Seine Landung bei Torbay. [Als] der Sonntag, der 4. November, anbrach, hatte die holländische Flotte die Klippen der Insel Wight in Sicht. Dieser Tag war zu gleicher Zeit Wilhelm’s Geburtstag und Hochzeitstag. Während der ersten Stunden des Morgens wurden die Segel losgemacht und auf den Schiffen Gottesdienst gehalten. Am Nachmittag und die Nacht durch steuerte die Flotte in der bisher verfolgten Richtung weiter. Torbay war der Ort, wo Wilhelm zu landen gedachte. Der Morgen des 5. November war trübe und nebelig, so daß der Steuermann der „Brill“ die Seezeichen nicht erkennen konnte und die Flotte zu weit westlich führte. Die Gefahr war groß. Dem Wind entgegen wieder umzukehren war unmöglich. Der nächste Hafen war Plymouth, aber dort lag eine Garnison unter dem Commando des Lord Bath. Diese konnte sich der Landung möglicherweise widersetzen und ein Unfall konnte schlimme Folgen haben. Überdies konnte man kaum daran zweifeln, daß die königliche Flotte jetzt die Themse verlassen hatte und mit vollen Segeln dem Kanal zusteuerte. Russell erkannte die ganze Größe der Gefahr und sagte zu Burnet: „Sie können immer beten, Doctor. Es ist Alles vorbei.“ In diesem Augenblicke sprang der Wind um, es erhob sich eine leichte Südbrise, der Nebel zerstreute sich, die Sonne schien, und bei dem matten Lichte eines Herbstnachmittags wendete sich die Flotte, umschiffte das hohe Cap Berry Head und lief wohlbehalten in den Hafen von Torbay ein.[94]
Seit der Zeit, als Wilhelm auf diesen Hafen blickte, hat sich die Gestalt desselben sehr verändert. Das Amphitheater, welches das weite Becken umgiebt, bietet jetzt überall Zeichen von Wohlstand und Civilisation dar. Am nordöstlichen Ende ist ein großer Badeort entstanden, dessen milder italienischer Himmel Gäste aus den entferntesten Theilen der Insel anzieht, denn hier blüht die Myrthe im Freien und selbst der Winter ist milder als in Northumberland der April. Die Einwohnerzahl beläuft sich auf ungefähr zehntausend Seelen. Die neuerbauten Kirchen und Kapellen, die Bäder und Leseinstitute, die Gasthöfe und öffentlichen Gärten, das Krankenhaus und das Museum, die sich terrassenförmig an der Küste hinaufziehenden weißen Straßen, die hinter Buschwerk und Blumenbeeten hervorschimmernden freundlichen Landhäuser gewähren einen Anblick, wie ihn England im siebzehnten Jahrhunderte nirgends aufweisen konnte. Auf der andren Seite der Bucht liegt, durch Berry Head geschützt, der lebhafte Marktort Brixham, der wohlhabendste Sitz unsres Fischhandels. Zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts wurde hier ein Molo und ein Hafen angelegt, die sich aber für den zunehmenden Verkehr bald als ungenügend erwiesen. Die Bevölkerung beträgt etwa sechstausend Seelen und der Schiffsverkehr beläuft sich auf mehr als zweihundert Segel. Der Tonnengehalt der ein- und auslaufenden Schiffe übertrifft sehr oft den des Hafens von Liverpool zu den Zeiten der Stuarts. Als aber die holländische Flotte in der Torbay vor Anker ging, war sie nur als ein Hafen bekannt, in den sich zuweilen die Schiffe vor den Stürmen des atlantischen Oceans flüchteten. Das Gewühl des Handels und des Vergnügens störte noch nicht die Ruhe ihrer stillen Ufer und nur spärliche Bauer- und Fischerhütten lagen zerstreut umher auf dem Boden, der jetzt mit belebten Marktorten und prächtigen Lusthäusern bedeckt ist.
