Am 3. Mai 1695 erlosch das Gesetz, das die Presse einer Censur unterworfen hatte. Innerhalb der nächsten vierzehn Tage erließ ein entschiedener alter Whig, Namens Harris, der in den Tagen der Ausschließungsbill den Versuch gemacht hatte, eine Zeitung unter dem Titel „Intelligence Domestic and Foreign” zu begründen, aber diesen Plan bald wieder hatte aufgeben müssen, die Anzeige, daß die vor vierzehn Jahren durch die Tyrannei unterdrückte „Intelligence Domestic and Foreign” wieder erscheinen würde. Zehn Tage nach der ersten Nummer der Intelligence erschien die erste Nummer des „English Courant”. Dann kam das „Packet Boat from Holland and Flanders”, der „Pegasus”, der „London Newsletter”, die „London Post”, die „Flying Post”, der „Old Postmaster”, der „Postboy” und der „Postman”. Die Geschichte der Zeitungen von jener Zeit bis auf unsere Tage ist ein höchst interessanter und lehrreicher Theil der Geschichte des Landes. Im Anfang waren sie klein und unansehnlich. Selbst der Postboy und der Postman, welche die bestredigirten und gangbarsten gewesen zu sein scheinen, waren abscheulich auf Blätter von schmutziggrauem Papier gedruckt, wie man es heutzutage nicht gut genug für Straßenballaden halten würde. Es erschienen wöchentlich nur zwei Nummern, und eine Nummer enthielt nicht viel mehr Stoff, als man jetzt in einer einzigen Spalte unserer Tagesblätter findet. Was man jetzt einen Leitartikel nennt, erschien nur selten, außer wenn Mangel an Neuigkeiten war, wenn die holländischen Posten durch den Westwind aufgehalten wurden, wenn die Rapparees im Sumpfe von Allen sich ruhig verhielten, wenn keine Diligence von Straßenräubern angefallen, wenn keine eidverweigernde Gemeinde durch Constabler zerstreut worden, wenn kein Gesandter mit einem langen Gefolge sechsspänniger Equipagen angekommen war, wenn kein Lord oder Dichter in der Abtei begraben worden und wenn es in Folge dessen schwer war, vier dürftige Seiten zu füllen. Indessen waren die Leitartikel, obgleich sie, wie es scheint, nur in Ermangelung anziehenderen Stoffes aufgenommen wurden, keineswegs schlecht geschrieben.
Es ist ein bedeutsames Factum, daß die jungen Zeitungen alle auf Seiten Wilhelm’s und der Revolution waren. Dieses Factum mag sich zum Theil durch den Umstand erklären lassen, daß anfangs die Existenz der Herausgeber von ihrem guten Verhalten abhing. Es war keineswegs klar, ob ihr Gewerbe an sich nicht ungesetzlich war. Das Drucken von Zeitungen war allerdings durch kein Gesetz verboten; aber gegen das Ende der Regierung Karl’s II. hatten die Richter erklärt, daß es nach dem Landrecht ein Vergehen sei, politische Nachrichten ohne Erlaubniß des Königs zu veröffentlichen. Freilich waren die Richter, welche dieses Prinzip aufstellten, nach dem Belieben des Königs absetzbar und beeiferten sich bei jeder Gelegenheit, die königliche Prärogative zu erhöhen. Wie Holt und Treby die Frage, wenn sie wieder aufgeworfen worden wäre, entschieden haben würden, ist zweifelhaft, und die Folge dieser Ungewißheit war, daß die Minister der Krone Nachsicht übten und daß die Journalisten sich vorsahen. Keiner von beiden Theilen hegte den Wunsch, die Rechtsfrage zur Erörterung zu bringen. Die Regierung ließ daher das Erscheinen von Zeitungen stillschweigend hingehen, und die Herausgeber derselben