[95.] Ich glaube, wer Burnet’s Bericht von dieser Unterredung mit dem Bericht Dartmouth’s vergleicht, kann nicht zweifeln, daß ich den Vorgang richtig dargestellt habe.
[96.] Ich habe eine Abbildung der Ausschiffung aus der damaligen Zeit gesehen. Einige Männer bringen eben die Betten des Prinzen in die Hütte, auf deren Dache seine Fahne weht.
[97.] Burnet, I. 789; Legge-Papiere.
[98.] Unterm 9. Nov. 1688 schrieb Jakob an Dartmouth: „Niemand hätte anders zu Werke gehen können als Sie es gethan haben. Ich bin überzeugt, daß alle erfahrenen Seeleute der nämlichen Meinung sein müssen.“ Siehe dagegen Clarke’s Life of James, II. 207. Orig. Mem.
Sein Einzug in Exeter. [In] Exeter herrschte inzwischen große Aufregung. Sobald der Bischof Lamplugh erfuhr, daß die Holländer in der Torbai angekommen waren, eilte er in Todesangst nach London. Der Dechant entfloh aus der Dechanei. Die Behörden waren für den König, die große Masse der Einwohner für den Prinzen. Alles gerieth in die größte Bestürzung, als am Morgen des 8. November ein Truppencorps unter Mordaunt’s Commando vor der Stadt erschien. Mit Mordaunt zugleich kam Burnet, dem Wilhelm aufgetragen hatte, die Geistlichkeit der Kathedrale vor Beleidigungen und Insulten zu schützen.[99] Der Mayor und die Aldermen hatten die Thore schließen lassen, öffneten sie aber auf die erste Aufforderung. Die Dechanei wurde zum Empfang des Prinzen eingerichtet. Am folgenden Tage, Freitag den neunten, kam er an. Die Behörden waren dringend aufgefordert worden, ihn am Thore der Stadt mit Gepränge zu empfangen, hatten dies aber beharrlich verweigert. Der Pomp dieses Tages konnte sie auch entbehren. Ein solches Schauspiel hatte Devonshire noch nie gesehen. Viele kamen eine halbe Tagereise weit herbei, um den Vorkämpfer ihres Glaubens zu begrüßen. Alle umliegenden Dörfer sandten ihre Einwohnerschaft. Eine große Volksmenge, hauptsächlich aus jungen Landleuten bestehend, die ihre Knotenstöcke schwangen, hatte sich auf dem Gipfel des Haldonhügels versammelt, wo die von Chudleigh kommende Armee zum ersten Male das reiche Thal der Exe und die beiden massiven Thürme erblickte, welche aus der über der Hauptstadt des Westens lagernden Rauchwolke emporragten. Der ganze Weg den Abhang hinunter über die Ebene bis aus Ufer des Flusses war in seiner ganzen Länge mit Zuschauern bedeckt. Vom Westthore bis zum Domplatze war das Gedränge und der Jubel allenthalben so groß, daß anwesende Londoner sich dabei an den Umzug des Lordmayors erinnerten. Die Häuser waren festlich geschmückt und alle Thüren, Fenster, Balcons und Dächer mit Zuschauern besetzt. Ein an kriegerischen Pomp gewöhntes Auge würde jedoch an dem Schauspiele mancherlei zu tadeln gefunden haben, denn mehrere beschwerliche Tagemärsche bei Regenwetter und auf Straßen, wo ein Fußgänger bei jedem Schritte bis über die Knöchel in den Schmutz einsank, hatten das Aussehen der Mannschaften und ihrer Monturstücke eben nicht verbessert. Die Bevölkerung von Devonshire aber, welche an den Glanz wohlgeordneter Feldlager durchaus nicht gewöhnt war, wurde von Freude und Ehrfurcht überwältigt. Beschreibungen des kriegerischen Schauspiels wurden im ganzen Lande verbreitet, und sie enthielten Vieles, was wohl geeignet war, den Geschmack des gemeinen Volks an Wunderdingen zu befriedigen. Denn die holländische Armee, aus Männern zusammengesetzt, die unter verschiedenen Himmelsstrichen geboren waren und unter verschiedenen Fahnen gedient hatten, gewährte Inselbewohnern, welche größtentheils sehr undeutliche Begriffe von fremden Ländern hatten, einen zugleich grotesken, prächtigen und furchtbaren Anblick. Voran ritt Macclesfield an der Spitze von zweihundert Gentlemen meist britischer Abkunft, mit blitzenden Helmen und Brustharnischen, auf flämischen Schlachtrossen reitend. Jeder von ihnen hatte einen aus den Zuckerplantagen der Küste von Guiana mitgebrachten Neger bei sich. Die Bürger von Exeter, welche noch nie so viele Exemplare der afrikanischen Menschenrace beisammengesehen hatten, betrachteten mit Staunen die schwarzen Gesichter, welche durch gestickte Turbane und weiße Federn noch mehr hervorgehoben wurden. Dann kam eine Schwadron schwedischer Reiter mit gezogenen breiten Schwertern in schwarzer Rüstung und Pelzmänteln. Sie erweckten ganz besonderes Interesse, denn man sagte, daß sie aus einem Lande stammten, wo das Meer zugefroren und es die Hälfte des ganzen Jahres hindurch Nacht sei, und daß sie die riesigen Bären, deren Felle sie trugen, selbst erlegt hätten. Hierauf folgte, umgeben von einer eleganten Truppe Gentlemen und Pagen das hoch getragene Banner des Prinzen. Auf den breiten Falten desselben las die Menge, welche Fenster und Dächer besetzt hielt, mit Wonne die denkwürdige Inschrift: „Die protestantische Religion und die Freiheiten Englands.