Die Landleute an der Küste von Devonshire gedachten noch in Liebe des Namens Monmouth und verabscheuten den Papismus. Sie kamen daher ans Ufer herbeigeströmt, um Lebensmittel und Dienstleistungen anzubieten. Die Ausschiffung begann unverzüglich. Sechzig Böte brachten die Truppen ans Ufer. Zuerst wurde Mackay mit den britischen Regimentern ans Land gesetzt. Ihm folgte bald nachher der Prinz. Er landete an der Stelle, wo sich gegenwärtig der Quai von Brixham befindet. Die Gegend hat jetzt ein ganz andres Aussehen. Wo wir jetzt einen mit Fahrzeugen angefüllten Hafen und einen von Käufern und Verkäufern wimmelnden Marktort erblicken, brachen sich damals die Wogen an einer öden Küste; aber ein Stück von dem Felsen, auf den der Befreier beim Aussteigen aus seinem Boote trat, ist sorgsam aufbewahrt und in der Mitte des geräuschvollen Quais als ein Gegenstand der öffentlichen Verehrung aufgestellt worden.
Sobald der Prinz den Fuß auf festen Boden gesetzt hatte, verlangte er Pferde, und zwei Thiere, wie die kleinen Gutsbesitzer sie damals zu reiten pflegten, wurden aus dem nächsten Dorfe herbeigeschafft. Wilhelm und Schomberg bestiegen dieselben und ritten fort, um die Gegend zu recognosciren.
Sobald Burnet ans Land gestiegen war, eilte er zu dem Prinzen, und es fand ein ergötzliches Gespräch zwischen ihnen statt. Burnet ergoß sich in freudige Beglückwünschungen und fragte dann begierig, was Seine Hoheit zu thun gedenke. Militairs haben selten Lust, sich über kriegerische Angelegenheiten mit Geistlichen zu berathen, und Wilhelm betrachtete die Einmischung von Laien in Kriegsfragen mit noch größerem Widerwillen als andere Soldaten bei solchen Gelegenheiten. Aber er war in diesem Augenblicke gerade besonders gutgelaunt, und anstatt daher durch einen kurzen, dem Gespräch sofort ein Ende machenden Verweis sein Mißfallen zu äußern, reichte er seinem Kaplan freundlich die Hand und antwortete auf dessen Frage mit einer andren, indem er sagte: „Nun, Doctor, was halten Sie jetzt von der Prädestination?“ Der Tadel war so mild, daß Burnet, der eben nicht sehr feinfühlend war, ihn gar nicht fühlte. Er antwortete mit großer Wärme, daß er nie vergessen werde, wie sichtbar der Himmel ihr Unternehmen begünstigt habe.[95]
Am ersten Tage hatten die ausgeschifften Truppen manche Unannehmlichkeiten zu ertragen. Der Boden war vom Regen erweicht, und die Bagage war noch auf den Schiffen. Hohe Offiziere mußten in durchnäßten Kleidern auf der feuchten Erde schlafen und der Prinz selbst hatte kein besseres Obdach als eine gewöhnliche Hütte. Auf dem Strohdache derselben wurde sein Banner aufgepflanzt und einige Betten, die man von seinem Schiffe mitgebracht hatte, wurden auf den Boden gebreitet.[96] Die Ausschiffung der Pferde machte einige Schwierigkeiten, und es hatte ganz den Anschein, als würde dieses Geschäft mehrere Tage Zeit wegnehmen. Am folgenden Morgen aber erheiterte sich die Aussicht. Der Wind legte sich und das Wasser der Bai war eben wie ein Spiegel. Einige Fischer zeigten eine Stelle, wo sich die Schiffe der Küste bis auf sechzig Fuß nähern konnten. Dies geschah und in drei Stunden wurden mehrere hundert Pferde wohlbehalten ans Land geschafft.