hüteten sich sorgfältig, etwas zu drucken, was die Regierung provociren oder beunruhigen konnte. In einer der ersten Nummern eines der neuen Journale erschien allerdings ein Artikel, der darauf hindeuten zu wollen schien, daß die Prinzessin Anna sich nicht aufrichtig über den Fall von Namur freue. Aber der Drucker beeilte sich, seinen Fehler durch die demüthigsten Entschuldigungen wieder gut zu machen. Eine geraume Zeit waren die nichtamtlichen Zeitungen, wenn auch viel plauderhafter und unterhaltender als die amtliche Gazette, fast eben so höfisch. Wer sie nachliest, wird finden, daß der König stets mit der größten Ehrerbietung erwähnt wird. Ueber die Debatten und Abstimmungen der beiden Häuser wird ein ehrfurchtsvolles Stillschweigen beobachtet. Es kommen zwar viel Schmähungen darin vor; aber diese sind fast alle gegen die Jakobiten und die Franzosen gerichtet. Es scheint gewiß, daß die Regierung Wilhelm’s durch die Substituirung dieser unter beständiger Furcht vor dem Generalfiskal redigirten gedruckten Zeitungen an Stelle der mit zügelloser Freiheit geschriebenen Neuigkeitsbriefe nicht wenig gewann.[59]
Die Pamphletisten standen unter minder harten Beschränkungen als die Journalisten; doch muß Jeder, der die politische Polemik der damaligen Zeit aufmerksam studirt hat, bemerkt haben, daß die Libelle gegen Wilhelm’s Person und Verwaltung während der zweiten Hälfte seiner Regierung entschieden weniger heftig und hämisch waren als während der ersten Hälfte. Und der Grund davon ist offenbar kein andrer als der, weil die Presse, welche während der ersten Hälfte seiner Regierung in Ketten und Banden lag, während der zweiten Hälfte frei war. So lange die Censur bestand, hatte keine Schrift, welche die Leitung eines Verwaltungszweiges wenn auch in der gemäßigtsten und anständigsten Sprache tadelte, Aussicht, mit Genehmigung des Censors gedruckt werden zu dürfen. Im Allgemeinen blieben daher selbst die achtbaren und gemäßigten Gegner des Hofes, da sie es nicht über sich gewinnen konnten, in der vom Gesetz vorgeschriebenen Weise zu drucken, und es nicht für recht oder rathsam hielten, in einer vom Gesetz verbotenen Weise zu drucken, lieber ganz still und überließen die Kritik der Verwaltung zwei Klassen von Menschen: fanatischen Eidverweigerern, welche aufrichtig glaubten, daß der Prinz von Oranien eben so wenig Anspruch auf Schonung oder Artigkeit habe, wie der Fürst der Finsterniß, und gemeinen, boshaften und lästerzüngigen Miethlingen in Grub Street. Daher gab es unter den Vielen, welche gegen die Regierung zu schreiben pflegten, kaum einen einzigen Verständigen, Gemäßigten und Rechtschaffenen. Die Gewohnheit, gegen die Regierung zu schreiben, übte in der That an sich eine ungünstige Wirkung auf den Character aus, denn wer gewohnt war, gegen die Regierung zu schreiben, der war auch gewohnt, die Gesetze zu übertreten, und die Gewohnheit selbst ein unbilliges Gesetz zu übertreten, führt den Menschen zu völliger Gesetzlosigkeit. Wie absurd ein Zolltarif auch immer sein mag, ein Schmuggler wird stets nur zu wahrscheinlich ein Schurke und Spitzbube sein. Wie despotisch ein Jagdgesetz immer sein mag, der Uebergang von einem Wilddieb zu einem Mörder ist nur zu leicht. Ebenso war, obgleich sich zu Gunsten der die Literatur beschränkenden