Es gelang den Verbannten, theils aus eigenen Mitteln, theils durch Beiträge von Freunden in Holland eine für beide Expeditionen genügende Summe aufzubringen. Von London erhielten sie nur sehr wenig. Sie hatten von dort sechstausend Pfund erwartet; anstatt des Geldes aber kamen Entschuldigungen von Wildman, welche Allen, die nicht blind sein wollten, die Augen hätten öffnen sollen. Der Herzog deckte den Ausfall, indem er seine eigenen Juwelen und die der Lady Wentworth verpfändete. Es wurden Waffen, Munition und Proviant gekauft und mehrere in Amsterdam liegende Schiffe damit befrachtet [23].

[21.] Grey’s Narrative; Wade’s Confession, Harl. MS. 6845.

[22.] Burnet, I. 631.

[23.] Grey’s Narrative.

Johann Locke. [Es] ist merkwürdig, daß gerade der ausgezeichnetste und am gröblichsten beleidigte Mann unter den britischen Verbannten sich von allen diesen übereilten Beschlüssen fern hielt. Johann Locke haßte Tyrannei und Verfolgung als Philosoph, aber sein Verstand und sein Character bewahrten ihn vor der Heftigkeit eines Parteigänger. Er hatte mit Shaftesbury auf vertrautem Fuße gestanden und sich dadurch das Mißfallen des Hofes zugezogen. Locke war jedoch so klug und vorsichtig gewesen, daß es wenig genützt haben würde, wenn man ihn vor die damaligen Gerichte gestellt hätte, so verderbt und parteiisch diese auch waren. Nur in einem Punkte war er verwundbar. Er war Mitglied des Christchurch-Collegiums der Universität Oxford. Es ward beschlossen, von diesem berühmten Collegium den größten Mann zu vertreiben, dessen es sich je zu rühmen gehabt hatte. Dies war aber nicht leicht, denn Locke hatte sich in Oxford sorgfältig gehütet, irgendeine Meinung über die Tagespolitik zu äußern. Man hatte ihn mit Spionen umgeben. Doctoren der Theologie und Magister der Philosophie hatten sich nicht geschämt, den schimpflichsten aller Dienste zu leisten, den Mund eines Collegen zu bewachen, um etwaige Äußerungen zu seinem Verderben zu hinterbringen. Das Gespräch in der Halle war absichtlich auf verfängliche Themata gelenkt worden, wie auf die Ausschließungsbill und auf den Character des Earl von Shaftesbury, aber vergebens. Locke ließ sich weder ein unbesonnenes Wort entschlüpfen, noch verstellte er sich, sondern er beobachtete ein so beharrliches Schweigen und eine so gleichgültige Ruhe, daß die Werkzeuge der Gewalt zu ihrem Ärger gestehen mußten, nie habe ein Mann es verstanden, seine Zunge und seine Leidenschaften so vollkommen zu beherrschen. Als man sah, daß man mit Verrath nichts ausrichtete, brauchte man willkürliche Gewalt. Nachdem die Regierung es umsonst versucht hatte, Locke zu einem Fehler zu verleiten, beschloß sie, ihn ohne einen solchen zu bestrafen. Es kam Befehl von Whitehall, ihn seines Amtes zu entsetzen, und der Dechant und die Canonici beeilten sich, diesem Befehle nachzukommen.

Locke reiste zu seiner Erholung auf dem Continent, als er erfuhr, daß er ohne Untersuchung und selbst ohne Benachrichtigung seiner Heimath und seines Unterhalts beraubt worden sei. Die Ungerechtigkeit, mit der man gegen ihn verfahren war, würde es entschuldigt haben, wenn er zu gewaltsamen Mitteln gegriffen hätte, um sich Recht zu verschaffen. Aber persönlicher Groll konnte ihn nicht verblenden. Er erwartete nichts Gutes von den Plänen Derer, die sich in Amsterdam versammelt hatten, und er zog daher in aller Stille nach Utrecht, wo er sich mit der Abfassung seines berühmten Briefes über die Toleranz beschäftigte, während seine Unglücksgefährten auf ihr eignes Verderben hinarbeiteten[24].

[24.] Le Clerc’s Life of Locke; Lord King’s Life of Locke; Lord Grenville’s Oxford and Locke. Locke darf nicht mit dem Anabaptisten Nikolaus Look verwechselt werden, dessen Name in Grey’s Confession Locke geschrieben ist und der auch in den Lansdowne MS. 1152, sowie in der Erzählung von Buccleuch im Anhange zu Rose’s Abhandlung erwähnt wird. Ich würde es kaum für nöthig gehalten haben, hierauf aufmerksam zu machen, hätte nicht die Ähnlichkeit dieser beiden Namen einen mit der Geschichte jener Zeiten so wohlbekannten Mann wie Präsident Onslow irre geführt. Siehe seine Anmerkung über Burnet I. 629.

Vorkehrungen der Regierung zur Vertheidigung Schottlands. [Die] englische Regierung erhielt in Zeiten Kunde davon, daß unter den Verbannten etwas im Werke war. Einen Einfall in England scheint man jedoch zuerst nicht erwartet zu haben; wohl aber fürchtete man, daß Argyle nächstens bewaffnet unter seinen Clansmännern erscheinen werde. In Folge dessen erschien eine Verordnung des Inhalts, daß Schottland in Vertheidigungs­zustand gesetzt werden solle. Die Miliz erhielt Befehl, sich bereit zu halten. Alle dem Namen Campbell feindlich gesinnten Clans wurden in Bewegung gesetzt. John Murray, Marquis von Athol, wurde zum Lordlieutenant von Argyleshire ernannt und er besetzte mit einer starken Abtheilung seiner Untergebenen das Schloß von Inverary. Einige verdächtige Personen wurden eingezogen, andere mußten Bürgschaft leisten. Kriegsschiffe wurden abgesandt, um in der Nähe der Insel Bute zu kreuzen, und ein Theil der irländischen Arme wurde nach der Küste von Ulster dirigirt.[25]

[25.] Wodrow, book III. chap. IX.; London Gazette, May 11, 1685; Barillon, 11.(21.) Mai.

Unterredung Jakob’s mit den holländischen Gesandten. [Während] diese Vorkehrungen in Schottland getroffen wurden, berief Jakob den Arnold Van Citters, der lange als Gesandter der Vereinigten Provinzen in England zugebracht, und Everard Van Dykvelt, der nach Karl’s Tode in einer besonderen Mission zur Beileidsbezeigung und Beglückwünschung von den Generalstaaten nach London geschickt worden war, in sein Kabinet. Der König sagte ihnen, daß er aus sicheren Quellen Kenntniß von Anschlägen gegen seinen Thron erhalten, welche seine verbannten Unterthanen in Holland schmiedeten. Einige von den Verbannten seien Kehlabschneider, welche nur die besondere Fügung Gottes verhindert habe, einen schändlichen Mord zu begehen, und es befinde sich unter ihnen der Eigenthümer des Ortes, an dem das Gemetzel habe vor sich gehen sollen. „Von allen Lebenden,“ setzte der König hinzu, „hat Argyle die größten Mittel in den Händen, mir zu schaden, und Holland ist dasjenige Land, von welchem aus am leichtesten ein Schlag gegen mich geführt werden kann.“ Citters und Van Dykvelt versicherten Seiner Majestät, daß seine Worte der Regierung, die sie vertraten, unverzüglich mitgeteilt werden sollten, und daß zuversichtlich Alles gethan werden würde, um ihn zufrieden zu stellen.[26]