Die Ausschiffung war kaum beendigt, so erhob sich der Wind von neuem und schwoll bald zu einem heftigen Weststurme an. Der zur Verfolgung den Kanal herabkommende Feind war durch den nämlichen Witterungswechsel, welcher dem Prinzen die Landung ermöglichte, aufgehalten worden. Seit zwei Tagen lag die königliche Flotte auf windstiller See angesichts Beachy Head. Endlich konnte Dartmouth wieder unter Segel gehen. Er fuhr bei der Insel Wight vorüber und eines seiner Schiffe bekam die Mastspitzen der bei Torbay liegenden Holländer in Sicht. Gerade in diesem Augenblicke erhob sich der ihm widrige Sturm, der ihn zwang, sich in den Hafen von Portsmouth zu flüchten.[97] Jakob, der in Schifffahrtsangelegenheiten wohl ein Urtheil hatte, erklärte damals, er sei fest überzeugt, daß sein Admiral Alles gethan habe, was in eines Menschen Macht stehe und daß er nur der unüberwindlichen Feindschaft des Windes und der Wogen gewichen sei. Zu einer späteren Zeit begann der unglückliche Fürst mit schlechtem Grunde Dartmouth des Verraths oder wenigstens eines Mangels an Energie zu beschuldigen.[98]
Das Wetter hatte in der That die protestantische Sache so auffallend begünstigt, daß manche Leute, deren Frömmigkeit größer war als ihr Verstand, fest glaubten, die gewöhnlichen Gesetze der Natur seien um der Erhaltung der Freiheit und der Religion Englands willen außer Kraft gesetzt worden. Gerade vor hundert Jahren, sagten sie, sei die für unüberwindlich gehaltene Armada durch den Zorn Gottes vernichtet worden. Die bürgerliche Freiheit und die göttliche Wahrheit seien abermals in Gefahr gewesen, und wieder hätten die gehorsamen Elemente für die gute Sache gekämpft. Der Wind habe kräftig aus Osten geblasen, als der Prinz den Kanal hinabzusegeln wünschte, sei nach Süden umgesprungen, als er habe in die Torbai einfahren wollen, habe sich für die Dauer der Ausschiffung gelegt und sei sobald die Ausschiffung vollendet gewesen, wieder zu einem Sturme angeschwollen, der den Verfolgern gerade ins Gesicht wehte. Auch unterließ man nicht, auf das sonderbare Zusammentreffen Gewicht zu legen, daß der Prinz unsere Küsten gerade an dem Tage erreicht hatte, an welchem die anglikanische Kirche die wunderbare Errettung des königlichen Hauses und der drei Stände von dem schwärzesten Complot, das die Papisten jemals ersonnen, durch Gebet und Dankgottesdienst feierte. Carstairs, dessen Winke bei dem Prinzen stets beachtet wurden, rieth dazu, daß sogleich nach bewerkstelligter Landung ein öffentlicher Dankgottesdienst für den sichtbaren Schutz, den der Himmel dem Unternehmen habe angedeihen lassen, gehalten werden solle. Der Rath wurde befolgt und hatte außerordentlich gute Wirkung. Die Truppen, die sich nun als Günstlinge des Himmels betrachten lernten, wurden von neuem Muthe beseelt und das englische Volk faßte die günstigste Meinung von einem General und einer Armee, welche den Pflichten der Religion so große Aufmerksamkeit schenkten.
Am Dienstag den 6. November begann Wilhelm’s Armee landeinwärts zu marschiren. Einige Regimenter rückten bis Newton Abbot vor. Ein im Mittelpunkte dieses Städtchens errichteter Denkstein bezeichnet noch die Stelle, wo die Erklärung des Prinzen den Bewohnern feierlich vorgelesen wurde. Die Truppen konnten sich nur langsam vorwärts bewegen, denn der Regen fiel in Strömen und die Straßen Englands befanden sich damals noch in einem Zustande, der Leuten, welche die vortrefflichen Communicationswege Hollands gewohnt waren, entsetzlich vorkam. Wilhelm nahm auf zwei Tage sein Hauptquartier in Ford, einer Besitzung der alten und vornehmen Familie von Courtenay, unweit Newton Abbot. Er fand hier eine prächtige Wohnung und glänzende Bewirthung, aber es ist auffallend, daß der Hausherr, obgleich ein eifriger Whig, nicht der Erste sein wollte, der Leben und Eigenthum aufs Spiel setzte, und sich sorgfältig hütete, irgend etwas zu thun, was, im Fall der König die Oberhand behielt, als ein Verbrechen angesehen werden konnte.
[94.] Burnet, I. 788; Auszüge aus den Legge’schen Papieren in der Mackintosh-Sammlung.