Gesetze nur wenig sagen läßt, doch große Gefahr vorhanden, daß ein Mann, der diese Gesetze beständig verletzte, kein Mann von besonderer Ehre und strenger Rechtschaffenheit sein würde. Ein Autor, der sich vorgenommen hatte, etwas drucken zu lassen, und die Erlaubniß des Censors dazu nicht erlangen konnte, mußte sich der Beihülfe bedürftiger und verzweifelter Menschen bedienen, welche, von den Dienern des Friedensgerichts verfolgt und gezwungen, jede Woche andere Namen und Verkleidungen anzunehmen, ihr Papier und ihre Typen in jenen Höhlen des Lasters verbargen, welche die Pest und die Schande großer Hauptstädte sind. Solche Elende mußte er erkaufen, damit sie sein Geheimniß bewahrten und sich der Gefahr aussetzten, anstatt seiner ausgepeitscht zu werden oder die Ohren zu verlieren. Ein Mann, der sich zu solchen Genossen und zu solchen Hülfsmitteln herabließ, konnte einen zarten Sinn für Recht und Schicklichkeit kaum unversehrt bewahren. Die Emancipation der Presse bewirkte eine große und heilsame Aenderung. Die besten und einsichtsvollsten Männer in den Reihen der Opposition übernahmen jetzt ein Amt, das bisher den Gewissenlosen und Heißblütigen überlassen gewesen war. Schriften gegen die Regierung wurden jetzt in einem Tone geschrieben, dessen sich Staatsmänner und Gentlemen nicht zu schämen brauchten, und selbst die Producte der niederern und heftigeren Klasse der Mißvergnügten wurden etwas weniger roh und gemein, als sie es in den Tagen der Censoren gewesen waren.
Einige schwache Menschen hatten geglaubt, daß Religion und Moral des Schutzes eines Censors bedürften. Der Lauf der Dinge bewies schlagend, daß sie im Irrthum waren. Die Censur hatte in der That die Zügellosigkeit und Profanation so gut als gar nicht beschränkt. Das „Verlorne Paradies” war mit genauer Noth der Verstümmelung entgangen, denn das Verlorne Paradies war das Werk eines Mannes, dessen politische Ansichten den herrschenden Gewalten verhaßt waren. Aber Etherege’s She Would If She Could, Wycherley’s Country Wife, Dryden’s „Uebersetzungen aus dem vierten Buche des Lucrez” erlangten ohne Mühe das Imprimatur, denn Dryden, Etherege und Wycherley waren Höflinge. Von dem Tage, an welchem die Emancipation unsrer Literatur eintrat, begann die Läuterung unsrer Literatur. Diese Läuterung wurde nicht durch das Einschreiten von Senaten oder Magistraten bewirkt, sondern durch die Ansicht der großen Masse der gebildeten Engländer, denen das Gute und das Schlechte vor Augen gelegt, und denen es freigestellt wurde, zu wählen. Seit hundertsechzig Jahren ist die Freiheit unsrer Presse immer vollständiger geworden, und während dieser hundertsechzig Jahre ist der Zügel, den die allgemeine Gesinnung der Leser den Schriftstellern angelegt hat, immer wirksamer geworden. Endlich ist selbst diejenige Klasse von Schriften, von denen man sonst meinte, daß eine wollüstige Phantasie sich darin Ausschreitungen gestatten dürfe, wie Liebeslieder, Lustspiele und Novellen, anständiger geworden, als die Predigten des 17. Jahrhunderts es waren. Heutzutage können Ausländer, die kein tadelndes Wort gegen die Regierung, unter der sie leben, zu drucken wagen, nicht begreifen, wie es zugeht, daß die freieste Presse in Europa die prüdeste ist.
Wilhelm’s Rückkehr nach England; Auflösung des Parlaments.
