Verfahren der Hohen Commission. Sprat tritt aus. [Die] Hohe Commission trat zusammen. Es zeigte sich, daß kaum ein kirchlicher Beamter eine Liste eingeschickt hatte. Zu gleicher Zeit wurde der Commission eine Schrift von der höchsten Bedeutung vorgelegt. Es war ein Schreiben von Sprat, dem Bischof von Rochester. Zwei Jahre lang hatte er in der Hoffnung auf ein Erzbisthum den Vorwurf ertragen, daß er die Kirche verfolge, deren Vertheidigung eine Gewissens- und Ehrenpflicht für ihn war. Aber seine Hoffnung war getäuscht worden. Er sah, daß er keine Aussicht hatte, auf den Metropolitenthron von York zu gelangen, wenn er nicht seinem Glauben entsagte. Er war zu gutherzig, als daß er an der Tyrannei hätte Gefallen finden können und zu scharfblickend, um nicht die Anzeichen der kommenden Vergeltung zu erkennen. Daher beschloß er, seine gehässigen Functionen niederzulegen, und er theilte diesen Entschluß seinen Collegen in einem Schreiben mit, das gleich allen Erzeugnissen seiner Prosa in einem sehr eleganten und würdevollen Style abgefaßt war. Er sagte, es sei ihm nicht möglich, noch länger Mitglied der Commission zu bleiben. Er habe zwar selbst aus Gehorsam gegen den königlichen Befehl die Erklärung verlesen, aber er könne es nicht auf sich nehmen, Tausende von frommen und loyalen Geistlichen, die eine andre Ansicht von ihrer Pflicht hätten, dazu zu verurtheilen, und da man beschlossen habe, sie dafür zu bestrafen, daß sie ihrer Überzeugung gemäß gehandelt, müsse er erklären, daß er lieber mit ihnen leiden, als zu ihren Leiden beitragen wolle.

Die Commissare lasen das Schreiben mit nicht geringem Erstaunen. Gerade die Fehler ihres Collegen, die bekannte Lockerheit seiner Grundsätze und seine bekannte Zaghaftigkeit machten seinen Abfall ganz besonders beunruhigend. Wenn Männer wie Sprat in der Sprache eines Hampden zu einer Regierung redeten, so mußte diese Regierung in der That sehr gefährdet sein. Das vor kurzem noch so übermüthige Tribunal wurde mit einem Male merkwürdig zahm. Die kirchlichen Beamten, welche seiner Autorität getrotzt, erhielten nicht einmal einen Verweis. Man hielt es nicht für rathsam, nur den Verdacht zu äußern, daß ihr Ungehorsam absichtlich gewesen sei. Es wurde ihnen nur bedeutet, daß ihre Berichte in vier Monaten fertig sein müßten. Dann ging die Commission bestürzt auseinander. Sie hatte den Todesstoß empfangen.[26]

[26.] Sprat’s Briefe an den Earl von Dorset; London Gazette, Aug. 23. 1688.

Unzufriedenheit des Klerus. — Vorgänge in Oxford. [Während] die Hohe Commission sich vor einem Conflict mit der Kirche scheute, reizte diese im Bewußtsein ihrer Stärke und von neuer Begeisterung beseelt, die Hohe Commission durch eine Reihe von Herausforderungen zum Angriff. Bald nach der Freisprechung der Bischöfe erlag der ehrwürdige Ormond, der vornehmste Kavalier aus dem großen Bürgerkriege, den Gebrechlichkeiten seines hohen Alters. Sein Tod wurde sogleich nach Oxford berichtet und die Universität, deren Kanzler er seit vielen Jahren gewesen war, versammelte sich augenblicklich, um einen Nachfolger für ihn zu wählen. Ein Theil war für den beredtsamen und gebildeten Halifax, ein andrer für den ernsten und orthodoxen Nottingham. Einige erwähnten auch den Earl von Abingdon, der in ihrer Nähe wohnte und unlängst seiner Stelle als Statthalter der Grafschaft entsetzt worden war, weil er sich geweigert hatte, den König in seinen Maßregeln gegen die Landeskirche zu unterstützen. Die Mehrheit aber, aus hundertachtzig Graduirten bestehend, stimmte für den jungen Herzog von Ormond, den Enkel ihres verstorbenen Oberhauptes und Sohn des tapferen Ossory. Die Eil, mit der sie zu diesem Beschlusse kamen, hatte ihren Grund in der Besorgniß, daß, wenn sie nur einen Tag zögerten, der König es versuchen möchte, ihnen einen Kanzler aufzudringen, der ihre Rechte nicht wahren würde. Diese Besorgniß war auch gegründet, denn kaum zwei Stunden nachdem sie auseinander gegangen waren, kam ein Befehl von Whitehall, der ihnen vorschrieb Jeffreys zu wählen. Zum Glück war die Wahl des jungen Ormond bereits vollendet und nicht mehr rückgängig zu machen.[27] Einige Wochen darauf wurde der ehrlose Timotheus Hall, der sich durch Verlesung der Indulgenzerklärung unter der londoner Geistlichkeit ausgezeichnet hatte, mit dem Bisthum Oxford belohnt, welches seit dem Tode des nicht minder ehrlosen Parker unbesetzt war. Hall kam nach Oxford, um seinen Bischofssitz einzunehmen, aber die Canonici seiner Kathedrale weigerten sich seiner Einsetzung beizuwohnen, die Universität wollte ihn nicht zum Doctor creiren, nicht ein einziges Mitglied der akademischen Jugend wendete sich an ihn behufs der Ordination, kein Hut wurde vor ihm abgenommen und er war in seinem Palaste beständig allein.[28]

