Argyle’s Zwistigkeiten mit seinen Begleitern. [Die] schon in Holland begonnenen Zänkereien hatten zwar während des ganzen bisherigen Verlaufs der Expedition noch nicht aufgehört; in Tarbet aber wurden sie heftiger als je. Der Ausschuß wollte sich selbst in die patriarchalische Oberherrschaft des Earl über die Campbells einmischen und ihm nicht einmal gestatten, den militärischen Rang seiner Stammverwandten nach eignem Ermessen zu bestimmen. Während diese streitsüchtigen Friedensstörer ihm seine Macht in den Hochlanden zu entreißen suchten, unterhielten sie ihre eigne Correspondenz mit dem Niederlande und wechselten Briefe, die dem nominellen General nie mitgetheilt wurden. Hume und seine Verbündeten hatten sich die Oberaufsicht über die Vorräthe vorbehalten und sie führten diesen wichtigen Zweig der Kriegsverwaltung mit einer Lässigkeit, welche von Treulosigkeit kaum zu unterscheiden war, ließen die Waffen verderben, vergeudeten die Lebensmittel und lebten in verschwenderischer Üppigkeit zu einer Zeit, wo sie allen Untergebenen mit dem Beispiele der Mäßigkeit hätten vorangehen sollen.
Die große Frage war nun, ob die Hochlande oder die Niederlande[30] der Schauplatz des Krieges sein sollten. Des Earl’s Hauptziel war für jetzt, seine Autorität über sein eignes Gebiet zu befestigen, die fremden Clans, welche aus Perthshire in Argyleshire eingedrungen waren, wieder hinauszutreiben und seinen alten Stammsitz zu Inverary wieder einzunehmen. Dann konnte er hoffen, vier- bis fünftausend Schwerter zu seiner Verfügung zu haben, und mit einer solchen Streitmacht würde er im Stande gewesen sein, diese wilden Gegenden gegen die ganze Macht des Königreichs Schottland zu vertheidigen, so wie auch eine vortreffliche Grundlage zu Angriffsoperationen gewonnen haben. Dies scheint der vernünftigste Weg gewesen zu sein, der ihm offen stand. Rumbold, der eine ausgezeichnete Kriegsschule durchgemacht hatte und von dem man, da er Engländer war, erwarten konnte, daß er ein unparteiischer Schiedsrichter zwischen den schottischen Factionen sein werde, that Alles, was in seinen Kräften stand, um den Earl zu unterstützen. Hume und Cochrane aber waren durchaus unfügsam, ihre Eifersucht auf Argyle war in der That stärker, als der Wunsch, daß die Expedition gelingen möge. Sie sahen, daß er zwischen seinen Bergen und Seen und an der Spitze eines hauptsächlich aus Mitgliedern seines eignen Stammes gebildeten Heeres im Stande sein werde, ihren Widerstand zu brechen und die volle Autorität eines Generals auszuüben. Sie munkelten, daß die Niederländer die Einzigen seien, denen die gute Sache wirklich am Herzen liege, und daß die Campbells weder für die Freiheit, noch für die Kirche Gottes, sondern lediglich für Mac Callum More die Waffen ergriffen hätten. Cochrane erklärte, er werde nach Ayrshire gehen, und wenn er allein, mit nichts als einer Heugabel in der Hand gehen sollte. Nach langem Widerstreben willigte Argyle endlich gegen seine bessere Überzeugung darein, daß sein kleines Heer getheilt wurde. Er blieb mit Rumbold in den Hochlanden und Cochrane und Hume traten an die Spitze des Korps, das zu einem Einfall in die Niederlande absegelte.
Cochrane’s Ziel war Ayrshire; aber die Küste dieser Grafschaft war von englischen Fregatten bewacht und die Abenteurer mußten daher die Mündung des Clyde bis Greenock hinauffahren, das damals ein kleines, aus einer einzigen Reihe von Strohhütten bestehendes Fischerdorf war, jetzt aber ein großer, blühender Hafen ist, dessen Zolleinnahmen die Gesammteinkünfte, welche die Stuarts aus dem Königreiche Schottland zogen, um das Fünffache übersteigen. Bei Greenock stand eine Abtheilung Miliz; Cochrane aber brauchte Proviant und war daher entschlossen, zu landen. Hume machte Einwendungen, Cochrane aber bestand fest darauf und befahl einem Offizier, Namens Elphinstone, mit zwanzig Mann in einem Boot ans Ufer zu fahren. Aber der streitsüchtige Geist der Führer hatte alle Reihen angesteckt. Elphinstone antwortete, er sei nur verpflichtet, vernünftigen Befehlen zu gehorchen, dieser aber sei unvernünftig, kurz, er werde nicht gehen. Major Fullarton, ein braver Mann, den alle Parteien achteten, der aber ein spezieller Freund Argyle’s war, unternahm es, mit nur zwölf Mann zu landen und es gelang ihm trotz des Feuers, das von der Küste aus auf ihn gerichtet wurde. Es entspann sich ein kleines Gefecht und die Miliz wich zurück. Cochrane rückte in Greenock ein, verschaffte sich Mehlvorrath, fand aber das Volk nicht geneigt zum Aufstande.