Am 10. October kam der König, dessen Armee ihre Winterquartiere bezogen hatte, in England an und wurde mit ungewohntem Enthusiasmus empfangen. Während seines Zuges durch die Hauptstadt nach seinem Palaste gingen alle Glocken und jede Straße war erleuchtet. Es wurde spät, bevor er durch die jubelnden Menschenmassen nach Kensington gelangte. Aber trotz der späten Stunde wurde sofort noch eine Sitzung des Staatsraths abgehalten. Es war ein wichtiger Punkt zu entscheiden. Sollte das Haus der Gemeinen beisammen bleiben dürfen oder sollte eine sofortige Auflösung stattfinden? Der König würde dieses Haus wahrscheinlich gern bis ans Ende seiner Regierung beibehalten haben. Aber dies stand nicht in seiner Macht. Die Dreijährigkeitsacte hatte den 25. März als den letzten Termin für die Existenz des Parlaments festgesetzt. Wenn daher 1695 keine allgemeine Wahl mehr stattfand, so mußte 1696 eine solche stattfinden, und wer konnte sagen, in welchem Zustande das Land im Jahre 1696 sein würde? Es konnte ein unglücklicher Feldzug stattfinden. Es konnte, und man hatte nur zu triftigen Grund dies anzunehmen, eine gefährliche Handelskrisis eintreten. In beiden Fällen war es wahrscheinlich, daß die Mißstimmung groß sein würde. Der Feldzug von 1695 war glänzend gewesen, die Nation war in einer vortrefflichen Stimmung, und Wilhelm beschloß wohlweislich, den günstigen Moment zu benutzen. Es wurden unverweilt zwei Proklamationen erlassen. Die eine derselben kündigte in der gewöhnlichen Form an, daß Se. Majestät beschlossen habe, das alte Parlament aufzulösen, und befohlen habe, Wahlausschreiben zu einem neuen Parlamente ergehen zu lassen. Die andre Proklamation war ohne vorgängiges Beispiel. Sie that kund und zu wissen, daß es der Wille des Königs sei, daß jedes in einem Wahlorte liegende Regiment den Tag vor der Vorschlagung der Wahlcandidaten aus diesem Orte ausrücken und nicht eher dahin zurückkehren solle, als bis das Volk seine Wahl getroffen habe. Die Besatzungen der befestigten Städte und Schlösser waren von diesem Befehle, der allgemein als ein Zeichen lobenswerther Achtung vor den Rechten des Volks betrachtet wurde, natürlich ausgenommen.
Obgleich aber Wilhelm sich sorgfältig hütete, die Wahlkörper durch irgend etwas, das wie Zwang oder Einschüchterung aussah, zu verletzen, verschmähte er es doch nicht, durch gelindere Mittel auf ihre Stimmen einzuwirken. Er beschloß, die sechs Wochen der allgemeinen Wahl dazu anzuwenden, daß er sich den Bevölkerungen vieler Districte zeigte, die er noch nie besucht hatte. Er hoffte auf diese Weise eine Popularität zu erlangen, die einen erheblichen Einfluß auf die Wahlen ausüben konnte. Er zwang sich daher, eine Leutseligkeit und Freundlichkeit an den Tag zu legen, an denen er es nur zu oft fehlen ließ, und die Folge davon war, daß er auf jeder Station seiner Reise von seinen Unterthanen Beweise von Wohlwollen erhielt. Ehe er abreiste, stattete er seiner Schwägerin einen officiellen Besuch ab und war mit dem ihm zu Theil werdenden Empfange sehr zufrieden. Der erst sechs Jahr alte Herzog von Gloucester kam seinem Oheime mit einer kleinen Flinte auf der Schulter entgegen und präsentirte das Gewehr. „Ich lerne exerciren,” sagte der Knabe, „damit ich Ihnen helfen kann die Franzosen zu schlagen.” Der König lachte herzlich und belohnte den kleinen Soldaten einige Tage darauf mit dem Hosenbandorden.[60]
Wilhelm unternimmt eine Reise durch das Land.