“ Der Jubel steigerte sich noch, als der Prinz selbst, mit Brust- und Rückenharnisch und einer weißen Feder geschmückt auf seinem weißen Streitrosse erschien. Mit welchem kriegerischen Anstande er sein Pferd lenkte, wie sinnend und gebieterisch der Ausdruck seiner breiten Stirn und seines Falkenauges war, kann man noch heute an Kneller’s Portrait von ihm sehen. Einmal milderten sich seine ernsten Gesichtszüge zu einem Lächeln, als eine alte Frau, vielleicht eine von den eifrigen Puritanerinnen, welche durch achtundzwanzig Jahre der Verfolgung im festen Glauben auf den Trost Israels ausgeharrt hatte, vielleicht die Mutter eines Rebellen, der in der blutigen Schlacht von Sedgemoor oder bei dem noch fürchterlicheren Gemetzel der blutigen Assisen umgekommen war, sich hervordrängte, sich mitten unter die gezogenen Schwerter und bäumenden Rosse stürzte, die Hand des Befreiers berührte und ausrief, daß sie jetzt glücklich sei. Nicht weit von dem Prinzen ritt ein Mann, der mit ihm die aufmerksamen Blicke der Menge theilte. Das, sagte man, sei der große Graf Schomberg, der erste Soldat in Europa, seitdem Turenne und Condé nicht mehr wären, der Mann, dessen Genie und Tapferkeit die portugiesische Monarchie auf dem Schlachtfelde von Montes Claros gerettet, der Mann, der sich noch höheren Ruhm dadurch erworben, daß er um seines Glaubens willen den Stab eines Marschalls von Frankreich niedergelegt. Man hatte nicht vergessen, daß die beiden Helden, welche, durch ihren gemeinsamen Protestantismus unauflöslich aneinander gekettet, jetzt zusammen in Exeter einzogen, vor zwölf Jahren einander unter den Mauern von Mastricht gegenüberstanden und daß damals der Feuereifer des jungen Prinzen dem kalten Wissen des Veteranen, der jetzt als Freund an seiner Seite ritt, nicht gewachsen war. Dann kam eine lange Colonne des bärtigen Fußvolks der Schweizer, die sich seit zwei Jahrhunderten in allen festländischen Kriegen durch vorzügliche Tapferkeit und Disciplin ausgezeichnet, aber bis diesen Augenblick noch nie auf englischem Boden gesehen worden waren. Hinter ihnen folgte eine Reihe von Truppencorps, welche nach ihren Anführern Bentinck, Solms und Ginkell, Talmash und Mackay genannt wurden. Mit besonderem Vergnügen mochten die Engländer ein tapferes Regiment betrachten, das noch den Namen des verehrten und bedauerten Ossory führte. Der Eindruck des ganzen Schauspiels wurde noch erhöht durch die Erinnerung an die denkwürdigen Ereignisse, an denen viele von den Kriegern, welche jetzt durch das Westthor einmarschirten, Theil genommen. Denn sie hatten ganz andren Dienst gesehen, als den der Miliz von Devonshire oder des Lagers von Hounslow. Einige von ihnen hatten den ungestümen Angriff der Franzosen auf dem Schlachtfelde von Seneff zurückgeschlagen, und Andere hatten an jenem hochwichtigen Tage, an welchem die Belagerung von Wien aufgehoben wurde, für das Christenthum mit den Ungläubigen die Schwerter gekreuzt. Selbst die Sinne der Menge wurden durch die Einbildungskraft getäuscht. Neuigkeitsbriefe verbreiteten nach allen Gegenden des Reichs fabelhafte Berichte von der Gestalt und Körperkraft der Eingedrungenen. Es wurde versichert, daß sie mit wenigen Ausnahmen sechs Fuß lang seien und daß sie so große Lanzen, Schwerter und Musketen trügen, wie man sie noch nie in England gesehen hätte. Das Erstaunen der Menge verminderte sich nicht, als die Artillerie ankam, bestehend aus einundzwanzig kolossalen ehernen Geschützen, deren jedes von sechzehn Lastpferden mit Mühe fortgeschleppt wurde. Große Bewunderung erregte ein sonderbares, auf Rädern ruhendes Gebäude. Es war eine ambulante Feldschmiede mit allen zur Ausbesserung von Waffen und Fuhrwerken nöthigen Werkzeugen und