[26.] Register of the Proceedings of the States General, May 5.(15.) 1685.
Vergebliche Versuche, Argyle am Absegeln zu verhindern. [Die] Gesandten waren berechtigt, dieses Vertrauen auszusprechen. Der Prinz von Oranien sowohl als die Generalstaaten wünschten damals sehnlichst, daß ihre Gastfreundschaft nicht zu Zwecken gemißbraucht werde, über welche die englische Regierung sich mit Recht beschweren könnte. Jakob hatte neuerdings eine Sprache geführt, welche der Hoffnung Raum gab, daß er sich nicht geduldig dem Einflusse Frankreichs unterwerfen werde. Es war daher wahrscheinlich, daß er sich zu einem engen Bündnisse mit den Vereinigten Provinzen und mit dem Hause Österreich bestimmen lassen werde, und man vermied deshalb im Haag mit ängstlicher Sorgfalt Alles, was irgend Anstoß bei ihm erregen konnte. Auch vereinigte sich bei dieser Gelegenheit Wilhelm’s eigenes Interesse mit dem Interesse seines Schwiegervaters.
Aber die Lage war von der Art, daß sie rasches und kräftiges Einschreiten erforderte, und die Natur der batavischen Institutionen machte ein solches Einschreiten fast unmöglich. Die Union von Utrecht, welche unter blutigen Revolutionskämpfen und zu dem Zwecke, den dringendsten Bedürfnissen zu genügen, flüchtig entworfen worden, war niemals in ruhiger Zeit sorgfältig revidirt und vervollständigt worden. Jede von den sieben Republiken, weiche diese Union mit einander verbunden hatte, besaß fast noch alle Souverainetätsrechte und behauptete diese Rechte beharrlich der Centralregierung gegenüber. Gleichwie die Bundesgewalt nicht die Mittel hatte, die Provinzialgewalten zu pünktlichem Gehorsam zu zwingen, so hatten auch diese nicht die Mittel, die Municipalbehörden zu pünktlichem Gehorsam zu zwingen. Holland allein enthielt achtzehn Städte, von denen jede in vieler Beziehung einen unabhängigen und keine Einmischung von Außen duldenden Staat bildete. Wenn die Behörden dieser Städte vom Haag einen Befehl erhielten, der ihnen nicht gefiel, so ignorirten sie denselben entweder ganz, oder kamen ihm doch nur langsam und zögernd nach. Bei einigen Stadträthen vermochte allerdings der Wille des Prinzen von Oranien Alles; unglücklicherweise aber war der Ort, wo sich die britischen Verbannten gesammelt hatten und wo ihre Schiffe ausgerüstet worden waren, das reiche und stark bevölkerte Amsterdam, und die Magistratsbeamten von Amsterdam waren die Oberhäupter der gegen die Bundesregierung und gegen das Haus Nassau feindlich gesinnten Partei. Die Marineverwaltung der Vereinigten Provinzen war in den Händen fünf verschiedener Admiralitätsbehörden; eine dieser Behörden hatte ihren Sitz in Amsterdam, wurde theilweis von der städtischen Behörde ernannt und scheint ganz von deren Geiste beseelt gewesen zu sein.
Alle Bemühungen der Bundesregierung, Jakob’s Wünsche zu erfüllen, wurden durch die Ausflüchte der Amsterdamer Beamten und durch die Fehlgriffe des Obersten Bevil Skelton, der eben als Gesandter Englands im Haag angekommen war, vereitelt. Skelton war zur Zeit der englischen Unruhen in Holland geboren und man hatte ihn daher als besonders geeignet für diesen Posten gehalten[27]; allein er war weder für diese noch für irgend eine andre diplomatische Stellung befähigt. Leute, die einen Character gut zu beurtheilen verstanden, erklärten ihn für den seichtesten, unbeständigsten, leidenschaftlichsten, anmaßendsten und geschwätzigsten Menschen, den es geben könne[28]. Er kümmerte sich nicht ernstlich um die Schritte der Flüchtlinge, als bis drei für die Expedition nach Schottland ausgerüstete Schiffe bereits glücklich aus der Zuydersee ausgelaufen, sämmtliche Waffen, Munition und Mundvorräthe an Bord gebracht waren und die Passagiere sich eingeschifft hatten. Anstatt sich nun, wie er hätte thun sollen, an die Generalstaaten zu wenden, welche dicht neben seiner Wohnung ihre Sitzungen hielten, schickte er einen Boten an den Magistrat von Amsterdam mit dem Ersuchen, die verdächtigen Schiffe nicht abfahren zu lassen. Der Magistrat von Amsterdam antwortete, daß der Eingang der Zuydersee außer dem Bereiche seiner Jurisdiction liege, und verwies ihn an die Bundesregierung. Es lag auf der Hand, daß dies eine bloße Ausflucht war und daß durchaus keine Schwierigkeiten gemacht worden wären, wenn man im Amsterdamer Stadthause den ernsten Willen gehabt hätte, Argyle am Absegeln zu verhindern. Jetzt wendete sich Skelton an die Generalstaaten. Sie zeigten sich vollkommen geneigt, seinem Ansuchen zu willfahren, und da die Zeit drängte, wichen sie von dem Verfahren ab, das sie sonst in ihrem Geschäftsgange zu beobachten pflegten. Noch denselben Tag, an welchem der Oberst sich an sie gewendet, wurde ein in genauer Übereinstimmung mit seinem Gesuch abgefaßter Befehl der Admiralität von Amsterdam zugefertigt. In diesem Befehle aber war in Folge unrichtiger Andeutungen von Seiten Skelton’s die Lage der Schiffe nicht genau bezeichnet. Es hieß darin, sie lägen im Texel, während sie sich bei Vlieland befanden. Die Admiralität von Amsterdam nahm diesen Fehler zum Vorwand, um nichts zu thun, und bevor er berichtigt werden konnte, waren die drei Schiffe abgesegelt.[29]
[27.] Dies wird in seinem Beglaubigungsschreiben vom 16. März 1684/85 erwähnt.