Am 17. October ging die Königin nach Newmarket, gegenwärtig mehr ein Ort des Gewerbfleißes als des Vergnügens, in den Herbstmonaten des 17. Jahrhunderts aber der heiterste und luxuriöseste Platz auf der Insel. Es war nichts Ungewöhnliches, daß der ganze Hof mitsammt dem Cabinet sich dahin begab. Juweliere und Modistinnen, Schauspieler und Musiker, feile Poeten und feile Schönheiten folgten massenhaft. Die Communication in den Straßen wurde durch sechsspännige Equipagen gehemmt. An den öffentlichen Vergnügungsorten liebäugelten Peers mit Ehrenfräuleins, und Offiziere der Leibgarde, von Federn und goldenen Tressen strotzend, drängten sich in buntem Gewühl mit Professoren in schwarzen Roben und Baretten, denn die benachbarte Universität Cambridge schickte stets ihre höchsten Würdenträger mit Ergebenheitsadressen und wählte ihre tüchtigsten Theologen aus, um sie vor dem Souverain und seinem glänzenden Gefolge predigen zu lassen. In den zügellosen Tagen der Restauration wollte es zwar auch den gelehrtesten und beredtsamsten Geistlichen zuweilen nicht gelingen, ein fashionables Auditorium herbeizuziehen, besonders wenn Buckingham seine Absicht ankündigte, einen Vortrag zu halten; denn zuweilen gefiel es Sr. Gnaden, die Langweiligkeit eines Sonntagsmorgens dadurch zu verscheuchen, daß er den Schwarm der eleganten Herren und Damen mit einer frivolen Ermahnung unterhielt, die er eine Predigt nannte. Aber der Hof Wilhelm’s war decenter und die akademischen Würdenträger wurden mit ausgezeichneter Achtung behandelt. Mit den Lords und Ladies von Saint-James und Soho und den Doctoren des Trinity College und King’s College war dann noch der Landadel vermischt, fuchsjagende Squires mit ihren rothwangigen Töchtern, die in schwerfälligen, von Karrengäulen gezogenen Familienkutschen aus den entferntesten Kirchspielen einiger Grafschaften herbeigekommen waren, um ihren Landesherrn zu sehen. Die Haide war von einem lärmenden, zigeunerähnlichen Lager eingefaßt, denn die Hoffnung, sich von den Ueberresten so vieler splendiden Tafeln sättigen und einige von den Guineen und Kronen aufheben zu können, welche die Verschwender von London wegwarfen, lockte Tausende von Landleuten aus einem Umkreise von vielen Meilen herbei.[61]
Nachdem Wilhelm an diesem heiteren Orte einige Tage seinen Hof gehalten und die Huldigungen von Cambridgeshire, Huntingdonshire und Suffolk entgegengenommen hatte, begab er sich nach Althorpe. Es scheint befremdend, daß er auf einer Reise, die eigentlich eine Stimmenwerbungstour war, einem Manne wie Sunderland, der mit so allgemeinem Mißtrauen und Haß betrachtet wurde, eine so ausgezeichnete Ehre erwies. Aber die Leute hatten sich einmal vorgenommen, froh und vergnügt zu sein. Ganz Northamptonshire strömte in die durch den Pinsel Vandyke’s geschmückte und durch Waller’s Muse zu klassischer Berühmtheit gelangte prächtige Gallerie, um die königliche Hand zu küssen, und der Earl versuchte seine Nachbarn mit sich zu versöhnen, indem er sie an acht mit Silbergeschirr schwer beladenen Tafeln bewirthete. Von Althorpe ging der König nach Stamford. Der Earl von Exeter, dessen fürstlicher Landsitz zu den großen Sehenswürdigkeiten England’s gehörte und noch gehört, hatte nie die Eide geleistet, und um einer Unterredung aus dem Wege zu gehen, die ihm hätte unangenehm sein müssen, war er unter irgend einem Vorwande nach London gereist, hatte aber Befehle hinterlassen, daß der erlauchte Besuch mit gebührender Gastlichkeit empfangen werde. Wilhelm war ein großer Freund der Baukunst und der Gartenanlagen, und seine Edelleute konnten ihm mit nichts mehr schmeicheln, als wenn sie ihn über die Verschönerung ihrer Landsitze um Rath fragten. Zu einer Zeit, wo