alten Glauben zur Herrschaft bringen und in jenem Lande das protestantische Interesse vernichten, so hätten sie doch im schlimmsten Falle ein Asyl, wohin sie sich zurückziehen und von wo aus sie mit Vortheil entweder unterhandeln oder sich vertheidigen könnten. Ein papistischer Priester wurde durch das Versprechen der Mitra von Waterford gewonnen, um in St. James gegen die Ansiedelungsacte zu predigen, und seine Predigt war nicht ohne Wirkung, wenn sie auch von dem englischen Theile der Zuhörer mit Unwillen angehört würde. Der Kampf, den in Jakob’s Brust der Patriotismus eine Weile gegen die Bigotterie zu bestehen gehabt hatte, war vorüber. „In Irland ist ein Werk zu verrichten,“ sagte er, „dem kein Engländer gewachsen ist.“[205]
Alle Hindernisse waren endlich beseitigt und im Februar 1687 begann Tyrconnel mit der Macht und den Einkünften eines Lordlieutenants, aber mit dem bescheideneren Titel eines Lordstellvertreters sein Geburtsland zu regieren.
[204.] Bischof Malony sagt in einem Briefe an Bischof Tyrrel: „Nie wird ein Katholik oder ein Engländer an Ihre Wiedereinsetzung denken oder einen Schritt dazu thun oder gestatten, daß der König einen Schritt dazu thut, sondern er wird Sie in Ihrer bisherigen Lage und unter dem Joche Ihrer Feinde lassen; ebensowenig wird ein Engländer, gleichviel ob Katholik oder nicht, welchem Stande und Range er auch angehören möchte, Anstand nehmen, dem geringsten eigenen Interesse in England ganz Irland aufzuopfern, und lieber ganz Irland von Engländern irgend welcher Religion, als von Irländern bewohnt sehen.“
[205.] Den besten Aufschluß über diese Vorgänge geben die Sheridan-Handschr.
Besorgnisse der englischen Ansiedler in Irland. [Seine] Ankunft verbreitete Schrecken unter der ganzen englischen Bevölkerung. Ein großer Theil der angesehensten Bewohner von Dublin, Gentlemen, Kaufleute und Gewerbtreibende, begleiteten Clarendon über den St. Georgskanal oder folgten ihm sehr bald nach. Es sollen binnen wenigen Tagen fünfzehnhundert Familien ausgewandert sein. Der Schrecken war auch nicht unbegründet. Das Werk, die Colonisten unter die Füße der Eingebornen zu werfen, wurde eifrig betrieben. In kurzer Zeit war fast jeder Geheimrath, Richter, Sheriff, Mayor, Alderman und Friedensrichter ein Celte und Katholik. Bald schien Alles zu einer allgemeinen Wahl und zur Zusammensetzung eines Unterhauses reif zu sein, das zur Aufhebung der Ansiedlungsacte geneigt war.[206] Die, welche kurz zuvor die Herren der Insel gewesen waren, klagten jetzt laut in ihrer Herzensangst, daß sie zur Beute und zum Gespött ihrer Leibeigenen und ihres Gesindes geworden wären, daß ungestraft Häuser angezündet und Vieh gestohlen würde, daß die neuen Soldaten plündernd, schimpfend, schändend und verstümmelnd im Lande umherstreiften und die Protestanten mit Betttüchern prellten oder bei den Haaren aufknüpften und durchpeitschten, daß man sich vergebens auf das Gesetz berufe, daß irische Richter, Sheriffs, Geschworne und Zeugen sich alle verbunden hätten, um die irischen Verbrecher zu schützen und daß selbst ohne eine Parlamentsacte der gesammte Grund und Boden bald in andere Hände übergehen werde, indem bei jeder unter Tyrconnel’s Verwaltung erhobenen Ausweisungsklage für die Eingebornen und gegen den Engländer entschieden worden sei.[207]
Während Clarendon’s Aufenthalt in Dublin war das Geheimsiegel in den Händen einer Commission gewesen. Seine Freunde hofften, daß er es bei seiner Zurückkunft nach London wieder erhalten werde. Aber der König und die jesuitische Cabale hatten sich vorgenommen, daß die Ungnade der Hyde vollständig sein sollte. Lord Arundell von Wardour, ein Katholik, erhielt das Geheimsiegel, Bellasyse, auch ein Katholik, wurde erster Lord des Schatzes, und Dover, gleichfalls Katholik, erhielt einen Sitz im Schatzamt. Die Ernennung eines zu Grunde gerichteten Spielers zu einem solchen Posten würde allein schon hingereicht haben, um das Publikum aufzubringen. Der ausschweifende Etherege, welcher damals als englischer Gesandter in Regensburg lebte, konnte sich nicht enthalten, mit einem höhnischen Lächeln die Hoffnung auszusprechen, daß sein alter Zechbruder Dover das Geld des Königs fester halten werde als sein eignes. Damit die Finanzen durch unfähige und unerfahrene Papisten nicht zerrüttet werden möchten, wurde der dienstwillige, umsichtige und verschwiegene Godolphin zum Schatzcommissar ernannt, blieb aber nach wie vor Kammerherr der Königin.[208]
[206.] Sheridan-Handschr.; Oldmixon’s Memoirs of Ireland; King’s State of the Protestants of Ireland, chap. 3; Apology for the Protestants of Ireland, 1689.
[207.] Secret Consults of the Romish Party in Ireland, 1690.