[28.] Bonrepeaux an Seignelay vom 4.(14.) Febr. 1686.
[29.] Avaux Neg. April 30. (May 10.), May 1.(11.), May 5.(15.) 1685; Sir Patrick Hume’s Narrative; Brief von der Admiralität von Amsterdam an die Generalstaaten vom 20. Juni 1685; Memorial Skelton’s an die Generalstaaten vom 10. Mai 1685.
Argyle’s Abreise von Holland. [Die] letzten Stunden, welche Argyle an der Küste Hollands zubrachte, waren Stunden der größten Angst. In seiner Nähe lag ein holländisches Kriegsschiff, das mit einer vollen Lage in einem Augenblicke die ganze Expedition zu Schanden gemacht haben würde. Auch ruderte ein Boot um seine kleine Flotte herum, in welchem sich einige Personen mit Fernröhren befanden, die er für Spione hielt. Es wurde jedoch kein wirklicher Schritt gethan, um ihn zurückzuhalten, und am Nachmittage des 2. Mai ging er mit günstigem Winde unter Segel.
Die Fahrt war glücklich. Am Sechsten bekam man die Orkneyinseln in Sicht. Argyle ging sehr unklugerweise auf der Höhe von Kirkwall vor Anker und gestattete zwei von seinen Begleitern, hier ans Land zu gehen. Der Bischof gab Befehl, sie festzunehmen. Die Flüchtlinge begannen eine lange und lebhafte Debatte über diesen Unfall, denn zu Debatten fehlte es ihnen vom Anfang bis zum Ende der Expedition nie an Energie und Ausdauer, so zaghaft und unschlüssig sie im Übrigen waren. Einige stimmten für einen Angriff auf Kirkwall, Andere für unverweilte Fortsetzung der Reise nach Argyleshire. Endlich ließ der Earl einige an der Küste der Insel wohnende Gentlemen festnehmen und schlug dann dem Bischofe die Auswechselung der Gefangenen vor. Der Bischof gab keine Antwort und die Flotte segelte wieder ab, nachdem sie drei Tage verloren hatte.
Argyle landet in Schottland. [Diese] Verzögerung war höchst gefährlich. Es wurde sehr bald in Edinburg bekannt, daß das Geschwader der Aufrührer die Orkneyinseln berührt hatte, und man setzte daher schleunigst Truppen in Bewegung. Als der Earl seine Provinz erreichte, fand er, daß Vorkehrungen getroffen waren, um seine Landung zu verhindern. Bei Dunstaffnage schickte er seinen zweiten Sohn Karl ans Land, um die Campbells zu den Waffen zu rufen. Karl aber kam mit schlimmen Nachrichten zurück. Die Hirten und Fischer waren wohl bereit, sich um Mac Callum More zu schaaren, aber von den Häuptlingen der Clans waren einige gefänglich eingezogen, andere waren geflohen, und die Zurückgebliebenen hielten es entweder mit der Regierung oder wollten doch von einem Aufstande nichts wissen und weigerten sich sogar, den Sohn ihres Stammoberhauptes nur vor sich zu lassen. Von Dunstaffnage segelte die kleine Flotte weiter nach Campbelltown, unweit der Südspitze der Halbinsel Kintyre. Hier veröffentlichte der Earl ein Manifest, das in Holland unter der Leitung des Ausschusses von einem schottischen Advokaten, Jakob Stewart, abgefaßt war, dessen Feder wenige Monate darauf zu ganz anderen Dingen verwendet wurde. In diesem Erlasse waren in einer Sprache, deren starke Ausdrücke zuweilen an possenhafte Gemeinheit grenzten, viele wahre und einige eingebildete Beschwerden auseinandergesetzt. Unter Andrem war darin angedeutet, der letzte König sei an Gift gestorben. Für einen Hauptzweck der Expedition wurde die völlige Unterdrückung nicht nur des Papismus, sondern auch des Prälatenthums erklärt, welches die bitterste Wurzel und Frucht des Papismus genannt war, und alle guten Schotten wurden ermahnt, der Sache ihres Vaterlandes und ihres Gottes tapfren Beistand zu leihen. So eifrig Argyle auch für das, was er den reinen Glauben nannte, eingenommen war, scheute er sich doch nicht, einen halb papistischen, halb heidnischen Gebrauch in Anwendung zu bringen. Das geheimnißvolle Kreuz von Eibenholz, das zuerst angezündet und dann in Ziegenblut gelöscht wurde, ward ausgeschickt, um alle Campbells vom sechzehnten bis zum sechzigsten Jahre aufzurufen. Die Landenge von Tarbet war zum Sammelplatz bestimmt. Die Truppe, die sich dort sammelte, war zwar klein im Vergleich zu der, welche zusammengekommen sein würde, wenn der Muth und die Kraft der Clans noch ungebrochen gewesen wäre, doch war sie noch immer achtunggebietend. Sie erreichte die Zahl von achtzehnhundert Mann. Argyle theilte seine Bergschotten in drei Regimenter und schritt zur Ernennung der Offiziere.