viele Sorgen auf seinem Geiste lasteten, nahm er großes Interesse an dem Baue von Castle Howard und ein hölzernes Modell dieses Gebäudes, des schönsten Probestücks eines fehlerhaften Styls, wurde ihm nach Kensington zur Ansicht gesandt. Wir können uns daher nicht wundern, daß er Burleigh mit großem Vergnügen sah. Er begnügte sich sogar nicht mit einer Besichtigung, sondern stand am andren Morgen frühzeitig auf, um das Gebäude noch einmal in Augenschein zu nehmen. Von Stamford begab er sich nach Lincoln, wo er von dem Klerus in vollem Ornate, von den Magistratsbeamten in Scharlachmänteln und von einer Menge Baronets, Rittern und Esquires aus allen Theilen der ungeheuren Ebene, welche zwischen dem Trent und dem deutschen Ocean liegt, begrüßt wurde. Nachdem er in der prächtigen Kathedrale dem Gottesdienste beigewohnt, reiste er wieder ab und wendete sich östlich. An der Grenze von Nottinghamshire kam der Lordlieutenant der Grafschaft, John Holles, Herzog von Newcastle, mit einem zahlreichen Gefolge den königlichen Equipagen entgegen und geleitete sie auf seinen Landsitz in Welbeck, einem von riesigen Eichen, welche jetzt kaum älter aussehen als an dem Tage, wo jener glänzende Zug sich unter ihren Schatten dahinbewegte, umgebenen Schlosse. Das Haus, in welchem Wilhelm damals einige Stunden als Gast verweilte, ging lange nach seinem Tode durch weibliche Erbfolge von den Holles auf die Harley und von den Harley auf die Bentinck über und enthält jetzt die Originale der höchst interessanten Briefe, die zwischen ihm und seinem treuen Freund und Diener Portland gewechselt wurden. In Welbeck waren die Großen des Nordens versammelt. Der Lordmayor von York kam dahin mit einem Gefolge von Magistraten, der Erzbischof von York mit einem Gefolge von Geistlichen. Wilhelm jagte mehrere Male in diesem Walde, dem schönsten des Königreichs, wo in alten Zeiten Robin Hood und Little John hausten und der jetzt in die fürstlichen Domänen Welbeck, Thoresby, Clumber und Worksop getheilt ist. Vierhundert berittene Gentlemen nahmen an seinen Jagden Theil. Die Squires von Nottinghamshire hörten ihn nach einer prächtigen Hirschjagd mit Entzücken bei Tafel äußern, er hoffe, daß dies nicht das letzte Rennen sei, das er in ihrer Gesellschaft abgehalten habe, und er müsse ein Jagdschloß in diesen herrlichen Forsten miethen. Hierauf wendete er sich südwärts. Er wurde einen Tag von dem Earl von Stamford in Bradgate bewirthet, dem Orte, wo Lady Jane Grey einsam die letzten Worte Sokrates’ las, während das vom Schwarme der Hunde und Jäger verfolgte Hochwild durch den Park flog. Am folgenden Tage empfing Lord Brook seinen Souverain auf Warwick Castle, der schönsten von den mittelalterlichen Burgen, welche in friedliche Wohnungen verwandelt worden sind. Guy’s Thurm war erleuchtet, hundertzwanzig Gallonen Punsch wurden auf das Wohl Sr. Majestät getrunken und ein mächtiges Feuer brannte im Mittelpunkte des geräumigen Hofes, der von mit jahrhundertealtem Epheu bekleideten Ruinen umgeben war. Am nächsten Morgen reiste der König, von einer Menge berittener Gentlemen aus Warwickshire begleitet, weiter nach den Grenzen von Gloucestershire. Er machte einen Abstecher, um bei Shrewsbury auf dessen einsamen Wohnsitze in den Wolds zu speisen, und ging am Abend nach Burford. Die ganze Bevölkerung von Burford kam ihm entgegen und bat ihn, ein kleines Zeichen ihrer Liebe anzunehmen. Burford war damals berühmt durch seine Sättel. Namentlich ein Bürger der Stadt galt bei den Engländern für den besten Sattler in Europa. Zwei seiner Meisterstücke wurden ehrerbietig Wilhelm angeboten, der sie sehr freundlich annahm und sie speciell für seinen persönlichen Gebrauch aufzubewahren befahl.[62]