[30.] Nämlich die schottischen. D. Übers.
Stimmung der schottischen Nation. [Die] öffentliche Stimmung in Schottland war in der That nicht so, wie die Verbannten, welche durch die ihrer Klasse zu jeder Zeit eigne Verblendung bethört waren, sie erwartet hatten. Die Regierung war zwar gehässig und gehaßt, aber die Mißvergnügten waren in Parteien gespaltet, welche gegen einander fast eben so feindselig gesinnt waren, wie gegen ihre Beherrscher, und keine von diesen Parteien zeigte sonderliche Lust, sich den Einfallenden anzuschließen. Viele sprachen dem Aufstande jede Aussicht auf Erfolg ab, und der Muth vieler Anderen war durch lange und grausame Bedrückung wirksam gebrochen worden. Allerdings gab es noch eine Klasse von Enthusiasten, welche nicht gewohnt waren, die Aussichten des Gelingens zu erwägen, und die der Druck nicht gezähmt, sondern im Gegentheil aufs Äußerste erbittert hatte; aber diese Leute sahen keinen großen Unterschied zwischen Argyle und Jakob. Ihr Zorn war auf einen solchen Grad gestiegen, daß das, was jeder Andere glühenden Eifer genannt haben würde, in ihren Augen laodicäische Lauheit war. Auf der Vergangenheit des Earl lastete ein Flecken, den sie als die schändlichste Apostasie betrachteten. Die nämlichen Hochländer, die er jetzt zur Ausrottung des Prälatenthums aufrief, hatte er wenige Jahre vorher zur Vertheidigung desselben aufgerufen. Waren Sklaven, die von Religion nichts wußten und sich nicht um sie kümmerten, welche bereit waren, für Synodalverfassung, für Episkopat und für Papstthum zu kämpfen, wie es Mac Callum More gerade zu befehlen geruhte, würdige Bundesgenossen für das auserwählte Volk Gottes? Das in unschicklichem und intolerantem Tone gehaltene Manifest erschien diesen Fanatikern als ein feiges und weltliches Machwerk. Eine Verfassung, wie Argyle sie ihnen gegeben haben würde und wie sie nachher ein mächtigerer und glücklicherer Befreier ihnen gab, schien ihnen keines Kampfes werth. Sie verlangten nicht nur Gewissensfreiheit für sich, sondern auch unumschränkte Herrschaft über die Gewissen Andrer, nicht blos presbyterianische Lehre, Verfassung und Gottesdienst, sondern den Covenant in seiner äußersten Strenge. Sie waren nur dadurch zu befriedigen, daß alle Zwecke, um deretwillen die bürgerliche Gesellschaft besteht, der Herrschaft eines theologischen Systems aufgeopfert wurden. Wer da glaubte, daß keine Form des Kirchenregiments eine Verletzung der Nächstenliebe werth sei, wer Verständigung und Toleranz empfahl, der schwankte zwischen Jehova und Baal, wie sie sich ausdrückten. Wer Handlungen, wie die Ermordung des Kardinals Beatoun und des Erzbischofs Sharpe verdammte, verfiel in die nämlichen Fehler, um dessentwillen Saul als König über Israel verworfen worden war. Alle Maßregeln, durch welche unter civilisirten und christlichen Menschen die Schrecken des Kriegs gemildert werden, waren dem Herrn ein Gräuel. Pardon durfte weder genommen noch gegeben werden. Ein rasender Malaye, ein von einem Haufen verfolgter toller Hund: das waren die Vorbilder, die sich Krieger, welche zu gerechter Selbstvertheidigung kämpften, zum Muster nehmen sollten. Für Gründe, durch die sich Staatsmänner und Generäle bei ihren Schritten, leiten lassen, waren diese Zeloten durchaus unempfänglich. Wenn ein Mann es wagte, solche Gründe anzuführen, so war dies schon ein hinreichender Beweis, daß er nicht zu den Gläubigen gehörte. Wenn der göttliche Segen fehlte, so konnten auch schlaue Politiker, kriegserfahrene Heerführer, Waffenkisten aus Holland oder Regimenter nicht wiedergeborener Celten aus den Gebirgen von Lorn wenig ausrichten. War jedoch auf der andren Seite die Zeit des Herrn wirklich gekommen, so konnte er noch immer wie vor Alters durch das, was thöricht ist, die Weisen vor der Welt zu Schanden machen und durch Wenige eben so gut wie durch Viele erretten. Die breiten Schwerter Athol’s und die Bajonette Claverhouse’s konnten durch eben so bescheidene Waffen wie die Schleuder David’s oder die Krüge Gideon’s in die Flucht geschlagen werden.[31]