Materialien versehen. Nichts aber wurde mit so großem Erstaunen betrachtet, als die Brücke von Böten, welche zum Übersetzen der Wagen mit großer Leichtigkeit über die Exe geschlagen und dann eben so schnell wieder auseinandergenommen wurde, um weiter transportirt zu werden. Wenn man dem Gerücht glauben durfte, war sie nach einem Muster angefertigt, welches die an der Donau gegen die Türken kämpfenden Christen erfunden hatten. Die Fremden erweckten eben so große Zuneigung als Bewunderung. Ihr umsichtiger Führer sorgte dafür, die Einquartierungen so zu vertheilen, daß die Bewohner von Exeter und der umliegenden Ortschaften so wenig als möglich belästigt wurden. Es wurde die strengste Kriegszucht gehandhabt, und nicht allein Plünderung und Gewaltthätigkeiten wirksam verhindert, sondern auch den Truppen eingeschärft, daß sie sich gegen Jedermann, weß Standes er auch sei, artig zu benehmen hätten. Diejenigen, die sich ihre Vorstellungen von einer Armee nach dem Verfahren Kirke’s und seiner Lämmer gebildet hatten, waren ganz erstaunt, Soldaten zu sehen, welche niemals eine Hausfrau barsch anfuhren und kein Ei nahmen ohne es zu bezahlen. In Anerkennung dieses gesitteten Benehmens lieferte das Volk den Truppen Lebensmittel im Überfluß und zu mäßigem Preise.[100]
Sehr viel hing von dem Verfahren ab, welches in dieser wichtigen Krisis die Geistlichkeit der anglikanischen Kirche beobachtete, und die Mitglieder des Kapitels von Exeter waren die Ersten, welche aufgefordert wurden, ihre Gesinnungen offen zu erklären. Burnet kündigte den Canonici, welche durch die Flucht des Dechanten ihres Vorgesetzten beraubt waren, an, daß sie hinfüro das Gebet für den Prinzen von Wales nicht mehr sprechen dürften und daß zu Ehren der glücklichen Ankunft des Prinzen von Oranien ein feierlicher Gottesdienst gehalten werden müßte. Die Canonici fanden es nicht für gut, in ihren Chorstühlen zu erscheinen; aber einige von den Chorsängern und Pfründnern waren anwesend. Wilhelm begab sich mit militairischem Gepränge in die Kathedrale. Als er die prächtige Vorhalle betrat, ließ die berühmte Orgel, welche kaum von einer einzigen von denjenigen übertroffen wird, die der Stolz seines Geburtslandes sind, Triumphklänge ertönen. Er bestieg den Bischofssitz, einen prachtvollen Thron mit reichem Schnitzwerk aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Burnet stand am Fuße desselben und zu beiden Seiten versammelte sich ein zahlreiches Gefolge von Kriegern und Kavalieren. Die weißgekleideten Sänger stimmten das Tedeum an. Als der Gesang, zu Ende war, las Burnet die Erklärung des Prinzen vor; kaum aber hatte er die ersten Worte derselben gesprochen, so drängten sich Geistliche und Sänger eiligst aus dem Chore. Am Schlusse rief Burnet mit lauter Stimme: „Gott erhalte den Prinzen von Oranien!“ und viele Stimmen antworteten feierlich: „Amen!“[101]
Am Sonntag, den 11. November, predigte Burnet vor dem Prinzen in der Kathedrale und sprach über die sichtbare Gnade, welche Gott der englischen Kirche und Nation gewährt. Um dieselbe Zeit ereignete sich in einem bescheideneren Gotteshause ein sonderbarer Vorfall. Ferguson hatte sich vorgenommen, in dem presbyterianischen Versammlungshause zu predigen. Der Geistliche und die Ältesten wollten dies nicht zugeben; aber der heftige und halbwahnsinnige Schurke, der wahrscheinlich die Zeiten Fleetwood’s und Harrison’s zurückgekehrt glaubte, erbrach die Thür, schritt mit dem Schwert in der Hand durch die Versammlung, bestieg die Kanzel und hielt eine heftige Schmährede gegen den König. Die Zeit für solche Albernheiten war vorüber und der Skandal erregte nur Spott und Widerwillen.[102]
[99.] Burnet, I. 790.
[100.] Siehe in Whittle’s Tagebuch die Expedition Seiner Hoheit und den um diese Zeit erschienenen Brief von Exon. Ich habe selbst zwei geschriebene Neuigkeitsbriefe gesehen, in denen der Einzug des Prinzen in Exeter geschildert war. Einige Monate darauf schrieb ein schlechter Dichter ein Theaterstück betitelt: „Die letzte Revolution.“ Eine Scene spielt in Exeter. „Bataillone von der Armee des Prinzen auf ihrem Marsche in die Stadt treten mit wehenden Fahnen, unter Trommelwirbel und Zujauchzen der Bürger auf.“ Ein Edelmann, Namens Misopapas spricht:
„Mylord, könnt Ihr Euch denken,