Bald darauf kam eine Pfründe zur Erledigung, welche das Magdalenen-Collegium von Oxford zu vergeben hatte. Hough und seine vertriebenen Collegen versammelten sich und schlugen einen Candidaten vor, den der Bischof von Gloucester, in dessen Diöcese die Pfründe lag, auch ohne Besinnen einsetzte.[29]

[27.] London Gazette, July 26. 1688; Adda, 27. Juli (6. Aug.); Neuigkeitsbrief vom 23. Juli in der Mackintosh-Sammlung; Ellis Correspondenz, 28., 31. Juli. Wood’s Fasti Oxonienses.

[28.] Wood’s Athenae Oxonienses; Luttrell’s Diary, Aug. 23. 1688.

[29.] Ronquillo, 17.(27.) Sept. 1688; Luttrell’s Diary, Sept. 6.

Unzufriedenheit der Gentry. [Die] Gentry war nicht minder widerspenstig, als der Klerus. Die Assisen dieses Sommers gewährten im ganzen Lande einen noch nie dagewesenen Anblick. Die Richter waren vor dem Antritt ihrer Rundreise zum Könige beschieden worden und hatten von ihm die Weisung erhalten, daß sie den Mitgliedern der großen Jury’s und den Magistratsbeamten im ganzen Reiche die Pflicht einschärfen sollten, nur solche Mitglieder ins Parlament zu wählen, die seine Politik unterstützen würden. Sie gehorchten seinem Befehle, ließen sich heftig über die Geistlichkeit aus, schmähten die sieben Bischöfe, nannten die denkwürdige Petition ein aufrührerisches Libell, kritisirten Sancroft’s Styl mit großer Schärfe und sagten, Seine Gnaden sollten für ihr schlechtes Englisch vom Doctor Busby ausgepeitscht werden. Diese unschicklichen Reden hatten jedoch keine andre Wirkung, als daß sie die öffentliche Unzufriedenheit noch vermehrten. Alle öffentlichen Achtungsbezeigungen, welche sonst dem richterlichen Amte und der königlichen Vollmacht erwiesen worden waren, wurden unterlassen. Die alte Sitte verlangte eigentlich, daß angesehene und vermögende Männer im Gefolge des Sheriffs ritten, wenn er die Richter nach der Hauptstadt der Grafschaft begleitete; jetzt aber hielt es schwer, in irgend einem Theile des Landes einen solchen Zug zusammen zu bringen. Besonders die Nachfolger Powell’s und Holloway’s wurden mit auffallender Geringschätzung behandelt. Ihnen waren die Assisen von Oxford zugefallen und sie hatten erwartet, daß sie in jeder Grafschaft von einer Cavalcade der loyalen Gentry begrüßt werden würden. Als sie sich aber Wallingford näherten, wo sie ihre Sitzungen für Berkshire eröffnen sollten, kam nur der Sheriff ihnen entgegen. Auch vor Oxford, der höchst loyalen Hauptstadt einer höchst loyalen Provinz, wurden sie abermals von dem Sheriff allein bewillkommnet.[30]

[30.] Ellis’ Correspondenz, 4. 7. Aug. 1688; Bischof Sprat’s Bericht über die Conferenz vom 6. Nov. 1688.