Addison erwähnt in seinem Freeholder den außerordentlichen Eindruck, den diese romantischen Schilderungen machten.

[101.] Expedition of the Prince of Orange; Oldmixon, 755; Whittle’s Diary; Eachard, III. 911; London Gazette, Nov. 15. 1688.

[102.] London Gazette, Nov. 15. 1688; Expedition of the Prince of Orange.

Unterredung des Königs mit den Bischöfen. [Während] dieser Vorgänge in Devonshire herrschte in London große Gährung. Die Erklärung des Prinzen war trotz aller Vorsichtsmaßregeln jetzt in Jedermanns Händen. Am 6. November beschied Jakob, der noch immer nicht wußte, auf welchem Theile der Küste die Eroberer gelandet waren, den Primas nebst drei anderen Bischöfen, Compton von London, White von Peterborough und Sprat von Rochester, zu einer Conferenz in sein Privatkabinet. Der König hörte die warmen Loyalitätsversicherungen der Prälaten gnädig an und gab ihnen sein Wort darauf, daß er sie nicht in Verdacht habe. „Aber wo ist die Rechtfertigung, die Sie mir bringen sollten?“ fragte er dann. „Sire,“ antwortete Sancroft, „wir haben keine solche mitgebracht, denn wir drängen uns nicht danach, uns vor der Welt rein zu waschen. Es ist uns nichts Neues, daß wir verleumdet und fälschlich angeklagt werden. Unser Gewissen und Eure Majestät sprechen uns frei: dies genügt uns.“ — „Ja,“ entgegnete der König, „aber eine Erklärung von Ihnen ist um meinetwillen nothwendig.“ Hierauf zeigte er den Prälaten ein Exemplar von dem Manifeste des Prinzen und sagte: „Lesen Sie, wie hier von Ihnen gesprochen ist“ — „Sire,“ versetzte einer von den Bischöfen, „nicht Einer unter Fünfhundert hält dieses Manifest für ächt.“ — „Nein!“ rief der König mit Heftigkeit; „dann würden diese Fünfhundert den Prinzen herbeirufen, um mich zu ermorden!“ — „Das wolle Gott verhüten!“ erwiederten die Prälaten einstimmig. Aber der niemals helle Verstand des Königs war jetzt völlig verwirrt. Es war eine seiner Eigenheiten, daß, wenn man seiner Ansicht nicht beipflichtete, er glaubte, man ziehe seine Wahrhaftigkeit in Zweifel. „Dieses Papier wäre nicht ächt?“ rief er aus, indem er die Blätter umwendete. „Verdiene ich keinen Glauben? Hat mein Wort gar keinen Werth?“ — „Jedenfalls, Sire,“ sagte einer der Bischöfe, „ist dies keine geistliche Angelegenheit, sondern sie gehört in das Bereich der Civilgewalt. Gott hat Eurer Majestät das Schwert in die Hand gegeben, und es kommt uns nicht zu, in Ihre Functionen einzugreifen.“ Dann sagte der Erzbischof mit der sanften und gemäßigten Ironie, welche die schmerzlichsten Wunden schlägt, der König müsse ihn entschuldigen, wenn er zu keinem politischen Schriftstück seine Hand leihe. „Ich und meine Amtsbrüder, Sire,“ setzte er hinzu, „haben für unsre Einmischung in Staatsangelegenheiten schon hart genug büßen müssen, und wir werden uns vor einem derartigen Wiederholungsfalle sorgfältig hüten. Wir unterschrieben einst eine durchaus harmlose Petition, wir überreichten dieselbe auf die ehrerbietigste Weise, und wir mußten erfahren, daß wir ein schweres Verbrechen begangen hatten. Nur durch Gottes gnädigen Schutz wurden wir vom Untergange gerettet. Und, Sire, der Grund, den Eurer Majestät Fiskal und Prokurator damals anführten, war der, daß wir außerhalb des Parlaments Privatleute seien und daß Privatleute eine strafbare Anmaßung begingen, wenn sie sich in die Politik mischten. Sie griffen uns mit einer solchen Heftigkeit an, daß ich meinestheils mich für verloren hielt.“ — „Ich danke Ihnen für diese Lection, Mylord von Canterbury,“ sagte der König; „ich hätte gedacht, daß Sie sich nicht für verloren halten würden, wenn Sie in meine Hände fielen.“ Eine solche Sprache würde einem milden Herrscher ganz wohl angestanden haben, aber sie klang sehr sonderbar aus dem Munde eines Fürsten, der eine Frau lebendig verbrannt hatte, weil sie einen seiner fliehenden Feinde bei sich aufgenommen, und dessen eigner Neffe in nutzloser Verzweiflung seine Knie flehend umschlungen hatte. Der Erzbischof ließ sich dadurch nicht zum Schweigen bringen. Er fuhr in seiner Rede fort und zählte die Beleidigungen auf, welche die Creaturen des Hofes der Kirche Englands zugefügt, wobei die Verhöhnung seiner eigenen Schreibart besonders hervorgehoben wurde. Der König wußte nichts weiter zu erwiedern, als daß es unnütz sei vergangene Beschwerden wieder aufzuwärmen und daß er geglaubt habe, diese Dinge seien völlig vergessen. Während er selbst nie die geringste Beleidigung vergaß, war es ihm unbegreiflich, wie Andere nur einige Wochen lang die empfindlichste Beleidigung, die er jemals zugefügt, im Gedächtniß behalten konnten.