Nachdem Cochrane die Unmöglichkeit erkannt hatte, die Bevölkerung südlich vom Clyde zum Aufstande zu bewegen, kehrte er zu Argyle zurück, der sich auf der Insel Bute befand. Der Earl schlug nun abermals vor, einen Angriff auf Inverary zu versuchen; allein er stieß abermals auf hartnäckige Opposition. Die Seeleute hielten es mit Cochrane und Hume, die Hochländer unterwarfen sich unbedingt den Befehlen ihres Anführers. Es stand zu befürchten, daß es zwischen den beiden Parteien zu Thätlichkeiten kommen würde, und die Besorgniß vor einem solchen Unglück bewog den Ausschuß zu einigen Zugeständnissen. Das Schloß Ealan Ghierig, an der Mündung des Loch[32] Riddan gelegen, wurde zum Hauptwaffenplatz erwählt. Die Kriegsvorräthe wurden dort ausgeschifft und das Geschwader dicht an den Wällen an einer Stelle, wo es durch Felsen und Untiefen, welche ihrer Meinung nach eine Fregatte nicht passiren konnte, geschützt war, vor Anker gelegt. Dann wurden Außenwerke aufgeworfen und eine Batterie von einigen von den Schiffen genommenen kleinen Kanonen aufgefahren. Das Commando in dem Fort ward höchst unklugerweise Elphinstone übertragen, der schon Beweise gegeben hatte, daß er weit mehr geneigt war, sich mit seinen Vorgesetzten zu streiten, als gegen den Feind zu kämpfen.
Jetzt wurde auf einige Stunden ein wenig Energie entwickelt. Rumbold nahm das Schloß Ardkingglaß. Der Earl scharmützelte erfolgreich mit Athol’s Truppen und war schon im Anrücken gegen Inverary begriffen, als er in Folge schlimmer Nachrichten von den Schiffen und durch Parteispaltungen im Ausschusse gezwungen wurde, wieder umzukehren. Die königlichen Fregatten waren Ealan Ghierig näher gekommen, als man es für möglich gehalten, und die Herren vom Niederland weigerten sich auf das Bestimmteste, noch weiter in’s Hochland vorzurücken. Argyle eilte zurück nach Ealan Ghierig. Dort angelangt, schlug er einen Angriff auf die Fregatten vor. Seine Schiffe waren zwar zu einem solchen Unternehmen nicht hinreichend, aber sie wären durch eine Flotille von dreißig großen mit bewaffneten Hochländern wohlbemannten Fischerböten unterstützt worden. Der Ausschuß wollte jedoch von diesem Plane nichts hören und vereitelte denselben auch wirklich durch Anzettelung einer Meuterei unter dem Schiffsvolke.
Jetzt entstand allgemeine Verwirrung und Entmuthigung. Die Mundvorräthe waren vom Ausschusse so schlecht verwaltet worden, daß es den Truppen an Lebensmitteln fehlte. Die Hochländer desertirten daher zu Hunderten und der durch sein Mißgeschick gänzlich zu Boden gedrückte Earl gab dem Andringen Derer nach, welche noch immer hartnäckig darauf bestanden, daß er in das Niederland vorrücken solle.
Die kleine Armee brach demgemäß eiligst nach den Ufern des Loch Long auf, setzte bei Nacht in Böten über die Einfahrt und landete in Dumbartonshire. Hier erhielten sie am folgenden Morgen die Nachricht, daß die Fregatten einen Durchgang forcirt hatten, daß sämmtliche Schiffe des Earls genommen worden waren, und daß Elphinstone ohne Schwertstreich aus Ealan Ghierig geflohen sei und das Schloß mit allen Vorräthen dem Feinde überlassen habe.
Es blieb nun weiter nichts übrig, als auf jede Gefahr hin in das Niederland vorzudringen. Argyle beschloß einen kühnen Handstreich auf Glasgow zu wagen. Sobald aber dieser Entschluß bekannt wurde, ergriff dieselben Männer, die ihn bis zu diesem Augenblicke gedrängt hatten, in das Niederland zu eilen, ein panischer Schrecken, sie stritten, machten Gegenvorstellungen, und da ihr Streiten und ihre Vorstellungen erfolglos blieben, entwarfen sie den Plan, sich der Böte zu bemächtigen, auf eigne Hand zu entfliehen und es ihrem General und seinen Clansleuten zu überlassen, ohne Hülfe zu siegen oder unterzugehen. Dieser Plan schlug jedoch fehl, und die Feiglinge, die ihn gefaßt hatten, waren gezwungen, mit tapferen Männern die Gefahren des letzten Wagnisses zu theilen.