Endlich kam das Gespräch wieder auf den Punkt, von dem es ausgegangen war. Der König bestand darauf, daß die Bischöfe öffentlich ihren Abscheu gegen das Unternehmen des Prinzen erklären sollten. Unter zahlreichen Versicherungen der unterwürfigsten Loyalität weigerten sie sich dessen beharrlich. Der Prinz, sagten sie, behaupte sowohl von weltlichen als von geistlichen Peers eingeladen worden zu sein. Die Beschuldigung sei gemeinsam, warum solle also nicht auch die Rechtfertigung gemeinsam sein? „Ich errathe Alles,“ sagte der König; „einige weltliche Peers sind bei Ihnen gewesen und haben Sie überredet, mir in dieser Angelegenheit einen Strich durch die Rechnung zu machen.“ Die Bischöfe versicherten feierlich, daß dem nicht so sei. Aber es würde sonderbar aussehen, bemerkten sie, wenn in einer Frage, bei welcher hochwichtige politische und militairische Rücksichten im Spiele seien, die weltlichen Peers völlig übergangen würden und die Prälaten allein eine hervorragende Rolle spielen sollten. „Ich will es nun einmal so,“ entgegnete Jakob. „Ich bin Ihr König und ich muß wissen, was das Zweckmäßigste ist. Ich will meinen eigenen Weg gehen, und ich verlange von Ihnen, daß Sie mich unterstützen.“ Die Bischöfe versicherten ihn, daß sie vollkommen bereit seien, ihn im Bereiche ihres Wirkungskreises zu unterstützen, als christliche Geistliche mit ihren Gebeten und als Peers des Königreichs mit ihrem parlamentarischen Rathe. Jakob, der weder die Gebete von Ketzern, noch den Rath von Parlamenten brauchte, sah sich bitter getäuscht. Nach einem langen Wortwechsel sagte er endlich: „Genug, ich will Sie nicht weiter belästigen. Da Sie mir nicht beistehen wollen, muß ich mich auf mich selbst und auf meine eigenen Waffen beschränken.“[103]

[103.] Clarke’s Life of James the Second, II. 210; Sprat’s Narrative; Citters, 6.(16.) Nov. 1688.

Ruhestörungen in London. [Kaum] hatten die Bischöfe den König verlassen, so brachte ein Courier die Nachricht, daß der Prinz von Oranien am vorigen Tage in Devonshire gelandet sei. Während der nächstfolgenden Woche war London in gewaltiger Aufregung. Am Sonntag, den 11. November, verbreitete sich das Gerücht, daß in dem unter dem Patronat des Königs zu Clerkenwell errichteten Kloster Messer, Bratroste und Siedekessel versteckt wären, welche zur Folterung von Ketzern hätten dienen sollen. Zahlreiche Menschenmassen belagerten das Gebäude und schickten sich eben an, es zu demoliren, als eine Truppenabtheilung ankam. Die Menge wurde auseinandergetrieben und mehrere von den Aufwieglern wurden niedergemacht. Die Leichen der Gefallenen wurden von einem Todtenschau-Gericht[104] untersucht, und dieses gab einen Ausspruch ab, der für die allgemeine Volksstimmung sehr bezeichnend war. Die Jury erklärte sich dahin, daß gewisse loyale und wohlgesinnte Personen, welche ausgegangen seien, um eine Versammlung von Landesverräthern und öffentlichen Feinden in einem Meßhause aufzuheben, vorsätzlich von den Soldaten ermordet wären, und dieses sonderbare Verdict war von sämmtlichen Geschwornen unterzeichnet. Die Mönche von Clerkenwell, welche diese Symptome der Volksstimmung natürlich nicht wenig beunruhigte, sorgten ängstlich für die Sicherung ihres Eigenthums. Es gelang ihnen auch, den größten Theil ihres Mobiliars fortzuschaffen, ehe dieses Vorhaben ruchbar geworden war. Endlich aber wurde der Verdacht des Pöbels doch rege, die beiden letzten Lastwagen wurden in Holborn angehalten und Alles was sich darauf befand, auf offener Straße verbrannt. Die Angst unter den Katholiken war so groß, daß alle ihre Gotteshäuser mit Ausnahme derjenigen, welche der königlichen Familie und den auswärtigen Gesandten gehörten, geschlossen wurden.[105]

Im Ganzen hatten jedoch die Dinge bis jetzt noch kein für Jakob ungünstiges Aussehen. Die Eingedrungenen befanden sich schon über eine Woche auf englischem Boden und noch hatte sich keine hervorragende Persönlichkeit ihnen angeschlossen. Weder im Norden noch im Osten war ein Aufstand ausgebrochen; kein Diener der Krone schien noch seiner Pflicht untreu geworden zu sein; die königliche Armee sammelte sich rasch in Salisbury, und wenn sie auch dem Heere Wilhelm’s in der Kriegszucht nachstand, so war sie doch an Zahl demselben überlegen.

[104.] In England muß der Coroner bei unnatürlichen Todesfällen eine Jury von zwölf Personen versammeln, welche darüber zu entscheiden hat, ob ein Verbrechen begangen worden ist, um in diesem Falle bei den zuständigen Gerichten Anzeige zu machen. — Der Übers.

[105.] Luttrell’s Diary; Neuigkeitsbrief in der Mackintosh-Sammlung; Adda, 16.(26.) Nov. 1688.